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Die Piraterie als Hauptcharakter

Die Atmosphäre von Black Flag in den Städten, mit Musikern, rufenden Personen und täglichem Ablauf ist zwar stimmig, aber das wirkliche Highlight in Sachen Stimmung findet auf hoher See statt. Während wir mit dem Schiff zwischen Inseln steuern, sehen wir häufig Delfine, springende (und bejagbare) Wale und können sehen, wie sich das Wetter langsam vom blauen Sommertag zum Sturm entwickelt.

Wenn dann noch unsere Crew eines der grandiosen Seemannslieder anstimmt, ist die Immersion perfekt. Dazu gehört auch die tolle Soundkulisse, wo Geräusche wie Kanonen und Säbel schön saftig klingen und sowohl die deutschen als auch die englischen Sprecher durchweg einen guten Job machen.

Zur Atmosphäre tragen auch die historischen Figuren bei. Wer als Kind schon von Black Beard und Co. gehört hat, freut sich über ein Wiedersehen mit vielen bekannten und gut geschriebenen Charakteren. Das gilt auch für unseren Protagonisten Edward, der eine gut gemachte Charakterentwicklung vollzieht und stets glaubwürdig wirkt.

Die alte Tempelritter-Kiste ...

Weniger authentisch ist das aufgesetzt wirkende Templer-gegen-Assassinen-Szenario der Handlung. Es fühlt sich stellenweise an, als hätte jemand in der Piraten-Lego-Kiste ein paar Figuren von einem anderen Set vergessen.

Die größte Stärke von Black Flag liegt aber in den piratentypischen Aktivitäten, etwa dem Bekriegen und Entern von Schiffen. Wir schießen andere Schiffe mit viel Munition und Waffen zunächst manövrierunfähig, bevor wir sie entern.

Die Waffengattungen sind dabei clever über das Schiff verteilt. Wer über den Bug guckt und ein Schiff verfolgt, benutzt automatisch eher die mast- und segelbrechenden Kugeln; wer nach hinten schaut, verteilt explosive Fässer. Das System funktioniert intuitiv, ohne dass man sich zu sehr bemuttert fühlt.

Die Kämpfe zu Fuß folgen dagegen einem simplen Schema von Angreifen, Blocken und Ausweichen. Das fühlt sich wenig komplex an, macht aber trotzdem Spaß, da so etwa das Erstürmen einer Festung flott und chaotisch und wenig taktisch ist. Gleichzeitig gibt es etwa die Takedown-Mechanik, mit der wir nach einem gelungenen Konter einen Gegner – und seinen Nachbarn gleich mit – durch einen Finisher-Move von den Holzbeinen hauen können. Das trägt zum guten Tempo bei, ohne sich zu unfair anzufühlen, gerade bei größeren Gruppen von Gegnern.

Trotzdem bleibt das für Resynced komplett neu gemachte Kampfsystem angenehm fordernd und bestraft es, wenn wir mal nicht aufpassen – wir haben sowohl zu See als auch an Land öfter mal den Todesbildschirm gesehen, was uns aber nie unfair oder frustrierend vorkam. Abseits des gelegentlichen Blockens und Ausweichens ist das Kämpfen aber wenig planvoll, ohne größere Combos, nötige Taktiken oder nennenswerte Bosskämpfe.

Auch das Flottenmanagement, bei dem wir gekaperte Schiffe für uns arbeiten lassen, bietet wenig Tiefgang, ist aber eine coole Abwechslung für zwischendurch. Wirtschaftsmanagement in ultraleicht.

Lieber Seemannsgarn als Realismus

Generell setzt Assassin's Creed Black Flag Resynced eher auf leichte Kost als auf Realismus. Es will eben ein spaßiges Piratenspiel sein, keine Simulation. Das bemerkt man auch daran, dass sich die Jackdaw, unser Piratenschiff, in Sekunden beschleunigen und bremsen lässt und den Wendekreis eines VW Polo hat.

Genauso sind die Stealth-Passagen, in der Regel optional, recht simpel gehalten, was mit an der dummen Gegner-KI liegt. Der gute alte Wachenhaufen, hier eher ein Freibeuter-Gebüsch, funktioniert nach wie vor. Ein Beispiel: Wache Nummer eins wird erstochen, daraufhin Wache zwei: "Oh, da liegt eine Leiche, ich gehe mal schauen." Wache zwei wird dann neben seinem Kollegen erstochen. Und dann kommt Wache Nummer drei um die Ecke, und schaut sich erstmal aus der Nähe an, warum da denn zwei Wachen tot auf dem Boden direkt neben dem Gebüsch liegen. Absolut dämlich und wenig realistisch, aber trotzdem spaßig.

Der Punkt ist aber, dass es gar keinen Realismus braucht, damit Black Flag Spaß macht. Und diese Selbstreflexion merkt man den Entwicklern in ihrem Spiel durch und durch an.


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