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Also doch ein Planet X?

Trujillo und Sheppard schlugen als Erklärung die gezielte Störung dieser fernen Asteroiden durch einen noch unbekannten Planeten vor. Wenn der sich genau am richtigen Ort befinde, könne es zu Resonanzen kommen, d.h. bestimmte Bahnparameter wie eben das Argument des Perihels könnten sich nicht beliebig ändern, sondern nur in Einklang mit den Veränderungen des störenden Planeten selbst. Wenn Asteroiden in so einer Resonanz "gefangen" sind, dann könnte das die Auffälligkeiten in ihren Bahnen erklären.

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Laut Trujillo und Sheppard bräuchte man dafür einen Planeten, der etwas größer als die Erde ist und ungefähr 250-mal weiter von der Sonne entfernt als unser Planet. Wirklich exakt konnten sie es aber nicht eingrenzen - und es gab durchaus auch andere Erklärungen für das Verhalten der Asteroiden.

Lucie Jílková von der Universtät Leiden und ihre Kollegen schlugen im März 2015 eine faszinierende Alternative vor (How Sedna and family were captured in a close encounter with a solar sibling). Auch sie gehen davon aus, dass die Sonne in der Zeit nach ihrer Entstehung einige nahe Begegnungen mit Geschwistersternen hatte. Mit ausführlichen Computersimulationen zeigten sie, dass dabei Asteroiden aus den äußeren Asteroidengürteln des vorbeiziehenden Sterns von der Sonne eingefangen werden können - und die Sonne auch Asteroiden an den anderen Stern verlieren kann. Dabei können genau solche Gruppen von Asteroiden mit seltsamen Eigenschaften entstehen, wie Trujillo und Sheppard sie beobachtet haben.

Die Sache mit Planet X blieb also weiterhin unklar. Eine neue Analyse der Daten von Trujillo und Sheppard (Extreme trans-Neptunian objects and the Kozai mechanism: signalling the presence of trans-Plutonian planets) zeigte, dass die Sache mit dem Argument des Perihels aller Wahrscheinlichkeit nach kein zufälliger Effekt ist, der sich auf die geringe Zahl der beobachteten Objekte zurückführen lässt. Sie zeigte aber auch, dass vermutlich nicht nur ein Planet, sondern gar zwei unbekannte Himmelskörper nötig wären, um die Beobachtungen zu erklären.

... oder sogar zwei Planeten?

Also zwei Planeten? Oder vielleicht doch gar keiner? Eine Arbeit vom September 2015 ("A new inclination instability reshapes Keplerian disks into cones: application to the outer Solar System") erklärte die Auffälligkeiten der fernen Asteroiden ganz ohne zusätzliche Planeten, sondern mit einer "inclination instability"; also einer Phase, bei der sich - vereinfacht gesagt - alle vorhandenen Himmelskörper gegenseitig so sehr stören, dass es zu großräumigen Veränderungen in den Umlaufbahnen kommt. So etwas könnte in der Frühzeit des Sonnensystems im Kuipergürtel stattgefunden und die beobachteten Anomalien erzeugt haben, wie in der entsprechenden Arbeit demonstriert wird.

Auch in der Gegenwart ist die die Frage nach dem "Planet X" also ziemlich verwirrend. Wenn es da draußen irgendwo einen wirklich großen Himmelskörper gäbe, hätten unsere Weltraumteleskope ihn schon längst gefunden. Wenn es noch unbekannte Planeten gibt, müssen sie entweder enorm weit weg (und damit so gut wie gar nicht zu finden) sein oder aber kleiner und in der Größe vergleichbar mit der Erde. Die Hinweise, die wir von Kometen und Asteroiden auf die Existenz eines unbekannten Planeten haben, sind vielversprechend, aber auch leider nicht eindeutig. Und vor allem nicht zwingend: Es gibt genug andere Möglichkeiten, die Beobachtungen ohne unbekannte Planeten zu erklären.

Aber die Astronomen lassen sich nicht aufhalten. Wir wollen Bescheid wissen, was in unserem Sonnensystem abgeht. Wenn da noch Planeten sind, wollen wir sie finden und wenn nicht, wollen wir das ebenfalls wissen.

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AnnonymerAnalph... 03. Feb 2016

... fällt bei dem unreflektierten "Hype" mancher Medien auf. Danke.

Basinator 03. Feb 2016

+ 0,99...

FlorianFreistetter 01. Feb 2016

Eigentlich sollte es hier ein Bild geben mit einer möglichen (möglichen! Man weiß noch...

PearNotApple 01. Feb 2016

Daumen hoch auch von mir. Man lernt viel bei Golem.

Diach 01. Feb 2016

Vorsicht! Lesen gefährdet die Dummheit! Kleiner Scherz am Rande. Werbung sollte...


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