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Asus ROG Xbox Ally X im Test: Kompakt, kompatibel - und kompliziert

Ein vollwertiger Windows-PC im Handheld-Format: Der Asus ROG Xbox Ally X bietet viel Leistung und Freiheit, aber auch ein paar Stolperfallen.
/ Peter Steinlechner
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Asus ROG Xbox Ally X im Einsatz mit Battlefield 6 auf Steam (Bild: Peter Steinlechner/Golem)
Asus ROG Xbox Ally X im Einsatz mit Battlefield 6 auf Steam Bild: Peter Steinlechner/Golem

Wenn wir als PC-Gamer im Urlaub oder unterwegs nicht auf unsere Lieblingsspiele verzichten wollten, standen wir früher vor einem Dilemma: Entweder reisten wir mit dem Desktop-Rechner samt Monitor und Tastatur in einem Extrakoffer – oder wir spielten gar nicht.

Inzwischen gibt es Lösungen wie das Steam Deck, und nun eben auch das Asus ROG Xbox Ally X. Das ist im Prinzip ein kompletter Windows-PC im Handheld-Format. Sieht aus wie ein in die Breite gezogenes Gamepad mit Bildschirm, verhält sich aber eher wie ein Mini-Notebook.

Wichtig: Der Namensbestandteil "Xbox" und die Xbox-Taste erwecken den Eindruck einer Konsole wie der Nintendo Switch 2. Das ist das Asus ROG Xbox Ally X nicht! Von der Xbox bekannte Spiele laufen hier nur, wenn sie Teil des Play-Anywhere-Programms von Microsoft sind, an neueren Titeln nennen wir hier exemplarisch Doom – The Dark Ages und Avowed. Von beiden können wir die PC-Version installieren und verwenden.

Aber wer sich GTA 5 oder Battlefield 6 auf der Xbox gekauft hat, bekommt auf dem ROG Ally X keinen Zugriff, sondern muss die Titel neu und ohne jeden Rabatt etwa auf Steam kaufen, um sie unterwegs zu verwenden.

Nach dem Einschalten begrüßt uns Windows 11, darüber legt sich die sogenannte Xbox-Vollbildoberfläche. Sie erinnert an die Menüstruktur einer Konsole, ist aber letztlich nur eine angepasste Windows-Shell mit Zugriff auf Game Pass, Cloud Gaming, Remote Play und natürlich klassische PC-Stores wie Steam oder Ubisoft Connect. Andere Shops können wir ebenfalls verwenden.

