Atari VCS (1977): Das Video Computer System

Die Konsole, die eine Industrie begründete und fast wieder vernichtete im Golem retro_.

Artikel von Martin Wolf veröffentlicht am
Das Video Computer System mit Joystick, Paddles und Spielmodulen
Das Video Computer System mit Joystick, Paddles und Spielmodulen (Bild: /CC-BY 4.0)

Es gibt kein Gerät, das so sehr mit Aufstieg und Fall des Mediums Videospiel verknüpft ist wie Ataris Video Computer System. Sie war nicht die erste Spielkonsole, sie war nicht einmal die erste Spielkonsole mit wechselbaren Modulen – aber sie beherrschte für einige Jahre den Markt. Ihre Klötzchengrafik stand für Spielvergnügen auf dem heimischen Fernseher.

Atari wurde 1972 von Nolan Bushnell und Ted Dabney gegründet. Sie wollten unter diesem Namen elektronische Spiele für Bildschirme entwickeln – ein Novum in den damaligen Spielhallen. Innerhalb von drei Jahren hatten sie neben einigen anderen Erfolgen mit dem simplen Pong einen veritablen Hit gelandet. Der sollte nun auch in die US-amerikanischen Wohnzimmer einziehen. Eine eigenständige Spielkonsole wurde entwickelt und verkaufte sich gut.

Schnell wurde aber klar, dass nicht jedes neue Spiel mit komplett neuer Hardware ausgestattet werden konnte. Dieses Prinzip funktionierte in der Spielhalle, aber die millionenfache Auflage, der enge Kostenrahmen und das hohe geschäftliche Risiko von Massenmarktprodukten ließen die Ingenieure bei Atari nach einer Alternative suchen.

Viel Zeit blieb nicht: Konkurrent Fairchild hatte bereits einen funktionierenden Prototyp, als Atari mit der Entwicklung seiner zukünftigen Heimspielplattform begann.

1975 gab es nur eine Handvoll Computer für den privaten Gebrauch. Es handelte sich um teure, blinkende Kästen. Wer Daten auf seinem Fernseher anzeigen lassen wollte, musste sich ein Terminal selbst zusammenbauen. Universell einsetzbare Prozessoren waren ebenfalls Mangelware. So war der Prototyp des Video Computer Systems eine Wette auf die Zukunft.

Die 6507-CPU konnte 8 Kbyte adressieren, 128 Byte an RAM mussten ausreichen. Weil die Ingenieure wenig darüber wussten, wie Spiele aussehen würden, planten sie mit ein paar beweglichen Objekten, die sie als zwei Schläger, zwei Raketen und einen Ball implementierten. Auch einen Hintergrund sah das Design des Spezialchips TIA vor.

Dieser Television Interface Adapter war für Grafik und Ton zuständig und kam ohne eigenen Speicher aus. So wurde jede Zeile eines Bildes live aus der CPU an den TIA übertragen, der es in ein analoges Signal umwandelte und an den Fernseher sendete. Dafür konnten auf 40 x 192 Pixeln theoretisch mehr als 100 Farben dargestellt werden.

Obwohl es Atari finanziell gut ging und die Spielhallenhits eine solide Software-Basis für das kommende Gerät boten, überforderte der Wettlauf zur Serienreife das Unternehmen. Zeitgleich mit dem Marktstart der Konkurrenzkonsole Fairchild Channel F verkaufte Gründer Nolan Bushnell im Jahr 1976 Atari an Warner Communications, die mit Geld und guten Geschäftsverbindungen den Endspurt der Konsolenentwicklung beschleunigten.

Knapp ein Jahr nach dem Channel F kam das Atari Video Computer System in die Läden. Dort blieb es zunächst aber auch.

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Vom Ladenhüter zum Verkaufsschlager 
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Crass Spektakel 02. Jan 2023

Der parallele IEEE-488-Bus unterstützt zwar 255 Endpunkte aber die serielle...

ufo70 27. Dez 2022

Ja, ich hatte die "moderne" Version in Schwarz, die ich damals als Kind viel geiler fand...

ufo70 27. Dez 2022

Ja, die waren alle kompatibel. Der Competition Pro war teuer, aber das Non plus Ultra...

mwo (Golem.de) 27. Dez 2022

Da ging es unter anderem um die flackernden Sprites, die das Spiel zur Qual machten.



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