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ASAT: Russland aktiviert Anti-Satelliten-Waffen im Orbit

Russland hat Anti-Satelliten-Waffen vom Testbetrieb in den aktiven Einsatz überführt – direkt in Reichweite amerikanischer Aufklärungssatelliten.
/ Michael Linden
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General Stephen Whiting, Commander U.S. Space Command (Bild: Center for Strategic and International Studies/ Screenshot: Golem)
General Stephen Whiting, Commander U.S. Space Command Bild: Center for Strategic and International Studies/ Screenshot: Golem

Der Kommandeur des US Space Command, General Stephen Whiting, hat vor dem Center for Strategic and International Studies in Washington eine deutliche Warnung ausgesprochen(öffnet im neuen Fenster): Russland habe Waffen im Orbit stationiert, die amerikanische Aufklärungssatelliten in Reichweite haben.

Das Nivelir-System

Im Mittelpunkt steht das russische Programm Nivelir. Es werden Satelliten in Umlaufbahnen gebracht, die amerikanischen Aufklärungssatelliten des National Reconnaissance Office(öffnet im neuen Fenster) (NRO) eng folgen. Nach dem Erreichen der Umlaufbahn setzen diese Flugkörper kleinere Subsatelliten frei, die eigenständig manövrieren.

Bei einem Test im Jahr 2020 feuerte eines dieser Objekte einen Gegenstand mit hoher Geschwindigkeit(öffnet im neuen Fenster) ab. US-Analysten werteten dies als Demonstration einer Projektilwaffe, die andere Satelliten treffen kann.

Bislang wurden vier Nivelir-Satelliten gestartet. Der letzte hob im Mai vergangenen Jahres vom Kosmodrom Plessezk(öffnet im neuen Fenster) ab – zeitlich präzise abgestimmt auf die Umlaufbahn des NRO-Satelliten USA 338(öffnet im neuen Fenster), eines optischen Aufklärungssatelliten der Keyhole-Klasse. Diese Präzision lässt nach Einschätzung amerikanischer Stellen keinen Zweifel an der Absicht.

Asymmetrische Strategie gegen Nato-Überlegenheit

Whiting erklärte Russlands Motivation mit einem wahrgenommenen konventionellen Rüstungsdefizit gegenüber der Nato. Russische Militärplaner verfolgten demnach asymmetrische Ansätze in den Bereichen Nuklear, Cyber und Weltraum, um dieses Ungleichgewicht auszugleichen. Den Einsatz der Nivelir-Satelliten verglich er damit, einen neuen Kampfjet mit unbekanntem Raketensystem nicht auf einem eigenen Testgelände zu erproben, sondern direkt neben feindlichen Flugzeugen im aktiven Dienst.

Nuklearwaffe im Orbit als worst case

Besonders beunruhigend: Berichte der vergangenen zwei Jahre legen nahe, dass Russland erwägt, eine nukleare Anti-Satelliten-Waffe zu stationieren. Whiting bezeichnete dies als "unglaublich besorgniserregend".

Eine nukleare Detonation im niedrigen Erdorbit würde Strahlung und Trümmer erzeugen, die alle Satellitenbetreiber träfen – Russland selbst hätte dort jedoch vergleichsweise wenig zu verlieren.

Das US Space Command überwacht die Nivelir-Satelliten kontinuierlich, um etwaige Manöver frühzeitig zu erkennen und die Betreiber betroffener amerikanischer Satelliten warnen zu können. Wie viel Reaktionszeit im Ernstfall tatsächlich bliebe, ist unklar.


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