Assistenzsysteme in US-Pkw: Automatische Notbremse versagt zu oft

Eine 20 Jahre alte Technik ist jetzt Pflicht in Neuwagen. Doch sie kann gerade die schlimmsten Unfälle nicht verhindern.

Artikel veröffentlicht am , Wolfgang Kempkens
Situation vor einem potenziellen Auffahrunfall
Situation vor einem potenziellen Auffahrunfall (Bild: AAA)

Pkw, die in den USA verkauft werden, müssen neuerdings mit einem automatischen Notbremssystem (Automatic emergency braking, AEB) ausgestattet sein. Das Insurance Institute for Highway Safety schätzt, dass AEB dazu beitragen kann, bis 2025 28.000 Unfälle und 12.000 Verletzungen zu verhindern. Doch der Schuss kann nach hinten losgehen. Die American Automobile Association (AAA), gewissermaßen der ADAC in den USA, hat in Tests festgestellt, dass das System zwar bei niedrigen Geschwindigkeiten funktioniert, aber bei normalem Tempo versagen kann. Das AEB nutzt nach vorn gerichtete Kameras und andere Sensoren, um bevorstehende Crashs zu erkennen und sie durch Notbremsungen zu verhindern.

Nur gut für begrenzte Aufgaben

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Mit vier gängigen Fahrzeugen versuchte der Automobilclub herauszufinden, wie sich das AEB seit der damals freiwilligen Einführung in Serienfahrzeugen vor fast 20 Jahren entwickelt hat. Was die Tester fanden, war nicht so toll. "Die automatische Notbremsung ist gut bei der Bewältigung der begrenzten Aufgaben, für die sie vor Jahren entwickelt wurde", sagte Greg Brannon, Direktor der Automobiltechnik und der Industriebeziehungen in der AAA. "Doch seitdem hat sich vieles geändert."

Notbremsungen bleiben in zwei Szenarien aus

AEB hat sich im Laufe der Jahre als nützlich erwiesen, um Auffahrunfälle mit niedriger Geschwindigkeit zu reduzieren, aber AAA wollte sehen, wie gut es in zwei häufigeren - und tödlicheren - Crash-Szenarien funktioniert: Kollisionen bei Abbiegemanövern, bei denen ein Fahrzeug in die Seite eines anderen kracht, und Zusammenstöße in Linkskurven, in denen ein Fahrzeug seine Spur verlässt. Von 2016 bis 2020 machten diese beiden Arten von Unfällen fast 40 Prozent der Gesamttodesfälle bei Unfällen mit zwei Personenkraftwagen aus, bei denen das aufprallende Fahrzeug vor der Kollision nicht die Traktion verlor oder die Fahrbahn verließ. Die Ergebnisse waren ziemlich entmutigend. In beiden Fällen konnte AEB keinen einzigen der vom AAA inszenierten Unfälle verhindern. Es gab nicht einmal eine Mahnung an den Fahrer, die Geschwindigkeit des Fahrzeugs zu reduzieren.

Totalversagen bei Unfällen mit Fußgängern

Bei den Auffahrunfalltests schnitt AEB etwas besser ab, solange die Geschwindigkeit niedrig gehalten wurde. Bei knapp 50 Kilometern pro Stunde verhinderte das System 17 von 20 Crashs. Aber bei Tempo 65 verhinderte AEB nur sechs von 20 Auffahrunfällen. In den Fällen, in denen AEB den Auffahrunfall nicht verhinderte, wurde die Geschwindigkeit allerdings deutlich abgesenkt, was die Verletzungs- und Todesgefahr deutlich reduzierte.

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Schon 2019 fand der AAA heraus, dass AEB Kollisionen mit Fußgängern nicht einmal bei einer Geschwindigkeit von gut 30 Kilometern pro Stunde verhindern kann.

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