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Astronomie: James-Webb-Teleskop entdeckt erdähnlichen Gesteinsplaneten

Der erste Exoplanet , den das James-Webb-Weltraumteleskop gefunden hat, ist erdähnlich – aber unbewohnbar.
/ Werner Pluta
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Künstlerische Darstellung des Exoplaneten LHS 475 b: einige Hundert Grad wärmer als auf der Erde (Bild: Nasa, Esa, CSA, L. Hustak (STScI))
Künstlerische Darstellung des Exoplaneten LHS 475 b: einige Hundert Grad wärmer als auf der Erde Bild: Nasa, Esa, CSA, L. Hustak (STScI)

Ein Planet wie unserer: Der erste mit dem James-Webb-Weltraumteleskops (James Webb Space Telescope, JWST) entdeckte Planet ist eine Art Erde. Hinweise auf den Planeten hatte der Satellit Transiting Exoplanet Survey Satellite (Tess) geliefert. JWST hatte ihn dann nach nur zwei Transits deutlich erfasst.

"Es steht außer Frage, dass der Planet da ist. Die unverfälschten Daten von Webb bestätigen dies" , sagte Jacob Lustig-Yaeger(öffnet im neuen Fenster) . Er ist einer der beiden Leiter des Teams, das den Planeten entdeckt hat. Der LHS 475 b benannte Planet umkreist einen roten Zwergstern im Sternbild Oktant(öffnet im neuen Fenster) , dem südlichsten Sternbild am Nachthimmel.

Das Besondere an LHS 475 b ist seine Größe: Er ist ein Gesteinsplanet und beinahe so groß wie unsere Erde – nur etwa ein Prozent kleiner. Eine Analyse der Atmosphäre ist bisher noch nicht vollständig gelungen. "Das Teleskop ist so empfindlich, dass es problemlos eine Reihe von Molekülen erkennen kann" , sagte die Astrophysikerin Erin May, die zu dem Team gehört. "Aber wir können noch keine endgültigen Schlüsse über die Atmosphäre des Planeten ziehen."

Was in der Atmosphäre ist, was nicht

Auch wenn noch nicht klar, was die Atmosphäre enthält, ist zumindest schon klar, was nicht darin ist. "Es gibt einige erdähnliche Atmosphären, die wir ausschließen können" , sagte Lustig-Yaeger. "Er kann keine dicke, von Methan dominierte Atmosphäre haben, ähnlich der des Saturnmondes Titan." Der Planet könnte eine reine Kohlendioxidatmosphäre haben, die nur sehr schwer zu erfassen wäre. Auch dass er gar keine Atmosphäre hat, ist möglich.

Von allen Teleskopen, die derzeit in Betrieb sind, ist nur das JWST in der Lage, die Atmosphären von erdgroßen Exoplaneten zu untersuchen. Im November 2022 gelang es, den Atmosphärenaufbau des Planeten Wasp-39b zu analysieren . Der Planet ist allerdings deutlich größer als LHS 475 b.

"Diese ersten Beobachtungsergebnisse eines erdgroßen Gesteinsplaneten öffnen die Tür zu vielen zukünftigen Möglichkeiten für die Untersuchung von Gesteinsplanetenatmosphären mit Webb" , stimmte Mark Clampin, Direktor der Astrophysikabteilung der Nasa, zu. "Webb bringt uns einem neuen Verständnis von erdähnlichen Welten außerhalb des Sonnensystems immer näher, und die Mission hat gerade erst begonnen."

Dass LHS 475 b bewohnt ist, ist unwahrscheinlich. Zwar ist der Stern nicht einmal halb so heiß wie die Sonne. Doch der Planet ist seinem Stern näher als die Planeten in unserem Sonnensystem der Sonne: Er braucht für eine Umrundung nur zwei Tage. Entsprechend ist es auf seiner Oberfläche einige Hundert Grad wärmer als auf der Erde.

Das Team ist aber optimistisch, weitere Gesteinsplaneten zu finden. Dessen Entdeckung zeige die Präzision der Instrumente von JWST, sagte Kevin Stevenson, der zweite Teamleiter. Der Planet sei "nur die erste von vielen Entdeckungen, die es machen wird."


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