Assassin's Creed Mirage im Test: Mörderisch kurz und gut
Selbst die meterdicken dicken Mauern der Karawanserei am Rande von Bagdad können unseren Feind nicht beschützen: Erst murksen wir einen Bogenschützen nach dem anderen aus dem Hinterhalt ab, dann zerstören wir die Alarmglocken und verhindern so, dass Nachschub gerufen wird.
Nach weiterem Morden aus dem Verborgenen gelangen wir in Assassin's Creed Mirage als Hauptfigur Basim Ibn Ishaq dann immer näher zu unserem Ziel. Dann noch ein Messerwurf und wir können im ewigen Serienkampf zwischen Orden, Kreuzrittern – oder wie auch immer die Feinde heißen – und den Assassinen einen Punkt für uns verbuchen.
Mirage schickt uns als Taschendieb Basim in das Bagdad des 9. Jahrhunderts. Der wichtigste Unterschied zu den Vorgängern: Die neuen Abenteuer sind sehr viel weniger umfangreich. Ubisoft(öffnet im neuen Fenster) selbst spricht von 15 bis 20 Stunden für die Hauptkampagne.
Wir vermuten, dass für Serienkenner eher die niedrigere Zeitangabe gilt, in der außerdem knapp zwei Stunden für einen gut gemachten Prolog und die Ausbildung von Basim enthalten sind – hier spielt die Nebenfigur Roshan eine wichtige Rolle, eine mysteriöse Mentorin.
Die Handlung wird nach unserem Serieneindruck mit etwas besser gemachten Zwischensequenzen als in den Vorgängern erzählt, aber: Es gibt keinen echten Gegner, die Bedrohung durch den Orden bleibt vage und einige stadtpolitische Verstrickungen finden wir uninteressant. Hier wäre mehr drin gewesen!
Das Gameplay setzt sehr stark auf Schleichen und Meucheln aus dem Verborgenen. Wir haben bestimmt mehr als 80 Prozent der Feinde aus dem Hinterhalt getötet. Dazu müssen die Gegner sich nur in unserer unmittelbaren Nähe befinden und nicht in Alarmbereitschaft sein, dann reicht ein Tastendruck und ihr Ende ist besiegelt.

In der mittleren von drei Schwierigkeitsstufen klappt das sehr zuverlässig. Weitere Hilfsmittel: Es gibt eine Spezialansicht, in der Feinde und ihre Blickrichtung rot dargestellt werden, so dass wir als Basim kaum etwas übersehen. In Gebüschen und Blumenbeeten sind wir ebenso wie hinter Mauern fast immer unsichtbar.
Wenn wir doch mal das Schwert zücken müssen, können wir leichte und schwere Hiebe ausführen sowie Blocken, Parieren und Ausweichen – was mit nur wenig Übung bei den meisten Feinden ganz gut klappt. Auch hier sind die Wurfmesser eine tolle Ergänzung, weil wir heranstürmende Feinde schon vorschädigen oder sie sogar im Lauf ausschalten können.
Die Stadt Bagdad macht einen hübschen Eindruck: Neben engen Gassen und Marktplätzen gibt es Tempel und einige weitere große Strukturen wie ein Hochsicherheitsgefängnis und den Hafen. Rund um die Metropole ist eine Wüste, in der wir neben einigen für die Handlung und für Spezialmissionen wichtigen Stellen aber nichts weiter finden – kein Vergleich mit den riesigen Welten früherer Serienteile.
Abseits der Story gibt es Nebenaufgaben, mit denen sich Basim weitere Stunden beschäftigen kann – laut Ubisoft soll das für rund 20 Stunden zusätzlich reichen. Uns gefallen die Ermittlungen, Schatzsuchen und Rätsel ziemlich gut. Einige eher stupide Aufgabenarten (Truhen) aus früheren Serienteilen gibt es so nicht mehr, so dass sich Mirage sehr viel weniger nach Grind anfühlt.
