Assassin's Creed 4: Blackbeard und das ladezeitenfreie Piratenleben

In Assassin's Creed 3 war er aus technischen Gründen noch nicht möglich, in Teil 4 mit dem Untertitel Black Flag wird er funktionieren: ein Sprung vom Schiff ins Meer - ohne Ladebalken. Auf den ersten Blick ist das wenig spektakulär. Tatsächlich aber eröffnen sich damit im nächsten Teil von Ubisofts Meuchelmörderserie ganz neue Möglichkeiten. "Der Spieler kann unter Wasser tauchen und nach Schätzen suchen. Vor allem aber kann er zu einem anderen Schiff in der Nähe schwimmen und dort den Kapitän durch ein Attentat ausschalten" , erzählt Jean Guesdon, der bei Ubisoft Montreal als Kreativchef an Assassin's Creed 4 arbeitet.

Sein Team arbeitet seit Ende 2011 an dem Spiel, das am 29. Oktober 2013 für Windows-PC, Xbox 360, Playstation 3, Wii U und die Playstation 4 erscheinen soll. Vermutlich kommt auch eine Fassung für die nächste Xbox von Microsoft - aber weil die noch nicht angekündigt ist, verliert auch Ubisoft kein Wort über die Plattform. Neben Montreal arbeiten weitere Studios an dem Programm: Entwickler aus Singapur, Sofia, Kiew, Quebec, Bukarest, Montpellier und Annecy.












Der eigentliche Star der Assassin's-Creed-Spiele ist ja eigentlich nicht die Hauptfigur, sondern die Welt. Auch in Teil 4 soll das so sein. Es soll drei große karibische Städte geben: Havanna auf Kuba, das laut Jean Guesdon ein bisschen an das Florenz aus Assassin's Creed 2 erinnern soll. Dann die britische Stadt Kingston mit einem weiträumigen Hinterland und vielen Plantagen. Und Nassau - der Ort, der sowohl in der Geschichte als auch im Spiel für die Gründung einer Piratenrepublik auserkoren ist.
Insgesamt soll es rund 50 große und kleine Siedlungen auf Land geben, die Spieler besuchen können. Neben den drei Karibikmetropolen gibt es Dörfer auf Inseln wie Tortuga, Cat Island und Cayman Island, dazu einsame Traumstrände und mysteriöse Ruinen der Maya mit allerlei Geheimnissen. "Black Flag wird kein Seespiel. Rund 60 Prozent der Zeit verbringt der typische Spieler auf Land, 40 Prozent auf dem Meer" , erwartet Guesdon. Ähnlich wie in Assassin's Creed 3 wird es auch in Teil 4 große Wälder geben. Dabei handelt es sich allerdings nicht um die Landschaft, in der die Hauptfigur aufgewachsen ist, sondern um feindlichen Dschungel.
Weiberheld und Templervater
Der Protagonist des Spiels ist ein Freibeuter namens Edward Kenway - Ubisoft beschreibt ihn als Weiberhelden und Säufer, aber auch als charismatischen Anführer. Gleichzeitig ist er Vater von Haytham Kenway, einem Templer aus Assassin's Creed 3. Edward tritt allerdings für die Assassinen an - wie es dazu kommt und wie sich der Kampf zwischen Templern und Assassinen in Teil 4 der Serie entwickelt, ist etwas, worüber Ubisoft noch nicht spricht.
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Edward hat einen Mentor: den legendären, real existierenden Piraten Blackbeard - der übrigens die wichtigste Vorlage für die von Johnny Depp gespielte Filmfigur Jack Sparrow sein dürfte. Blackbeard war historisch und ist im Spiel ein riesiger Kerl mit langem Rauschebart, der bei Angriffen immer in der ersten Reihe gekämpft hat. Viele Feinde sollen aufgegeben haben, wenn sie nur seine Flagge am Horizont gesehen haben.












