Astronomie: Amateur entdeckt ersten echten interstellaren Kometen

C/2019 Borisov ist kein Asteroid wie Oumuamua, sondern ein echter Komet, und er kommt nicht aus unserem Sonnensystem. Entdeckt von einem Amateurastronomen wird er jetzt die Profis beschäftigen.

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Mit einer Umlaufzeit von rund 2.000 Jahren kam der Komet Hale-Bopp von weit draußen. Borisov hatte einen noch weiteren Weg.
Mit einer Umlaufzeit von rund 2.000 Jahren kam der Komet Hale-Bopp von weit draußen. Borisov hatte einen noch weiteren Weg. (Bild: Wikimedia)

Der Amateurastronom Gennadii Borisov hat eine besondere Entdeckung gemacht: C/2019 Q4 Borisov ist ein interstellarer Komet, wie das Minor Planet Center (MPEC) der Internationalen Astronomischen Union in der Nacht zu Donnerstag bestätigte. Er ist erst das zweite beobachtete interstellare Objekt und deutlich schneller als das erste.

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C/2019 Q4 Borisov zeigte eine leichte Schweifbildung, was ihn als Kometen auszeichnet. Der Amateurastronom entdeckte ihn am 30. August 2019 mit einem 65 cm großen Teleskop auf der Halbinsel Krim - nach Maßstäben der professionellen Astronomie ein kleines Teleskop. Die Arbeit der klassischen Himmelsdurchmusterung wird von der Wissenschaft kaum finanziert, so dass gut ausgestattete Amateure immer wieder Kometen, Asteroiden und Supernovae entdecken.

Komet mit hoher Exzentrität

Der Komet ist deutlich schneller als das erste beobachtete interstellare Objekt, A/2017 U1 Oumuamua,. Dieser galt zunächst ebenso als Komet, entwickelte aber keinen Schweif und wurde somit als Asteroid mit einer Exzentrität von 1,2 klassifiziert. Die Exzentrizität ist ein Maß dafür, wie stark eine Umlaufbahn von der Kreisform abweicht. Bei einem perfekten Kreis beträgt sie 0, lang gestreckte Ellipsen nähern sich der 1 an. Objekte, die von außerhalb des Sonnensystems kommen und damit keine geschlossenen Umlaufbahnen haben, haben noch größere Exzentrizitäten. Nach allen Messungen beträgt die Exzentrizität von C/2019 Q4 Borisov rund 3.

Die 145 Messungen bis zur Bestätigung des Kometen durch das MPEC wurden größtenteils mit Teleskopen zwischen 30 und 70 cm Durchmesser durchgeführt. Die ersten Anzeichen der ungewöhnlichen Eigenschaften zogen große Aufmerksamkeit auf sich. Schon am 1. September begann Borisov zu scherzen, dass die Umlaufbahn eine Parabel sein könnte, während andere eine kurze Umlaufbahn aus den spärlichen Daten errechneten und Witze über eine Kollision mit der Erde vorzogen.

Es steht wieder keine Raumsonde bereit

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Aber der Komet war ungewöhnlich hell für eine kurze Umlaufbahn. Neben einigen Universitätssternwarten beteiligten sich vor allem private Sternwarten an den Messungen. Erst am 8. und 9. September wurden sie ergänzt durch fünf Messungen mit dem 3,6 m großen Canada-France-Hawaii-Teleskop auf dem Mauna Kea. Die Anzeichen für eine parabolische Umlaufbahn mit einer Exzentrizität über 1 mehrten sich.

Noch am 11. September warnten Astronomen vor voreiligen Schlüssen aus den Daten, bis schließlich die Entdeckung des Kometen und seiner Flugbahn offiziell gemacht wurden. Die genaue Flugbahn muss noch immer bestimmt werden. Den sonnennächsten Punkt wird er am Ende des Jahres erreichen. Er liegt außerhalb der Erdumlaufbahn, womit der Komet keinerlei Gefahr darstellt. Genauere Angaben erfordern aber weitere Messungen.

Zum einen müssen die unvermeidlichen Messfehler reduziert werden. Zum anderen ist der Komet aktiv. Durch das ausgestoßene Material wirken zusätzliche Kräfte auf die Umlaufbahn, die nicht völlig vorsehbar sind. Der Komet befindet sich am Himmel noch recht nahe an der Sonne, erst im Oktober sollen die Beobachtungsbedingungen für die Astronomen weniger schwierig sein.

Wie bei der Entdeckung von Oumuamua steht auch dieses Mal keine Raumsonde für nähere Untersuchungen durch einen Vorbeiflug zur Verfügung. Spektroskopische Messungen am Kometenschweif könnten dennoch Rückschlüsse über die Zusammensetzungen des Materials in C/2019 Borisov zulassen, genauso wie Vergleiche mit Material in Kometen aus unserem eigenen Sonnensystem.

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