Drei erste Setups für die Astrofotografie

Sternenspuren oder Star Trails sind die vermutlich einfachste Form, Sterne auf ein Bild zu bannen. Hier ist die Bewegung des Nachthimmels Teil des Bildes und die Einstellungen der Kamera sind recht einfach.

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1) Belichtungszeit zwischen 30 Sekunden und mehreren Minuten. Hier muss man probieren, was in der jeweiligen Situation am besten funktioniert, da die Helligkeit der Umgebung einen sehr starken Einfluss hat und man nicht möchte, dass Teile des Bildes überbelichtet werden.

2) Der ISO-Wert kann recht niedrig eingestellt werden (zum Beispiel 400 bis 800), da wir lange belichten. Somit vermeiden wir ein zu starkes Rauschen im Bild.

Beim manuellen Fokussieren ist es hilfreich, wenn die Kamera über eine Live-View Ansicht des Bildes bei den aktuellen Einstellungen verfügt, die auch ein Zoomen zulässt. Man sucht sich dann einen möglichst hellen Stern und zoomt so weit wie möglich mit der Displayansicht heran. Danach verstellt man den Fokus so lange, bis der Punkt des Sterns so klein wie möglich im Display ist.

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Das ist bei einem Weitwinkel etwas Übungssache, aber wenn man mehrere Fotos mit minimal angepasstem Fokus macht, sind die Chancen recht gut, eine scharfe Aufnahme zu bekommen. Wie so häufig kann man Erfahrung hier nur durch wiederholte Versuche aufbauen.

Verfügt die Kamera über einen eingebauten Intervall-Timer, kann man diesen nutzen, um mehrere Aufnahmen hintereinander zu machen. Diese können dann mit verschiedenen Programmen (etwa Sequator oder Starstaxx) zu einem Gesamtbild kombiniert werden.

  • Ein überraschend gutes Bild des Orion-Nebels (Bild: Mario Keller)
  • Das erste Bild mit überraschend vielen Sternen (Bild: Mario Keller)
  • Beim zweiten Bild geht es schon besser - wieder Orion. (Bild: Mario Keller)
  • Startrail Nordhalbkugel: aus 13 Einzelaufnahmen generiert (Bild: Mario Keller)
  • Eine einzelne Aufnahme mit 4 Minuten Belichtungszeit (Bild: Mario Keller)
  • Milchstraße, Einzelaufnahme (Bild: Mario Keller)
  • Der Mond (Bild: Mario Keller)
Eine einzelne Aufnahme mit 4 Minuten Belichtungszeit (Bild: Mario Keller)

Bild 5 zeigt eine einzelne Aufnahme mit 4 Minuten Belichtungszeit und Bild 4 ein Bild, das aus 13 dieser Einzelaufnahmen generiert wurde. Die Lücken in den Strichspuren sind fehlende Einzelbilder.

Setup 2: Milchstraße / Weitwinkel

Fangen wir ganz simpel mit einem Stativ, einer Kamera und einem Weitwinkelobjektiv an. Ein Stativ mit Kugelkopf vereinfacht die Sache etwas, ist aber nicht zwingend erforderlich. Mit Hilfe von Stellarium wissen wir, wo die Milchstraße zu finden ist.

Von Anfang bis Ende des Sommers ist in unseren Breiten eine gute Zeit dafür. Leider sind im Sommer die Nächte recht kurz, daher muss man schon bis 23 Uhr und später warten, ehe man mit den Aufnahmen starten kann. Je weniger Lichtverschmutzung es gibt, desto besser.

Häufig werden Aufnahmen mit einem Vordergrundbild kombiniert, das separat aufgenommen wird. Den Vordergrund kann man auch bereits belichten, wenn es noch nicht ganz dunkel ist. Für die Aufnahme der Milchstraße (oder einfach nur des Sternenhimmels) sollten einige Einstellungen der Kamera beachtet werden.

Canon EOS 5D Mark IV SLR-Digitalkamera (30,4 MP, 8,1cm Touchscreen-LCD, DIGIC 6+, Dual Pixel RAW, 4K Video, WLAN, NFC, GPS) Gehäuse, schwarz

1) Belichtungszeit gemäß der Rule 500, eher etwas weniger.

2) ISO je nach Kamera zwischen 100 und 400. Hier hilft ausprobieren, da das je nach Kamera sehr unterschiedlich sein kann. Es gehen natürlich auch viel höhere ISO-Werte, aber dann macht sich auch das Bildrauschen recht stark bemerkbar.

3) Autofokus ausschalten. Fokussieren wie bei den Sternenspuren beschrieben.

4) Blende möglichst weit auf (gegebenenfalls eine Blendenstufe abblenden für mehr Schärfe, je nach Objektiv). Grundsätzlich gilt: Möglichst viele Einstellungen auf manuell setzen. Das bedeutet zwar mehr Aufwand, gibt aber mehr Kontrolle und die wenigsten Kameras verfügen über eine sinnvolle Sternen-Automatik.

Will man mehrere Aufnahmen stacken, um mehr Bildinformationen zu bekommen, dann ist es gut, je nach Brennweite nach mehreren Aufnahmen die Kamera leicht nachzuführen und so an die Bewegung des Himmels anzupassen. Stacking-Programme wie Deep Sky Stacker (kostenfrei, Windows only), Sirl (kostenfrei, Windows/Mac/Linux) oder Astropixelprocessor (kostenfreie Testversion, Windows/Mac/Linux) und andere sind in der Lage, Abweichungen im Bildausschnitt beim Verrechnen der Bilder auszugleichen.

In meinem Beispielbild 6 habe ich nur eine einzige Belichtung von 15 Sekunden bei ISO 6400 und einer Brennweite von 18mm (APS-C Sensor) gemacht.

