Astrofotografie: Der Himmel so nah

Wer den Nachthimmel fotografiert, erfasst viel mehr als mit bloßem Auge. Wir geben Tipps für den Einstieg in das faszinierende Hobby Astrofotografie.

Eine Anleitung von Mario Keller veröffentlicht am
Den Nachthimmel zu fotografieren ist ein tolles Hobby.
Den Nachthimmel zu fotografieren ist ein tolles Hobby. (Bild: Pixabay)

Die Idee, den Blick in den Nachthimmel zu richten und die Sterne zu beobachten, ist wohl so alt wie die Menschheit selbst und hat ihre Faszination über die Zeit kaum verloren. Auch wenn es heute deutlich schwieriger ist, mit bloßem Auge viele Details zu erkennen, da vor allem in großen Städten die Lichtverschmutzung so stark ist, dass gerade einmal die hellsten Sterne und eventuell Planeten wie Mars, Jupiter, Saturn oder Venus erkennbar sind.

Ich bin alt genug, die Milchstraße vor 30 bis 40 Jahren ohne Hilfsmittel im Sommer beobachtet haben zu können, und jung genug, mich daran noch zu erinnern. So war es nur logisch, dass ich meine Kamera ohne großes Vorwissen im Oktober 2017 in den Himmel richtete, um eventuell den einen oder anderen Meteor des Orioniden-Schauers auf ein Bild zu bannen.

Meine Kamera war eine gute APS-C-Systemkamera mit Wechselobjektiven. Die hatte ich mir gekauft, nachdem ich mich einige Jahre mit der Kamera meines Smartphones und einer einfachen Point-and-Shoot-Kamera begnügt und dann doch den Wunsch gehabt hatte, wieder tiefer in die Fotografie einzusteigen. Anfangs hatte ich noch das Kit-Objektiv mit 18-55 mm Brennweite.

Unzählige Sterne

Einen Meteor habe ich zwar nicht erwischt, aber die unglaubliche Anzahl an Sternen, die ich bei 15 Sekunden Belichtungszeit nur mit meinem Objektiv und einem Stativ auf dem Bild sehen konnte, überraschte mich. Das war kein Vergleich zu dem, was ich mit bloßem Auge sehen konnte.

  • Ein überraschend gutes Bild des Orion-Nebels (Bild: Mario Keller)
  • Das erste Bild mit überraschend vielen Sternen (Bild: Mario Keller)
  • Beim zweiten Bild geht es schon besser - wieder Orion. (Bild: Mario Keller)
  • Startrail Nordhalbkugel: aus 13 Einzelaufnahmen generiert (Bild: Mario Keller)
  • Eine einzelne Aufnahme mit 4 Minuten Belichtungszeit (Bild: Mario Keller)
  • Milchstraße, Einzelaufnahme (Bild: Mario Keller)
  • Der Mond (Bild: Mario Keller)
Ein überraschend gutes Bild des Orion-Nebels (Bild: Mario Keller)
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Die Aufnahme ist alles andere als gut. Wolken und der Lichtkegel der nahegelegenen Stadt sind leider ziemlich stark zu sehen. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen war der Funke gezündet. Vielleicht ist das einer der Gründe dafür, dass die Astrofotografie immer mehr Menschen begeistert, macht sie doch sichtbar, was mit bloßem Auge nicht (mehr) zu erkennen ist. Außerdem ist es ein Hobby, das man mit großem Abstand zu anderen Menschen und menschlichen Behausungen betreibt, was in der aktuellen Zeit sicher nicht der schlechteste Ansatz ist.

Bei mir dauerte es aber noch eine Weile, bis mir das Bild 2019 wieder in die Finger beziehungsweise auf den Monitor kam. Damals hatte es mich arbeitsbedingt an den Bodensee verschlagen und meine Fotoausrüstung war um ein 50-230-mm-Zoom-Objektiv gewachsen.

Die ersten Versuche mit größerer Brennweite waren aber recht ernüchternd, konnte ich doch nur mit sehr kurzen Belichtungszeiten arbeiten. Also setze ich mich an einem freien Nachmittag ins Auto und fuhr die 150 Kilometer von Immenstaad nach Landsberg am Lech in einen Laden für Astronomiebedarf und kaufte mir kurzerhand einen Star-Tracker.