Weitere echte Figuren in Black Flag sind Calico Jack und Charles Vane. Mit Letzterem strandet der Spieler in einer Mission auf einem einsamen kleinen Eiland - die Vorlage für die auch heute noch beliebten Karikaturen mit verloren gegangenen Seeleuten auf runden Inselchen; im Detail ist die Geschichte auf Wikipedia(öffnet im neuen Fenster) nachzulesen.
Es wird aber auch deutlich aufwendigere Einsätze in Assassin's Creed 4 geben. Ein großer Teil davon beruht auf historischen Vorgängen, etwa dem Angriff der britischen Armada auf Nassau, eine gewaltige Seeschlacht, bei der sich die Piraten wehrten, indem sie brennende Fregatten zwischen die feindlichen Linien schickten. Aber auch die anderen Streitkräfte der damaligen Zeit - Spanien, Portugal, Frankreich - und deren Handelsrouten mit Gold aus der neuen Welt spielen eine wichtige Rolle.
Entern zum Fertigmachen
Neben vorgegebenen Missionen soll Black Flag aber auch eine offene Piratenwelt sein, in der Spieler auf eigene Faust handeln können. Schatzsuchen und die Jagd auf Wale sind aller Voraussicht nach im Angebot, vor allem aber Überfälle auf andere Schiffe. Er kann wie beschrieben versuchen, sie auf Assassinen-Art unter seine Kontrolle zu bekommen. Er kann sich aber auch wie in Teil 3 der Serie klassische Seekämpfe liefern, in denen er versucht, dem Opfer eine Breitseite Kanonenkugeln in Takelage und Gebälk zu jagen.












Größter Unterschied: Die Gefechte sind dann nicht vorüber, stattdessen soll es - ebenfalls ohne Ladebalken oder Ähnliches - die Möglichkeit geben, sich gefolgt von der Crew auf das Deck des Feindes zu schwingen und es mit dem Schwert in der Hand zu entern. Jean Guesdon weist übrigens darauf hin, dass Assassin's Creed trotz des sonnig anmutenden Szenarios "kein Kinder- oder Jugenspiel" werden wird, sondern dass es insgesamt eher hart zur Sache geht.
Ed Kenway ist grundsätzlich immer mit dem gleichen Pott unterwegs, der Jackdaw - "für uns ist es so etwas wie der zweite Hauptcharakter" , sagt Jean Guesdon. Der Spieler soll das stolze Segelschiff nach seinen Vorstellungen immer wieder ausbauen und mit neuen Waffen und sonstiger Ausrüstung versehen können. Auch um die Crew müssen sich Spieler langfristig kümmern, also nach sinnvoller Verstärkung suchen und die wichtigsten Personen bei Laune halten - vermutlich spielt dabei das eine oder andere Fässchen Rum eine Rolle.
Offene Fragen Engine und Multiplayer
Über einige Details hat Ubisoft bei einer Präsentation noch nicht gesprochen. Dazu gehört unter anderem die Gegenwart, denn auch Assassin's Creed 4 spielt nur in Erinnerungen - allerdings nicht mehr in denen von Desmond aus den Vorgängern. Die Gegenwartshauptfigur sei nun "der Spieler" - sagte Guesdon, der sich nicht weiter dazu äußern wollte. Offenbar haben die Entwickler also noch ein paar überraschende Ideen parat. Es soll wieder einen Multiplayermodus geben und vermutlich auch einen Koopmodus.
Wenig gesagt hat Guesdon auf Nachfrage von Golem.de auch über die Engine. Grundsätzlich handelt es sich um die gleiche Laufzeitumgebung wie bei den Vorgängern. Wichtigste Verbesserung ist die Möglichkeit, nahtlos zwischen See- und Landmissionen zu wechseln. Was sich sonst noch unter der Haube getan hat, insbesondere im Hinblick auf die Next-Generation-Konsolen, will Ubisoft offenbar ebenfalls erst später sagen.



