Die Entdeckung ist mit Sicherheit unsicher

Die Unsicherheiten sind so groß, dass sich nichts mit Sicherheit über das Objekt sagen lässt. Die Oberflächentemperatur soll auf Grundlage der unsicheren Vermutungen zur Vergrößerung zwischen 8.000 und 60.000 Kelvin liegen und die Masse zwischen 40 und 500 Sonnenmassen. Da die Modelle aber eben nur ein Konfidenzintervall von 68 Prozent haben, können die Werte auch weit außerhalb dessen liegen. Es kann sich außerdem auch um einen Doppel- oder Mehrfachstern handeln.

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Kern der Kritik im Peer Review ist die zugrunde liegende Hypothese der Datenauswertung. Dabei haben die Autoren des Nature-Papers alles getan, um zu zeigen, dass ihre Daten konsistent mit der Hypothese sind, dass es sich um die unwahrscheinliche Beobachtung des fernsten jemals beobachteten Stern handelt. Das ist gelungen.

Aber das ist nur der Beweis, dass die Möglichkeit besteht, dass das Objekt ein weit entfernter Stern ist. Es ließe sich so aber auch beweisen, dass es ein anderes Objekt sein könnte, das viel näher an der Erde ist.

Ist der Stern im Hintergrund oder Vordergrund?

Ein brauner Zwergstern in unserer Milchstraße mit weniger als 0,08 Sonnenmassen und einer Oberflächentemperatur von 3.000 Kelvin würde genauso aussehen wie das gefundene Objekt. So ein brauner Zwerg sähe in Licht unterhalb von 650 nm deutlich dunkler aus, weil er nicht heiß genug ist, um große Mengen kurzwelligen Lichts zu erzeugen.

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Solche Vordergrundobjekte (engl.: interloper) befinden sich bei der Beobachtung weit entfernter Objekte unvermeidlich auch im Bild. Selbst auf der Bildaufnahme mit dem vermeintlich fernsten Stern findet sich eines davon an einer anderen Stelle genau über der Galaxie WHL0137-zD1.

Die Wahrscheinlichkeit, im Bereich der stärksten Vergrößerung dieser Gravitationslinse zufällig auf einen großen Stern in der Galaxie zu stoßen, wird im Paper mit zwei bis vier Prozent angegeben. Da einige Dutzend ähnlicher Galaxien bekannt sind, soll die Chance gut sein, irgendwo einen Stern zu finden. Aber die Zahlen können kaum als seriös bezeichnet werden, denn es sind nur Mittelwerte einer Berechnung aus Werten, denen enorme Spannbreiten und Unsicherheiten zugrunde liegen.

Alles über Astronomie: Die Wunder des Weltalls, Sterne und Planeten beobachten

Schätzungen von Wahrscheinlichkeiten mit großer Unsicherheit

Schon der Vergrößerungsfaktor kann nicht einmal mit mehr als 68 Prozent Zuverlässigkeit auf einen Faktor 40 eingegrenzt werden. Die oberen und unteren Grenzen der Schätzung für die Sterndichte in der beobachteten Region schwanken je nach Modell zwischen 0,7 und 17 oder 1 und 30 Sonnenmassen pro Quadratparsec, mit einer Chance von 32 Prozent, auch Werte außerhalb dieser Modellannahmen anzutreffen. Annahmen über die Zusammensetzung der Sterne vor 12,8 Milliarden Jahren verzerren die Schätzungen der Wahrscheinlichkeiten noch weiter.

Es müsste von der Nasa klar gesagt werden, dass über das Objekt praktisch nichts bekannt ist, nicht einmal, ob es ein Stern ist. Das ändert nichts daran, dass es ein interessantes Objekt ist. Tatsächlich gab es schon vor Veröffentlichung des Papers zugesicherte Beobachtungszeit mit dem James-Webb-Teleskop, um ein Spektrum des Lichts von dem Objekt anzufertigen und dessen Eigenschaften und Herkunft zu klären. Bis diese Daten vorliegen, ist die Behauptung der Nasa von der Entdeckung des fernsten jemals beobachteten Sterns nicht seriös.

Golem.de berichtete schon mehrfach über grenzwertige Forschung in der Astronomie, oft in Verbindung mit der Suche nach Leben oder flüssigem Wasser auf dem Mars, die in den prestigeträchtigen Journals Nature und Science veröffentlicht wurde. Nature fiel auch schon mit unseriösen Beiträgen zu Zink-Luft-Akkus und einem Ziegelstein-Stromspeicher auf.

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 Astronomie: Nasa hat kaum Daten von angeblich fernstem Stern
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Marvin-42 07. Apr 2022 / Themenstart

Ich bin nur Laie, aber finde es immer befremdlich, wie in den Medien wortgleich die...

GwhE 03. Apr 2022 / Themenstart

Und wenn wir schon bei guten Ratschlägen sind. Wenn man weiß das man keine Ahnung hat...

JouMxyzptlk 02. Apr 2022 / Themenstart

Dann kommt es in die Warteschlange. Es ist ja nicht so dass sich bei den Entfernungen...

Hoernchen 02. Apr 2022 / Themenstart

Ich bin wirklich froh, das bei golem.de einer sitzt, der diese auch so schön hinterfragen...

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