Astronomie: 70 Jahre altes Sternen-Rätsel neu untersucht

Im Jahr 1952 wurden Aufnahmen vom Nachthimmel gemacht. Auf einer Fotoplatte waren drei Sterne zu erkennen. Eine Stunde später waren sie verschwunden. Ein Forschungsteam stellt 70 Jahre danach drei Hypothesen auf. 

Artikel veröffentlicht am , Patrick Klapetz
Die Aufnahmen mit den drei Sternen und ohne sie.
Die Aufnahmen mit den drei Sternen und ohne sie. (Bild: E. Solano, G. W. Marcy, B. Villarroel, et al.)

Drei Sterne verschwanden vor 70 Jahren einfach vom Nachthimmel. Ein aktuelles Forschungsteam hat sich dieses Rätsel noch einmal genau angeschaut und kommt zu drei möglichen Lösungen. Dabei handelt es sich allerdings nur um Hypothesen, keine von ihnen ist eine endgültige Antwort. Was ist da vor mehr als einem halben Jahrhundert passiert?

Eine astronomische Gruppe führte am Abend des 19. Juli 1952 routinemäßige Himmelsbeobachtungen durch. Die Forscher erstellten mit dem Palomar-Observatorium im Süden Kaliforniens (USA) in kurzen Abständen mehrere Aufnahmen der gleichen Himmelsregion. Solche Bilder dienen unter anderem dazu, Objekte wie Asteroiden entdecken zu können.

An diesem Abend machte das Team dies für einen kleinen Himmelsabschnitt um 20:52 Uhr und um 21:45 Uhr. Auf der ersten Fotoplatte war noch das Licht von drei eng beieinanderstehenden Sternen zu sehen. Mit einer Helligkeit von 15 mag (Magnituden) waren diese hervorragend zu erkennen. Doch auf den Aufnahmen von 21:45 Uhr waren die drei Objekte verschwunden.

Sterne können aber nicht einfach verschwinden. Sie können zwar explodieren oder für eine kurze Zeit heller werden, aber ganz unsichtbar werden? Dennoch gab es laut den Aufnahmen von 1952 offenbar einen Beweis dafür. Dem ist ein internationales Forschungsteam jetzt nachgegangen.

Vorbeiziehendes schwarzes Loch oder Atomtests?

Das aktuelle Team geht in seiner ersten Hypthese davon aus, dass es sich auf der Aufnahme von 20:52 Uhr nicht um drei, sondern einen Stern handelt, der ein Magnetar sein könnte. Das ist ein Neutronenstern mit besonders starkem Magnetfeld, bei dem es zu einem Ausbruch kam. Dadurch würde er heller werden. Das erklärt jedoch nicht die drei Punkte. Dafür könnte ein schwarzes Loch verantwortlich sein, dass sich zwischen den Magnetar und die Erde schob. Das Aufleuchten würde sich dann in drei Punkte aufspalten. Jedoch ist ein solches Ereignis extrem unwahrscheinlich.

Vielleicht handelt es sich aber auch gar nicht um astronomische Objekte, so das Forschungsteam und stellt damit seine zweite Hypothese vor. Das Palomar-Observatorium liegt nicht weit von den Wüsten New Mexicos entfernt. Zu dieser Zeit fanden dort Atomwaffentests statt. Der radioaktive Staub von diesen Tests könnte die Fotoplatten verunreinigt haben. Das würde erklären, warum auf einigen Bildern helle Flecken zu sehen waren und auf anderen nicht. Es wäre nicht das erste Mal, dass Fotoplatten aus den 1950er-Jahren von diesem Phänomen betroffen sind.

Waren es doch nur Staubkörner?

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit: Die drei hellen Punkte liegen im Abstand von zehn Bogensekunden zueinander. In Anbetracht des Abstandes zu uns und untereinander müssten die Objekte laut den Berechnungen des aktuellen Forschungsteams etwa zwei Lichtjahre oder etwas mehr als sechs Astronomische Einheiten (AE) voneinander entfernt sein. Es handelt sich somit um "drei Objekte, die kleiner als das Sonnensystem und näher als der nächstgelegene Stern sind und innerhalb einer Stunde auf- und abblitzen", heißt es in der Studie.

Die Objekte könnten sich somit in der Oortschen Wolke befinden – eine Region aus Staub, Gesteinsbrocken und Eiskörpern, die unser Sonnensystem umschließt. Zumindest lautet so die Annahme. Nachgewiesen wurde die Oortschen Wolke noch nicht. Wenn es diesen Bereich gibt, befinden sich die drei Punkte im äußersten Bereich des Sonnensystems.

Das gleichzeitige Aufleuchten könnte durch ein bisher ungeklärtes Ereignis hervorgerufen worden sein. In der Aufnahme von 21:45 Uhr waren sie nicht mehr zu sehen, weil sie auf ihrer Umlaufbahn weitergewandert sind. Vielleicht waren es somit einfach nur Staubteile. Das Rätsel um die drei verschwundenen (möglichen) Sterne bleibt somit bestehen.

Zur Studie

Die Studie wurde am 13. Oktober 2023 auf dem Pre-Print-Server arxiv.org veröffentlicht: A bright triple transient that vanished within 50 minutes (Ein heller dreifacher Transient, der innerhalb von 50 Minuten verschwand).

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