Asus Zenfone 10 im Test: Das beste kleine Android-Smartphone am Markt
Der Markt an kleinen Smartphones mit Top-Ausstattung ist in den letzten Jahren überschaubar geworden: Sony hat seine ursprüngliche Compact-Reihe eingestellt, von Apple kommen kleine Smartphones nicht in verlässlicher Frequenz. Asus hingegen lässt sich davon nicht beeindrucken und hat mit dem Zenfone 10 ein neues kompaktes Premiumgerät präsentiert.
Das Zenfone 10 hat wie sein Vorgänger ein 5,9 Zoll großes AMOLED-Display mit FHD+-Auflösung, das eine Bildrate von bis zu 120 Hz unterstützt. Möglich sind sogar 144 Hz, dies aber nur über den vorinstallierten Gaming-Hub Game Genie in Spielen. Der Bildschirm hat eine sehr gute Blickwinkelstabilität und gute Farben.
Dank der kompakten Ausmaße des Displays liegt das Zenfone 10 angenehm in der Hand: Es ist 145 x 68 x 9,5 mm groß und damit kleiner als andere kleine Modelle aktueller Smartphone-Serien, wie etwa das Galaxy S23 oder das Pixel 7. Allzu klein ist aber auch das Zenfone 10 nicht: Wenn wir mit dem Daumen der rechten Hand die linke obere Ecke des Display erreichen wollen, müssen wir die Position des Smartphones dennoch ändern.
Qualcomms stärkstes SoC und reichlich Arbeitsspeicher
Trotz der Größe müssen wir keine Abstriche bei der Leistung machen: Im Zenfone 10 steckt ein Snapdragon 8 Gen 2, das aktuell leistungsfähigste SoC von Qualcomm. In den Benchmarktests liegt das Zenfone wenig überraschend auf gleichem Niveau wie das ROG Phone 7 Pro , das das gleiche Chipset verwendet. Zusammen mit den maximalen 16 GByte Arbeitsspeicher läuft unser Testgerät in allen Situationen flüssig – die ebenfalls verfügbaren Modelle mit 8 GByte sollten ausreichen.
Aufgrund der Platzverhältnisse hat auch das Zenfone 10 wie sein Vorgänger eine Dualkamera; ein Teleobjektiv fehlt dem Smartphone. Die Hauptkamera hat 50 Megapixel, die Superweitwinkelkamera 13 Megapixel. Auf der Vorderseite ist im Display eine Selfie-Kamera mit 32 Megapixeln eingebaut.
Grundsätzlich verwendet die Hauptkamera des Zenfone 10 Pixel-Binning und fasst Pixel zusammen, so dass Bilder mit 12,6 Megapixeln entstehen. Volle 50 Megapixel können wir verwenden, indem wir die Option in den Kameraeinstellungen auswählen. Die Schärfe der Standardbilder ist in Ordnung, im Vergleich zu anderen Top-Smartphones aber weniger gut.
Asus ist einer der wenigen Hersteller, der mit den KI-Bildverbesserungen des Snapdragon 8 Gen 2 wirbt: Während der Aufnahme analysiert das Smartphone verschiedene Bildbereiche und bearbeitet sie. Dabei hat es Asus unserer Meinung nach etwas übertrieben: Das Blau des Himmels und das Grün der Bäume werden für unseren Geschmack viel zu stark betont und sind übersättigt. Ausschalten können wir das nicht.
Gute Nachtaufnahmen ohne Verwackler
Für Nachtaufnahmen hat das Zenfone 10 einen Nachtmodus, der die Belichtungszeit automatisch verlängert. Aus der Hand gelingen dank Stabilisierung scharfe Aufnahmen, bei denen auch sehr dunkle Bereiche stark aufgehellt werden. Von der Belichtung her ist uns das teilweise schon etwas zu hell, Details sind dadurch aber sehr gut zu erkennen.
Allerdings leidet die sowieso nicht besonders hohe Schärfe unter sehr starker Aufhellung, auch die Artefakte sind bereits bei Aufnahmen mit der Hauptkamera deutlich sichtbar. Der Nachtmodus funktioniert auch mit der Superweitwinkelkamera, die Bilddynamik ist dort aber wesentlich schlechter und das Rauschen sehr stark.
Eingebauter Gimbal bringt gute Stabilisierung
Zoom-Aufnahmen mit dem Zenfone 10 sind im niedrigen Vergrößerungsbereich problemlos möglich, bei maximaler 8-facher Vergrößerung ist die Qualität auch bei Tageslicht nicht mehr allzu gut. Das Zenfone 10 ist eines der wenigen Smartphones auf dem Markt, das einen eingebauten Gimbal für die optische Stabilisierung von Fotos und Videos verwendet. Dieser hat sechs Achsen und bewegt zum Ausgleich nicht nur ein Linsenelement, sondern das gesamte Kameramodul.
Im Zusammenspiel mit dem elektronischen Bildstabilisator gelingen sehr ruhige Videoaufnahmen, bei schnellen Schwenks wirkt die Stabilisierung tatsächlich eher wie die eines Gimbal und nicht einer herkömmlichen optischen Stabilisierung. Videos können wir mit bis zu 8K bei 24 fps aufnehmen, die 4K-Aufnahmen mit 60 fps sehen für unseren Geschmack aber besser aus, da sie ruckelfreier sind. Die elektronische Videostabilisierung soll Asus zufolge mittels KI erkennen, wie viel Stabilisierung gerade notwendig ist und diese entsprechend automatisch anpassen.
