Atlas: Echte Spannungen statt virtueller Seeschlachten
Im MMORPG Atlas gibt es offenbar ernsthafte Auseinandersetzungen zwischen Spielern aus dem Westen – vor allem aus den USA – und aus China. Das in einem Piratenszenario angesiedelte Atlas ist seit Dezember 2018 online, es hat eine Besonderheit: In den Weiten der virtuellen Ozeane können sich laut Hersteller bis zu 40.000 Teilnehmer aufhalten. Das hat offenbar dazu geführt, dass sich auf Basis der nationalen Zugehörigkeit große Gilden gebildet haben, die zunehmend in Streit mit Gruppierungen aus anderen Ländern geraten.
Mit den Nickeligkeiten, wie sie etwa bei Anhängern unterschiedlicher Fußballmannschaften üblich sind, haben die Konflikte zumindest in ihren extremen Ausprägungen nichts mehr zu tun. Das Magazin PC Gamer berichtet(öffnet im neuen Fenster) unter Bezug auf Insider von Reddit(öffnet im neuen Fenster), dass US-Spieler sogar so weit gehen, in der Nähe von chinesischen Gegnern im Chat bestimmte Wörter zu verwenden, um die Überwachungsbehörden zu Verhaftungen anzustiften. Ob das bereits geschehen ist, und ob es überhaupt funktionieren könnte, ist allerdings unklar.

Laut PC Gamer soll aber auch sonst in einem relativ großen Kreis der Community inzwischen die Verwendung von rassistischen Parolen und Beschimpfungen zum Alltag gehören. Eine kurze Suche in den entsprechenden Foren auf Reddit, die momentan der zentrale Anlaufplatz für Fans von Atlas sind, bestätigt das schnell.
Das Entwicklerstudio Grapeshot Games, das als Ableger von Wildcard (Ark Survival Evolved) hinter Atlas steckt, hat sich noch nicht zu dem Problem geäußert. Vor allem aber existiert innerhalb des Systems bislang kein System, mit dem etwa problematische Umgangsformen von Einzelnen gemeldet werden könnten.
Das hierzulande rund 25 Euro teure Spiel befindet sich im Early Access(öffnet im neuen Fenster) und soll laufend erweitert und verbessert werden. Die Macher selbst gehen davon aus, dass das Programm frühestens in zwei Jahren einigermaßen fertig wird. Entsprechend lange könnte es dauern, bis es Verfahren zur Eindämmung von toxischem Verhalten gibt.
Neben der nationalen Zugehörigkeit befördern weitere Details die Schwierigkeiten, die es sonst in der Form bei anderen Onlinegames nicht gibt. So nutzen die beiden Lager die Unterschiede in den jeweiligen Zeitzonen offenbar regelmäßig dafür, das gegnerische Lager dann zu überfallen und weitgehend zu zerstören, solange die potenziellen Verteidiger gerade schlafen.
Derzeit gibt es zwei Server, einen für den nordamerikanischen Raum und einen für Europa. Die chinesischen Spieler sind überwiegend auf dem US-Server unterwegs. Einen eigenen für Asien gibt es nicht. Atlas ist nicht das erste Computerspiel, in dem es zu Rivalitäten zwischen chinesischen und westlichen Gamern kommt. Auch in Pubg gab es rasch Spannungen zwischen den beiden Lagern.
Europäer und Amerikaner hatten sich beschwert, die Chinesen würden extrem viel cheaten. Allerdings ist das Problem längst nicht so eskaliert wie derzeit in Atlas, was wohl an der längst nicht so starken Gruppendynamik liegen dürfte, die es in Pubg wegen der begrenzten Teilnehmerzahl gibt. Das Thema dürfte weiter an Bedeutung gewinnen, schließlich wächst der Spielemarkt in China stark – und viele Spieler greifen bevorzugt zu PC-Games, sodass es keinen Plattformbetreiber mit langfristen Sanktionsmöglichkeiten gibt.