Athena1: Sipearls Rhea kommt als Variante für normale Computer
Mit Rhea1 entwickelt das französische Start-up Sipearl den ersten europäischen High-End-Prozessor. Eingesetzt werden soll er in Supercomputern wie Jupiter beim Forschungszentrum Jülich . Dieser Markt ist allerdings recht klein, mit dem jüngst vorgestellten Athena1 will Sipearl weitere Bereiche erschließen.
Der Entwickler bezeichnet Athena1 als "Dual-use Processor" , also eine CPU, die sowohl für zivile als auch militärische Anwendungszwecke gedacht ist. Allzu viel verrät die kurze Pressemitteilung (PDF)(öffnet im neuen Fenster) allerdings noch nicht – es heißt lediglich, Athena1 solle über "speziell auf den Einsatz in Verwaltung, Verteidigung und Raumfahrt angepasste Features" verfügen.
Sehr wahrscheinlich sind damit unter anderem Beschleuniger für Kryptografie gemeint, gesicherte Kommunikation wird als ein Einsatzzweck genannt. Ob auch Features für erhöhte Verlässlichkeit, wie Lockstepping, bei dem zwei oder mehr Kerne ein Programm abarbeiten und ihre Ergebnisse vergleichen, integriert werden, bleibt abzuwarten.
Mehr Varianten
Sicher ist hingegen, dass Sipearl Rhea1 nicht einfach umgelabelt hat, auch wenn es sich um eine Variante des Prozessors handeln soll. Das gerenderte Bild von Athena1 zeigt keinen HBM2e (High Bandwidth Memory), mit dem Rhea1 ausgestattet ist.
Auch sollen Varianten mit 16, 32, 48, 64 und 80 ARM Neoverse-V1-Kernen angeboten werden – Rhea1 soll Anfang 2026 mit 80 Kernen ausgeliefert werden. Ob Sipearl dabei auf mehrere monolithische Designs oder Chiplets setzt, bleibt abzuwarten. Auch von Details etwa zur angestrebten Taktfrequenz oder der Anzahl der Speichercontroller dürfen wir uns überraschen lassen. Rhea1 verfügt über vier DDR5-Kanäle, hinzu kommen 104 PCIe-Gen5-Lanes zum Anbinden von Geräten.
Auf den Markt kommen soll Athena1 2027 – im Vergleich zu anderen Prozessoren wird die Leistung dann nicht mehr konkurrenzfähig sein. ARM hat bereits Anfang 2024 die dritte Generation der Neoverse-V-Kerne vorgestellt . Schon Rhea1 ist stark verspätet, eigentlich sollte die CPU 2022 fertig sein .
Trügerische Unabhängigkeit
Wie Rhea1 soll auch Athena1 von TSMC im N6-Prozess, der EUV-Variante der 7-nm-Familie, gefertigt werden. Fertigung und Packaging sollen in Taiwan erfolgen, Letzteres will Sipearl perspektivisch nach Europa holen. Das konterkariert das Ziel des Herstellers, Europa bei Hochleistungsprozessoren unabhängiger zu machen: Ein eigenes Design nutzt wenig, wenn man es nicht selbst herstellen kann. Sollte die Volksrepublik China die Republik China (der offizielle Name Taiwans) tatsächlich überfallen, wäre es mit der Unabhängigkeit dahin – diese Gefahr sehen einige Beobachter bereits für 2027 , wenn Athena1 auf den Markt kommen soll. Auch eine Blockade wäre bereits problematisch.
Bei einem Prozessor, der explizit im Verteidigungsbereich eingesetzt werden soll, ist diese Abhängigkeit ungünstig. Sie offenbart einmal mehr Europas schwache Aufstellung in der Fertigung moderner Halbleiter. Zwar käme für die Fertigung Intels Fab in Irland infrage, hierfür müsste aber das Design portiert werden. Und das Packaging müsste wohl in Asien erfolgen.
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