Interessant finden wir einige der Extras, die Asus dem Zenfone 10 spendiert hat. So ist im flachen Einschalter nicht nur ein gut funktionierender Fingerabdrucksensor verbaut: Die Sensorfläche kann auch mit verschiedenen Gesten programmiert werden. Wir können nicht nur wie bei anderen Smartphones die Spracheingabe oder Apps mit einem doppelten Druck starten, sondern auch eine Wischbewegung nutzen. Mit dieser können wir beispielsweise die Benachrichtigungsleiste nach unten ziehen oder zum Ende oder Anfang einer Webseite springen.
Klinkenanschluss für Kopfhörer
Anders als wesentlich größere Smartphones behält Asus auch beim Zenfone 10 den Klinkenanschluss für Kopfhörer bei. Zusätzlich unterstützt das Smartphone mit Snapdragon Sound eine Reihe von Codecs für drahtlose Musikübertragung.
Der Akku hat eine Nennladung von 4.300 mAh und lässt sich mit einem Kabel mit bis zu 30 Watt aufladen. Anders als der Vorgänger lässt sich das Zenfone 10 auch drahtlos laden – maximal 15 Watt sind dabei drin. Einen 1080p-Film mit 60 fps können wir bei voller Helligkeit 17 Stunden lang schauen – ein sehr guter Wert. Im Alltag hält das Zenfone 10 auch bei stärkerer Nutzung problemlos einen Tag lang durch und hat am Abend noch Reserven.
Das Design entspricht weitgehend dem des Zenfone 9, das rückseitige Material hat eine raue Oberfläche, die sich fast wie Pappe anfühlt – aber wesentlich stabiler ist. Ausgeliefert wird das Smartphone mit Android 13, dessen Benutzeroberfläche Asus wie in der Vergangenheit relativ unangetastet lässt.
Auch beim Zenfone 10 verzichtet Asus weitgehend auf die Installation von unnötiger Software. Richten wir das Gerät zum ersten Mal ein und verzichten darauf, ein Back-up wiederherzustellen, finden sich nur die grundlegenden Google-Apps auf dem Smartphone. Lediglich Instagram, Facebook, der Facebook Messenger, Phone Clone und eine Tipps-App sind zusätzlich installiert.
Endlich bekommen die Zenfones längere Updates
Erfreulicherweise setzt Asus auch beim Zenfone 10 auf seine neue Updatepolitik, die vier Jahre Sicherheitsupdates und zwei Versionsupgrades anbietet. Asus hatte dies erstmals bei der ROG-Phone-7-Reihe versprochen, nachdem zuvor lediglich zwei Jahre lang Updates und Upgrades geliefert wurden. Der neue, längere Zeitraum ist immer noch kürzer als etwa bei Samsung oder Apple, aber besser als zuvor.
Asus Zenfone 10: Verfügbarkeit und Fazit
Das Zenfone 10(öffnet im neuen Fenster) ist in Deutschland in drei Speicherkonfigurationen erhältlich. Die Version mit 8 GByte Arbeitsspeicher und 128 GByte Flash-Speicher kostet 800 Euro, die Variante mit gleich großem RAM, aber 256 GByte Flash-Speicher ist für 850 Euro erhältlich. Das teuerste Modell hat 16 GByte RAM und 512 GByte Flash-Speicher und kostet 930 Euro. Damit hat Asus nur den Preis der größten Variante um 30 Euro angehoben.
Fazit
Das Zenfone 10 ist mehr oder weniger das einzige technisch hochwertig ausgestattete, kleine Android-Smartphone am Markt. Erfreulich finden wir, dass Asus die Serie weiterführt und wie beim Zenfone 9 direkt auf ein größeres Modell verzichtet, das es noch beim Zenfone 8 gegeben hatte.
Das Zenfone 10 hat eine Top-Ausstattung: Vor allem, was das SoC und das Display betrifft, macht Asus keine Kompromisse. Diese werden an anderer Stelle gemacht, vor allem bei der Kamera. Dass das Zenfone 10 kein Teleobjektiv hat, können wir dabei noch verschmerzen.
Die Qualität der Hauptkamera ist aber grundsätzlich eher mittelmäßig, was die Schärfe betrifft. Uns gefällt auch die automatische Optimierung nicht, vor allem in Bezug auf die Farbsättigung, die für unseren Geschmack zu stark ist. Hoffentlich wird Asus hier noch ein bisschen nachbessern.
Der vielseitige Fingerabdrucksensor gefällt uns ebenso gut wie der Umstand, dass Asus weiterhin auf einen Klinkenanschluss für Kopfhörer setzt. Gleichzeitig unterstützt das Zenfone 10 aber auch alle Codecs, die man sich wünschen kann.
Und letztlich hat Asus auch bei seiner Zenfone-Reihe ein Einsehen, was die Software-Updates betrifft: Konnten wir die Modelle aus den letzten Jahren wegen des nur zweijährigen Update-Zeitraums nicht guten Gewissens empfehlen, hat Asus diesen nun auf vier Jahre mit zwei Versions-Upgrades erweitert. Das ist hinsichtlich einer nachhaltigeren Nutzung ein deutlicher Schritt nach vorn.
Am Ende ist Asus' Zenfone 10 kein perfektes Smartphone, aber in diesem Format eines der besten auf dem Markt. Vor allem die mittlere Option für 850 Euro finden wir verlockend und vom Speicher her ausreichend. Ein besseres Android-Smartphone in dieser Größe werden Liebhaber kleiner Mobiltelefone wohl kaum finden.
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