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AT&T: US-Konzerne sollen Netzausbau in ländlichen Regionen zahlen

AT&T möchte Google, Meta und Netflix zu Zahlungen in einen Förderfonds für den Breitbandausbau verpflichten. Die FCC soll die Grundlage dazu schaffen.
/ Marius Pieruschka
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Streaminganbieter wie Netflix sollen den Netzausbau mitfinanzieren. (Bild: Pixabay)
Streaminganbieter wie Netflix sollen den Netzausbau mitfinanzieren. Bild: Pixabay

Große US-Unternehmen, die für einen hohen Datenverbrauch in den Netzen verantwortlich sind, sollen an den Kosten für den Breitbandausbau beteiligt werden. Die Forderung ist nicht neu. Bisher sind alle Versuche, diese Idee umzusetzen, am Widerstand der großen Konzerne gescheitert. Nun startet der US-Netzbetreiber AT&T laut Cord Cutter News(öffnet im neuen Fenster) einen neuen Anlauf. Unternehmen wie Google, Meta und Netflix sollen sich finanziell am Netzausbau in ländlichen Regionen der USA beteiligen. Hierzu könnten die Konzerne jährlich in den Universal Service Fund der Regierung einzahlen.

Der USF enthält Fördergelder für den Breitbandausbau in ländlichen oder unversorgten Regionen der USA. Weiterhin dient der Fonds dazu, einkommensschwachen Haushalten einen Zugang zu Telefonie und Internet zu ermöglichen. Eine nachhaltige Finanzierung des Universal Service Fund ist nach der Ansicht von AT&T gefährdet.

In den Fonds fließen Gelder, die die TK-Anbieter aus der klassischen Telefonie erzielen. Nach Auffassung von Rhonda Johnson, Executive Vice President bei AT&T, handelt es sich um ein veraltetes Finanzierungsmodell: "Today's USF funding mechanism was developed in a time where home phone service was the predominant method of communication."

AT&T fordert die Federal Communications Commission auf, den Universal Service Fund zu reformieren, damit in Zukunft weiterhin Fördergelder für ländliche Regionen vorhanden sind. Hierzu sei es notwendig, dass Unternehmen wie Meta und Google jährlich in den Fonds einzahlen. Wie das Finanzierungsmodell konkret aussehen soll, bleibe der FCC überlassen.

Europäische Netzbetreiber fordern Datenmaut für US-Konzerne

Auch in Europa drängen Netzbetreiber darauf, dass große US-Konzerne sich an den Kosten für den Netzausbau beteiligen. Im Juni 2022 waren die Telekommunikationskonzerne ihrem Ziel so nah wie nie zuvor. Die EU-Kommission zeigte sich den Forderungen der Netzbetreiber gegenüber offen. Die Debatte befand sich laut Alessandro Gropelli, stellvertretender Direktor des Telekom-Lobbyverbands ETNO (European Telecommunications Network Operators), bereits in einer " heißen Phase ". Im Jahr 2023 sollte eine europäische Datenmaut für große US-Konzerne zur Realität werden.

Wenig später ruderte Brüssel zurück. Die vorgebrachten Argumente der Netzbetreiber für eine Abgabe reichten der EU-Kommission nicht aus. TK-Unternehmen wurden aufgefordert, genauer zu begründen, warum sich Streaminganbieter finanziell am Netzausbau beteiligen sollen. Die EU-Kommission kündigte im September 2022 an, den Netzbetreibern hierzu einen Fragebogen zukommen zu lassen. In den kommenden Monaten wendete sich das Blatt zugunsten der US-Unternehmen.

Datenmaut ist in der EU vom Tisch

Mittlerweile mehreren sich in der EU die Stimmen gegen eine finanzielle Beteiligung der großen US-Konzerne. Am 1. Juni 2023 sprachen sich 18 von 27 EU-Ländern bei einem Treffen mit EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton gegen eine Abgabe der Technologieunternehmen aus. Damit dürfte eine Datenmaut in der Europäischen Union erst einmal vom Tisch sein. Ob AT&T in den USA mit dem Vorstoß einer Reformierung des USF Erfolg hat, ist fraglich.


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