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Astronomie: Gammastrahlenausbruch dauerte sieben Stunden

Normalerweise umfassen solche kosmischen Ereignisse nur wenige Minuten. Nicht so bei GRB 250702B. Über die Ursachen rätseln Astronomen weiterhin.
/ Patrick Klapetz
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Künstlerische Illustration des Gammastrahlenausbruchs GRB 250702B (Bild: NOIRLab/NSF/AURA/M. Garlick)
Künstlerische Illustration des Gammastrahlenausbruchs GRB 250702B Bild: NOIRLab/NSF/AURA/M. Garlick

Astronomen haben den längsten je beobachteten Gammastrahlenausbruch aufgezeichnet. Die kosmische Explosion dauerte sieben Stunden an.

Das Forschungsteam vermutet, dass ein schwarzes Loch mittlerer Masse dafür verantwortlich sein könnte, das einen Stern verschlungen hat. Es gibt aber auch andere mögliche Erklärungen.

Bisher wurden etwa 15.000 Gammastrahlenausbrüche (GRBs) verzeichnet. Sie gelten als die stärksten kosmischen Explosionen.

GRB 250702B hebt sich von den bisher beobachteten Ereignissen ab: Es war der längste je dokumentierte Gammastrahlenausbruch. Zudem wurden wiederholte explosive Ausbrüche registriert, die sich über mehrere Tage erstreckten.

Statt weniger Minuten dauerte GRB 250702B sieben Stunden an

Da die meisten Gammastrahlenausbrüche nur wenige Minuten andauern , bot GRB 250702B den Astronomen eine einzigartige Gelegenheit, ein solches Ereignis zu untersuchen. Es wurde am 2. Juli 2025 mit dem FGST-Weltraumteleskop für die Gammaastronomie der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa entdeckt.

Anschließend wurde das Very Large Telescope (VLT) in der chilenischen Atacama-Wüste für weitere Beobachtungen eingesetzt. Diese ergaben, dass der Ausbruch sich in einer Galaxie ereignete, die Milliarden Lichtjahre von der Milchstraße entfernt liegt.

"Die erste Gammastrahlenwelle dauerte mindestens sieben Stunden, fast doppelt so lange wie der längste bisher gesehene GRB, und wir entdeckten weitere ungewöhnliche Eigenschaften" , teilte Eliza Neights von der George-Washington-Universität und dem Goddard Space Flight Center der Nasa in einer Pressemitteilung(öffnet im neuen Fenster) mit.

Das Nachglühen des Gammastrahlenausbruchs 250702B

Für die Untersuchung des Nachglühens von GRB 250702B wurden die drei leistungsstärksten bodengestützten Teleskope der Welt eingesetzt: das Víctor-M.-Blanco 4-Meter-Teleskop sowie die beiden 8,1-Meter-Teleskope des Internationalen Gemini-Observatoriums.

Die Beobachtungsergebnisse deuten darauf hin, dass das anfängliche Gammastrahlensignal von GRB 250702B aus einem schmalen, nahezu lichtschnellen Plasmastrahl resultierte, der auf Gas und Staub in der Umgebung traf. Vermutlich enthielt die Galaxie eine riesige Staubmenge rund um den Ausgangspunkt des Ausbruchs. Zudem ist die Wirtsgalaxie von GRB 250702B besonders massereich.

Solche Ausbrüche können den gängigen Theorien zufolge auf viele Weisen entstehen, etwa wenn massereiche blaue Superriesen am Ende ihres Lebens kollabieren, bei der Entstehung eines speziellen Neutronensterns namens Magnetar oder wenn ein schwarzes Loch einen Stern in einem sogenannten Gezeitenstörungsereignis (TDE) zerreißt.

Drei mögliche Erklärungen, aber keine endgültige Antwort

Doch auf GRB 250702B scheint keines dieser Szenarien zuzutreffen. Laut dem Forschungsteam kommen nach jetzigem Kenntnisstand drei Möglichkeiten infrage:

  • Ein schwarzes Loch könnte mit einem Stern kollidiert sein, wodurch die äußeren Wasserstoffschichten des Sterns weggerissen wurden und dieser nun größtenteils aus Helium besteht.
  • Ein Stern oder ein kleineres Objekt wie ein brauner Zwerg oder sogar ein Planet könnten dem immensen gravitativen Einfluss eines schwarzen Lochs oder Neutronensterns ausgesetzt gewesen sein, was zu einem kleineren, TDE-ähnlichen Ereignis führte, einem sogenannten Mikro-Gezeiten-Störungsereignis.
  • Der Ausbruch könnte aber auch durch ein schwarzes Loch einer schwer fassbaren Klasse ausgelöst worden sein, die als IMBH (intermediate-mass black hole) bezeichnet wird.

IMBH werden im Deutschen als mittelschwere schwarze Löcher bezeichnet. Sie können eine Masse vom 100- bis zum 100.000-Fachen unserer Sonne erreichen. Theorien gehen davon aus, dass das Universum voll von solchen IMBHs ist, sie werden aber nur selten entdeckt.

Zur Studie

Die Studie wurde am 26. November 2025 in der Fachzeitschrift The Astrophysical Journal Letters veröffentlicht: Optical/Infrared Observations of the Extraordinary GRB 250702B: A Highly Obscured Afterglow in a Massive Galaxy Consistent with Multiple Possible Progenitors(öffnet im neuen Fenster) (Optische/Infrarot-Beobachtungen des außergewöhnlichen GRB 250702B: Ein stark verdecktes Nachglühen in einer massiven Galaxie, das mit mehreren möglichen Vorläufern übereinstimmt).


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