Mit Star-Tracker geht es schon besser

Damit ging es dann schon besser und wie es der Zufall wollte, war es wieder das Sternbild Orion, das ich ins Visier genommen hatte.

  • Ein überraschend gutes Bild des Orion-Nebels (Bild: Mario Keller)
  • Das erste Bild mit überraschend vielen Sternen (Bild: Mario Keller)
  • Beim zweiten Bild geht es schon besser - wieder Orion. (Bild: Mario Keller)
  • Startrail Nordhalbkugel: aus 13 Einzelaufnahmen generiert (Bild: Mario Keller)
  • Eine einzelne Aufnahme mit 4 Minuten Belichtungszeit (Bild: Mario Keller)
  • Milchstraße, Einzelaufnahme (Bild: Mario Keller)
  • Der Mond (Bild: Mario Keller)
Das erste Bild mit überraschend vielen Sternen (Bild: Mario Keller)

Nachdem ich dann mit dem vollen 230-mm-Zoom, dem Star-Tracker und einer ganzen Serie von Bildern zu einem für mich überraschend guten Bild vom Orion-Nebel gekommen war, war es um mich geschehen und die Equipment-Käufe nahmen unaufhaltsam zu. Aber das heben wir uns für einen anderen Artikel auf. Auch ohne großes Spezialequipment ist der Einstieg in das Hobby Astrofotografie problemlos möglich.

  • Ein überraschend gutes Bild des Orion-Nebels (Bild: Mario Keller)
  • Das erste Bild mit überraschend vielen Sternen (Bild: Mario Keller)
  • Beim zweiten Bild geht es schon besser - wieder Orion. (Bild: Mario Keller)
  • Startrail Nordhalbkugel: aus 13 Einzelaufnahmen generiert (Bild: Mario Keller)
  • Eine einzelne Aufnahme mit 4 Minuten Belichtungszeit (Bild: Mario Keller)
  • Milchstraße, Einzelaufnahme (Bild: Mario Keller)
  • Der Mond (Bild: Mario Keller)
Beim zweiten Bild geht es schon besser - wieder Orion. (Bild: Mario Keller)

Astrofotografie wird laut Wikipedia so definiert: "Die Astrofotografie umfasst jene Methoden der Fotografie, mit denen Sterne, Planeten, Nebel und andere Himmelskörper im sichtbaren Licht abgebildet und dauerhaft auf verschiedenen Medien (chemisch oder elektronisch) gespeichert werden." Also Bilder vom Nachthimmel im weitesten Sinne.

Canon EOS 5D Mark IV SLR-Digitalkamera (30,4 MP, 8,1cm Touchscreen-LCD, DIGIC 6+, Dual Pixel RAW, 4K Video, WLAN, NFC, GPS) Gehäuse, schwarz

Das klingt erstmal nicht kompliziert. Richtet man seine Kamera (etwa ein Smartphone) nach oben und macht ein Foto, ist das aber eher enttäuschend, denn das Ergebnis wird nicht im Entferntesten dem entsprechen, was aus Publikationen von Astronomen oder dem Hubble-Teleskop bekannt ist. So unkompliziert ist also dann doch nicht. Bevor wir uns damit beschäftigen, wie wir bessere Ergebnisse erzielen, ist es gut, erst einmal zu schauen, welchen Rahmen uns die Physik so setzt.

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Was Hobby-Astrofotografen über Physik wissen müssen 
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motzerator 15. Okt 2021 / Themenstart

Man kann durchaus auch den Autofokus nutzen, um sicher auf Unendlich scharf zu stellen...

ThomasSV 02. Okt 2021 / Themenstart

Zuspät gesehen: der Hinweis unendlich ist nicht (unbedingt) unendlich kam...

Gokux 30. Sep 2021 / Themenstart

Einfach als PDF drucken? https://we.tl/t-DrallGTdGW

leed 30. Sep 2021 / Themenstart

Mit etwas Übung, Stativ, gutes Tele (300 ~ 600 mm) und kurzen Belichtungszeiten macht das...

Belgarion2001 30. Sep 2021 / Themenstart

Ich kann mich nur anschließen: Toller Artikel mit Praxistipps. Gerne mehr von solchem...

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