Spezifikationen Asus ROG Xbox Ally /X
Asus ROG Xbox Ally X Asus ROG Xbox Ally
Betriebssystem Windows 11 Home Windows 11 Home
Bedienung Touch, sowie: ABXY-Tasten / Steuerkreuz / analoge L- und R-Hall-Trigger / L- und R-Schultertasten / Xbox-Taste / Ansicht-Taste / Menü-Taste / Command-Center-Taste / Bibliotheks-Taste / zwei frei belegbare Rücktasten / zwei vollwertige Analogsticks / HD-Vibration / Sechs-Achsen-Bewegungssensor Touch, sowie: ABXY-Tasten / Steuerkreuz / analoge L- und R-Hall-Trigger / L- und R-Schultertasten / Xbox-Taste / Ansicht-Taste / Menü-Taste / Command-Center-Taste / Bibliotheks-Taste / zwei frei belegbare Rücktasten / zwei vollwertige Analogsticks / HD-Vibration / Sechs-Achsen-Bewegungssensor
Prozessor AMD Ryzen AI Z2 Extreme Prozessor mit 8 Kernen und 16 Threads (Zen 5, Boost bis zu 5 GHz) / RDNA 3.5-Grafikeinheit mit 16 Compute Units (Boost bis zu 2,9 GHz) – NPU mit bis zu 50 TOPS Rechenleistung AMD Ryzen Z2 A Prozessor mit 4 Kernen und 8 Threads (Zen 2, Boost bis zu 3,8 GHz) / RDNA 2-Grafikeinheit mit 8 Compute Units (Boost bis zu 1,8 GHz)
Speicher (RAM) 24 GByte LPDDR 5X-8000 16 GByte LPDDR 5-6400
Datenspeicher 1 TByte M.2 2280 SSD 512 GByte M.2 2280 SSD
Anzeige 7-Zoll-FHD-IPS-Display (1080p) mit 500 Nits Helligkeit, 16:9-Format und 120 Hz Bildwiederholrate, AMD FreeSync Premium (Variable Refresh Rate), Corning Gorilla Glass Victus mit DXC-Antireflexbeschichtung 7-Zoll-FHD-IPS-Display (1080p) mit 500 Nits Helligkeit, 16:9-Format und 120 Hz Bildwiederholrate, AMD FreeSync Premium (Variable Refresh Rate), Corning Gorilla Glass Victus mit DXC-Antireflexbeschichtung
Anschlüsse 1x USB4-Typ-C mit DisplayPort 2.1 und Power Delivery 3.0, kompatibel zu Thunderbolt 4 / 1x USB 3.2 Gen 2 Typ-C mit DisplayPort 2.1 und Power Delivery 3.0 / 1x UHS-II-microSD-Kartenleser (unterstützt SD, SDXC und SDHC; UHS-I im DDR200-Modus) / 1x 3,5-mm-Kombi-Audioanschluss 2x USB 3.2 Gen 2 Typ-C mit DisplayPort 1.4 und Power Delivery 3.0 / 1x UHS-II-microSD-Kartenleser (unterstützt SD, SDXC und SDHC) / 1x 3,5-mm-Kombi-Audioanschluss
Konnektivität Wlan 6E (2 x 2) + Bluetooth 5.4 Wlan 6E (2 x 2) + Bluetooth 5.4
Größe / Gewicht 290,8 x 121,5 x 50,7 mm / 715 Gramm 290,8 x 121,5 x 50,7 mm / 670 Gramm
Akku 80 Wh 60Wh

Das ist ein wesentlicher Unterschied zum Steam Deck, das auf einem stark optimierten Linux basiert. Dort laufen nur kompatible Titel oder solche, die Valve freigegeben hat. Auf dem Ally X hingegen sollte theoretisch alles laufen, was auch auf einem Windows-PC funktioniert. Praktisch bedeutet das: viel Freiheit, aber auch einigermaßen viel Gefrickel.

Schon beim ersten Start zeigt sich, wie groß der PC-Anteil ist: Die Basisinstallation ist in rund 15 Minuten erledigt – dann allerdings folgen noch Treiber- und Firmware-Updates von Asus, ein paar Windows-Patches, dazu Aktualisierungen in der Xbox-App und in Armoury Crate SE, der zentralen Steuerzentrale für Leistung, Beleuchtung und Bibliotheken.

Das funktioniert alles, wirkt aber wenig konsistent. Dazu kommt: Mal reagiert die Bedienung auf das D-Pad, mal nur auf den Touchscreen. Insgesamt läuft das System stabil, doch man spürt, dass hier zwei Welten – Konsole und PC – mühsam miteinander verbunden wurden.

Beim Spielen zeigt sich, dass der Ally X eine für seine Größe respektable Leistung bietet. In Battlefield 6, Cyberpunk 2077 und Doom – The Dark Ages lag die Bildrate im Standardmodus meist zwischen 25 und 30 fps, was für mobile Sessions ordentlich ist.

Der Start ins System dauert rund 18 Sekunden, das Gerät reagiert schnell und bleibt im Turbomodus angenehm flüssig. Verglichen mit dem Steam Deck OLED sind die Framerates ähnlich, aber die Bildqualität ist dank des helleren, 120 Hz schnellen 1080p-Displays etwas besser.

