Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Astronomie: Neptunmond Nereid könnte Apokalypse überlebt haben

Von den bekannten Neptunmonden scheint nur ein ursprünglicher Begleiter übrig zu sein. Das nimmt eine Astronomie-Forschungsgruppe an.
/ Patrick Klapetz
1 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Aufnahme von Neptun, fotografiert vom Weltraumteleskop James Webb im Jahr 2022 (Bild: NASA/Naomi Rowe-Gurney, ESA, CSA, STScI/Joseph DePasquale)
Aufnahme von Neptun, fotografiert vom Weltraumteleskop James Webb im Jahr 2022 Bild: NASA/Naomi Rowe-Gurney, ESA, CSA, STScI/Joseph DePasquale

Neptuns Monde unterscheiden sich von denen aller anderen uns bekannten Gasriesen. Ein Forschungsteam am California Institute of Technology (Caltech) hat einen möglichen Lösungsansatz gefunden(öffnet im neuen Fenster). Triton, der mit Abstand größte Neptunmond, soll das ursprüngliche Mondsystem des Planeten vollständig ausgelöscht haben – mit einer einzigen Ausnahme: Nereid.

Zunächst einmal sind die Eigenschaften von Triton selbst besonders. Er dreht sich in die entgegengesetzte Richtung wie der Planet Neptun selbst. Das bedeutet, dass er sich nicht auf natürliche Weise als Teil des Planetensystems gebildet hat. Wahrscheinlicher ist es, dass er Teil eines Doppelsystems aus Objekten des Kuipergürtels (Kuiper Belt Objects, KBO), ähnlich wie Pluto und Charon, war und schließlich vom Gravitationsfeld des Neptuns eingefangen wurde.

Der merkwürdigste Mond von Neptun

Nereid selbst wurde erst 1949 von Gerard Kuiper (nach dem der Kuipergürtel benannt ist) entdeckt, mehr als 100 Jahre nach der Entdeckung von Triton. Bis zum Vorbeiflug der Raumsonde Voyager-2 am Neptun im Jahr 1989 waren Nereid und Triton die einzigen bekannten Monde des Eisriesen. Mittlerweile kennt man 16 seiner Monde.

Jedoch ist Nereids Umlaufbahn stark elliptisch und er braucht 360 Tage für eine Umrundung. Die astronomische Fachwelt nahm deswegen jahrelang an, dass es sich um einen eingefangenen KBO handelt. Dem widerspricht die aktuelle Caltech-Studie.

Die Studienautoren untersuchten Nereid deswegen erstmals mit der hochauflösenden Infrarotkamera des James-Webb-Weltraumteleskops. Statt eines dunklen, staubigen Objektes des Kuipergürtels ähnelt Nereid eher den eisigen Monden von Uranus und Saturn.

Nereid: anders als andere bekannte Monde

Im Vergleich zum Saturnmond Phoebe, einem bekannten eingefangenen KBO, sehen die wasserreichen Krater von Nereid im Infrarotlicht völlig anders aus. Die Untersuchungen widersprechen den Theorien, dass Nereid während der dynamischen Instabilität des frühen Sonnensystems eingefangen wurde. Das schließt die Herkunft aus dem Kuipergürtel – der ringförmigen, relativ flachen Region, die sich außerhalb der Neptunbahn erstreckt – weitgehend aus. Laut dem Forschungsteam scheint Nereid ein natürlich entstandener Neptunmond zu sein.

Seine Umlaufbahn ist dennoch ungewöhnlich und unterscheidet sich von denen der meisten anderen Monde im Sonnensystem. Das Team bildete mit dem dynamischen Gravitationssimulator Rebound die Neptunmonde in normalen und kreisförmigen Umlaufbahnen ab, bevor sie das System mit Triton konfrontierten.

Indizien sprechen für den einzigen überlebenden Mond im Neptunsystem

Als der eingefangene KBO in eine stark exzentrische, rückläufige Umlaufbahn eintrat, richtete er im bestehenden Mondsystem von Neptun regelrechtes Chaos an. Die meisten der ursprünglichen Monde wurden im Zuge dieses Prozesses in Stücke zerrissen oder ganz aus dem System geschleudert. Aus ihren Trümmern entstanden das heutige Ringsystem von Neptun sowie einige der winzigen Ringmonde wie Proteus.

Die Simulationen zeigten jedoch noch ein weiteres Merkmal. In etwa 20 Prozent aller Simulationsläufe schleuderte Triton einen der ursprünglichen inneren Monde, die bereits vor seiner Ankunft dort waren, in eine stabile, stark lang gestreckte, geneigte Umlaufbahn. Genau wie die von Nereid.

Zumindest in der Simulation scheint Nereid also ein ursprünglicher Mond von Neptun zu sein. Wenn das der Fall ist, könnte dies einen unverfälschten Einblick in die Entstehung des Neptunsystems bieten. Im Vergleich mit den anderen Monden von Gasriesen könnte Nereid aufgrund seiner entfernten Umlaufbahn seinen sonstigen ursprünglichen Zustand beibehalten haben. Doch ohne eine wissenschaftliche Untersuchung mittels einer Raumsonde bleibt auch das erst einmal eine Theorie.

Zur Studie

Die Forschungsergebnisse wurden am 20. Mai 2026 in Science Advances veröffentlicht: Nereid as a regular satellite of Neptune(öffnet im neuen Fenster) (Nereid als regelmäßiger Satellit von Neptun).


Relevante Themen