Astronomie: Die Lavalandschaft eines doppelgesichtigen Exoplaneten

Ein Forschungsteam geht davon aus, einen janusgesichtigen Exoplaneten entdeckt zu haben(öffnet im neuen Fenster) , dessen eine Hemisphäre von geschmolzener Lava überdeckt ist. Die andere Hemisphäre befindet sich dagegen in ewiger Dunkelheit.
Seine Ergebnisse hat das Team auf einer Tagung der amerikanischen astronomischen Gesellschaft ( American Astronomical Society(öffnet im neuen Fenster) ) in New Orleans vorgestellt. In dem jungen System wurden bereits vorher zwei Exoplaneten entdeckt, die einen Stern vom Typ G umkreisen. Dieser ist etwa so groß wie unsere Sonne.
Die Entdeckungen gelangen mit dem Tess-Weltraumteleskop (Transiting Exoplanet Survey Satellite; Satellit zur Beobachtung von Transit-Exoplaneten). Nachdem die Arbeitsgruppe die Signale der zuvor entdeckten Exoplaneten entfernt hatte, entdeckte sie das kleine Objekt namens HD 63433 d(öffnet im neuen Fenster) .
Dieser Exoplanet ist nur 400 Millionen Jahre alt und damit extrem jung, wenn man die Erde mit einem Alter von etwa 4,5 Milliarden Jahre als Vergleich nimmt. HD 63433 d hat den 1,1-fachen Durchmesser der Erde und umkreist seinen Stern achtmal näher als Merkur . Damit ist es auf dem Planeten sehr heiß. Dort sollen Temperaturen von 1.257 Grad Celsius herrschen. Eine nennenswerte Atmosphäre scheint damit nicht vorhanden zu sein.
Lavawelten: In unserem Sonnensystem sind keine vorhanden
Das Forschungsteam geht davon aus, dass dieser Exoplanet eine Lavawelt sein könnte. Auf ihm soll es vulkanische Meere geben, die als Magmaozeane bekannt sind. In unserem Sonnensystem gibt es so einen Himmelskörper nicht. Der hochgradig vulkanisch aktive Jupitermond Io kommt dem noch am nächsten - eine echte Lavawelt ist er aber nicht. Dafür muss man zu weit entfernten Planeten wie Corot-7 b(öffnet im neuen Fenster) und Kepler-10 b(öffnet im neuen Fenster) schauen.
Eine komplette Lavawelt ist HD 63433 d jedoch nicht. Denn der Exoplanet soll gezeitenabhängig sein. Eine seiner Hemisphären wird von seinem Wirtsstern ständig beleuchtet. Die andere Planetenseite liegt im ewigen Schatten. Für eine Umrundung seines Heimatsterns benötigt dieser Exoplanet nur 4,2 Tage.
HD 63433 d ist der kleinste bekannte Planet mit einem genau gemessenen Alter von weniger als 500 Myr (Abkürzung für Mega-years oder Millionen Jahre). Laut den Autoren macht dies ihn zu einem "wichtigen Prüfstein für das Verständnis der Entwicklung erdgroßer Planeten" .
Der Exoplanet könnte Aufschluss darüber geben, warum manche Planeten ihre dichte ursprüngliche Wasserstoff-/Helium-Atmosphäre behalten und andere (Exo-)Planeten diese verlieren. "Mit HD 63433 d und den beiden bisher bekannten größeren Planeten ist das System HD 63433 in der Lage, eine wichtige Rolle für unser Verständnis der Entwicklung von Planetensystemen in den ersten Milliarden Jahren nach ihrer Entstehung zu spielen" , erklärte die Forschungsgruppe.
Zu der Studie
Die Studie wurde am 10. Januar 2024 in der Fachzeitschrift The Astronomical Journal veröffentlicht: Tess Hunt for Young and Maturing Exoplanets (THYME). XI. An Earth-sized Planet Orbiting a Nearby, Solar-like Host in the 400 Myr Ursa Major Moving Group(öffnet im neuen Fenster) (Tess-Jagd nach jungen und reifenden Exoplaneten (THYME). XI. Ein erdgroßer Planet umkreist einen nahen, sonnenähnlichen Wirt in der 400 Myr Ursa-Major-Gruppe).