Assassin's Creed Mirage: Verfügbarkeit und Fazit
Das Spiel basiert auf der Anvil-Engine, der man ein gewisses Alter anmerkt. Stellenweise sieht die orientalische Welt zwar zauberhaft aus, etwa in einem engen Tal mit Wasserfällen und Blumenwiesen, sowie in Teilen von Bagdad. Lichteffekte und Detailreichtum sind aber nicht mehr zeitgemäß. Insbesondere in Innenräumen ist die Bildrate unserer Testversion auf einer Xbox Series X spürbar gesunken – vor allem dann, wenn wir unsere Spezialsicht verwenden.
Die neueren Konsolen bieten im Menü die Auswahl zwischen einem Leistungsmodus mit einem Fokus auf 60 fps und einem Qualitätsmodus, der die Auflösung versucht hochzuhalten.
Immerhin gab es keine überraschenden Slowdowns, und auch sonst fanden sich keine spürbaren Bugs im Spiel – bis auf eine altbekannte Ausnahme: Die Steuerung hakt an engen Stellen genauso wie in den Vorgängern.
Assassin's Creed Mirage erscheint am 5. Oktober 2023 für Windows-PC (Epic Games Store, Ubisoft Connect), Xbox One und Series X/S sowie für Playstation 4 und 5. Der Preis für die Standardedition liegt auf allen Plattformen bei rund 50 Euro. Laut Hersteller soll es keine Erweiterung geben.
Die deutsche Sprachausgabe wirkt professionell. Hauptfigur Basim ist uns etwas zu neutral, aber die vom englischen Original mit einer sehr tiefen Stimme gesprochene Roshan klingt in der deutschen Version ebenfalls schön rauchig.
Es gibt keinen Multiplayer, aber Mikrotransaktionen – angeblich nur kosmetisch. Details kennen wir nicht, just der Itemshop hat in unserer sonst fertigen Testversion gefehlt. Die USK hat eine Freigabe ab 16 Jahre erteilt.
Fazit
Kaum haben wir so richtig Blut geleckt und wieder Spaß an Assassin's Creed, ist Mirage auch schon vorbei. Nach rund 15 Stunden ist die Hauptkampagne geschafft. Uns hat das Abenteuer in Bagdad dennoch viel Spaß gemacht, und das liegt vor allem am Fokus auf Schleichen und Morden aus dem Hinterhalt.
Das Meucheln als fast Unsichtbarer ist unkompliziert, die Spielmechanik gut umgesetzt. Wir haben stellenweise fast nur mit der Spezialsicht agiert, um alle relevanten Details zu sehen. Dann eine Wache nach der anderen aus dem Verkehr ziehen und Stück für Stück vorankommen – Klasse!
Das Kampfsystem ist uns zu simpel. Über ein längeres Spiel hätte es nicht getragen, für die paar Gefechte in Mirage können wir damit leben. Ähnliches gilt für die vielen kleinen Macken der Steuerung, die wir schon aus allen früheren Assassin's Creed kennen.
Ein wirklich vermeidbarer Schwachpunkt von Mirage ist die dünne Story. Auf Seiten der Assassinen gibt es starke Figuren, neben Basim vor allem die Mentorin Roshan. Nur leider fehlen interessante Opponenten: Eigentlich wissen wir die meiste Zeit gar nicht so richtig, gegen wen oder für was wir eigentlich kämpfen.
Bagdad ist ein interessanter Ort, in dem wir durchaus noch mehr Abenteuer erleben möchten. Trotzdem begrüßen wir den weitgehenden Verzicht auf allzu sinnlose Sammelaufgaben. Es gibt einige sehenswerte Stadtviertel, auch wenn die Technik erkennbar leicht veraltetet ist und es stellenweise ruckelt.
Unterm Strich ist Mirage zwar nicht ganz großes Kino, aber eine schöne Fortsetzung der vielen Abenteuer, die wir schon in Assassin's Creed erlebt haben und eine klare Empfehlung für Serienfans. Jetzt sind wir aber auf den Neustart der Zeitreisen gespannt!
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