  • Ein überraschend gutes Bild des Orion-Nebels (Bild: Mario Keller)
  • Das erste Bild mit überraschend vielen Sternen (Bild: Mario Keller)
  • Beim zweiten Bild geht es schon besser - wieder Orion. (Bild: Mario Keller)
  • Startrail Nordhalbkugel: aus 13 Einzelaufnahmen generiert (Bild: Mario Keller)
  • Eine einzelne Aufnahme mit 4 Minuten Belichtungszeit (Bild: Mario Keller)
  • Milchstraße, Einzelaufnahme (Bild: Mario Keller)
  • Der Mond (Bild: Mario Keller)
Milchstraße, Einzelaufnahme (Bild: Mario Keller)

Wie man sieht, macht sich auch hier am Horizont der Lichtkegel einer rund 20 km entfernten Stadt schon recht stark bemerkbar. Befindet man sich weiter südlich auf der Erde, zum Beispiel im Südwesten der USA wie mein Kollege Jens-Uwe Walter, dann ist deutlich mehr vom Zentrum der Milchstrasse zu sehen. Sein Bild zeigt hier auch sehr deutlich, wie wichtig es ist, in einer möglichst dunklen Umgebung fotografieren zu können.

  • Südlich auf der Erde ist mehr von der Milchstraße zu sehen. (Bild: Jens-Uwe Walter)
Südlich auf der Erde ist mehr von der Milchstraße zu sehen. (Bild: Jens-Uwe Walter)

Setup 3: Der Mond

1) Belichtungszeit ca. 1/100 bis 1/250 Sekunde. Da der Mond ein sehr helles Objekt ist, können wir mit einer viel kürzeren Belichtungszeit arbeiten. Damit macht sich die Bewegung des Mondes am Himmel bei großer Brennweite (hier 500 mm) und auch die Luftunruhe der Atmosphäre weniger bemerkbar.

2) ISO möglichst klein (200 bis 400), um das Bildrauschen zu minimieren.

3) Manuell fokussieren. Auch wenn der Autofokus einiger Kameras zu funktionieren scheint, ist manuelles Fokussieren eher von Erfolg gekrönt.

4) Aufgrund der großen Helligkeit kann man deutlich mehr abblenden als bei Sternenfotos und somit einiges an Schärfe bei den Strukturen der Mondoberfläche herausholen.

Das Bild wurde mit einem recht einfach aufgebauten manuellen 500-mm-Teleobjektiv aufgenommen. Trotz der recht großen Brennweite ist der Mond relativ klein im Bild. Deshalb wurde das Bild entsprechend zugeschnitten und die breiten schwarzen Ränder entfernt. Schön zu erkennen ist der Tag-Nacht-Übergang (auch Tag-Nacht-Grenze genannt) im linken unteren Bereich des Mondes. Hier ist das Bild besonders kontrastreich, da die Mondkrater und -berge deutliche Schatten werfen.

  • Ein überraschend gutes Bild des Orion-Nebels (Bild: Mario Keller)
  • Das erste Bild mit überraschend vielen Sternen (Bild: Mario Keller)
  • Beim zweiten Bild geht es schon besser - wieder Orion. (Bild: Mario Keller)
  • Startrail Nordhalbkugel: aus 13 Einzelaufnahmen generiert (Bild: Mario Keller)
  • Eine einzelne Aufnahme mit 4 Minuten Belichtungszeit (Bild: Mario Keller)
  • Milchstraße, Einzelaufnahme (Bild: Mario Keller)
  • Der Mond (Bild: Mario Keller)
Der Mond (Bild: Mario Keller)

Wie man sehen kann, ist der Einstieg also gar nicht so schwer. Wichtig ist, dass man die Erwartungen nicht zu hoch steckt, denn es braucht einiges an Erfahrung beim Aufnehmen, aber auch bei der Nachbearbeitung der Bilder, um wirklich gute Ergebnisse zu erzielen. Aber diese Erfahrung kommt mit der Zeit und mit einer digitalen Kamera sind die laufenden Kosten minimal.

Also einfach rausgehen, die klare Nacht genießen und das Ganze einfach ausprobieren! Jetzt, wo die Nächte wieder länger werden, kann man schon ab 21 Uhr oder ein wenig später anfangen zu fotografieren.

Lese- und Videoempfehlungen

Es gibt einige gute Youtube-Kanäle die sich intensiv mit dem Thema beschäftigen. Im deutschsprachigen Raum sind hier die Kanäle des Kölner Astrofotografen Frank Sackenheim und des Österreichers Daniel Nimmervoll zu hervorzuheben. Freunden des gedruckten Wortes ist das Buch Astrofotografie - Spektakuläre Bilder ohne Spezialausrüstung von Katja Seidel aus dem Rheinwerk-Verlag zu empfehlen, das sich sehr detailliert mit dem Thema auseinandersetzt und viele praktische Beispiele und Projekte enthält.

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 Tipps für den Einstieg in die Astrofotografie
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motzerator 15. Okt 2021 / Themenstart

Man kann durchaus auch den Autofokus nutzen, um sicher auf Unendlich scharf zu stellen...

ThomasSV 02. Okt 2021 / Themenstart

Zuspät gesehen: der Hinweis unendlich ist nicht (unbedingt) unendlich kam...

Gokux 30. Sep 2021 / Themenstart

Einfach als PDF drucken? https://we.tl/t-DrallGTdGW

leed 30. Sep 2021 / Themenstart

Mit etwas Übung, Stativ, gutes Tele (300 ~ 600 mm) und kurzen Belichtungszeiten macht das...

Belgarion2001 30. Sep 2021 / Themenstart

Ich kann mich nur anschließen: Toller Artikel mit Praxistipps. Gerne mehr von solchem...

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