Asus ROG Xbox Ally X: Verfügbarkeit und Fazit

Die Verarbeitung macht einen ordentlichen Eindruck. Die Gehäuseform erinnert vage an den Xbox-Controller, das Tastenlayout ist fast identisch – nur breiter. Es gibt Hall-Effekt-Sticks und angenehm präzise Trigger. Das D-Pad fällt etwas ab, fühlt sich billig an, aber insgesamt liegt das etwas mehr als 700 Gramm schwere Gerät auch bei langen Sessions sehr gut in den Händen.

Besonders praktisch: zwei frei belegbare Rücktasten, die sich für häufig genutzte Funktionen oder Makros eignen. Ein Netzteil (wird nicht mitgeliefert!) sollte man allerdings dabeihaben – ohne 65 W erscheinen regelmäßig Warnungen, dass die Leistung begrenzt wird.

Das Herzstück des Systems ist das Command Center, über das man per Tastendruck Leistungsprofile und Auflösungen wechseln kann. Je nach Energieeinstellung läuft der Ally X im Leise-Modus mit 13 W oder im Turbomodus mit 25 W.

Letzterer bringt maximale Performance, leert den Akku aber in weniger als zwei Stunden. Im mittleren Leistungsbereich hält das Handheld knapp vier Stunden durch, bei Cloudstreaming laut Hersteller sogar bis zu sieben. Das ist solide, aber klar: Der Ally X ist kein Gerät für lange Outdoor-Sessions, sondern eher für Sofa, Bahn und Hotelzimmer mit Steckdose.

Die Softwareoberfläche Armoury Crate SE soll Spiele aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen – also Steam, Epic, Xbox App und andere. Das klappt im Ansatz, wirkt jedoch noch etwas unfertig.

Manche Einträge führen ins Leere, Updates erscheinen doppelt, und nicht alles lässt sich über das Command Center starten. Es ist funktional, aber nicht elegant, ganz anders als beim Steam Deck , wo Valve das komplette System aus einer Hand liefert.

Im Vergleich dazu hat der Ally X den Vorteil des offenen Windows-Ökosystems. Maus, Tastatur, externe SSD oder ein Dock lassen sich problemlos anschließen, und wer mag, verwandelt das Handheld in Sekunden in einen Mini-PC mit großem Monitor.

Das 7-Zoll-Display überzeugt mit hohem Kontrast, kräftigen Farben und Freesync, das Tearing verhindert. Die Kühlung arbeitet effektiv, bleibt aber deutlich hörbar, wenn die Lüfter unter Volllast anlaufen. Immerhin wird die Rückseite nur warm, aber nie heiß.

Das schwarze Asus ROG Xbox Ally X kostet 900 Euro, eine weiße Variante mit etwas weniger leistungsstarker Hardware und ohne "X" im Namen ist für 600 Euro unter anderem bei Asus und Microsoft erhältlich.

Fazit

Der Asus ROG Xbox Ally X ist kein Ersatz für eine Xbox, sondern ein tragbarer Windows-PC im Konsolenkleid. Das Handheld verfügt über eine Menge Leistung, ein gutes Display und ausreichend Anschlussmöglichkeiten, verlangt aber gleichzeitig Geduld und technisches Verständnis.

Für Spieler, die ihr Steam Deck manchmal zu eingeschränkt finden, ist der Ally X ein logischer nächster Schritt: mehr Power, mehr Möglichkeiten, aber auch mehr Aufwand. Das System ist vielseitig und offen, allerdings selten so komfortabel wie eine echte Konsole.

Im Alltag überzeugt das Handheld mit solider Performance und bequemer Bedienung, sobald man sich an die Eigenheiten gewöhnt hat. Richtig Spaß macht das Gerät, wenn man weiß, was man tut – wer einfach nur loszocken will, dürfte mit dem Steam Deck oder der Nintendo Switch 2 glücklicher werden.

Wer aber Lust auf Tüftelei hat und die Kombination aus PC-Freiheit und Handheld-Form sucht, findet im ROG Xbox Ally X einen spannenden Begleiter. Er ist kompakt, kompatibel – und halt auch ein bisschen kompliziert.


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