Arturia Microfreak 5.0: Mehr Synthesizer fürs Geld geht kaum
Synthesizer erfreuen sich nicht erst seit der Langeweile der ersten Corona-Lockdowns wachsender Beliebtheit. Auf der Suche nach neuen Hobbys sorgten Musikfans in den Jahren 2020 und 2022 für Rekordabsätze(öffnet im neuen Fenster) – auch weil immer mehr immer erschwinglichere Geräte die Stärken von analoger und digitaler Technik vereinen, allen voran der Arturia Microfreak.
Der 2019 erschienene Hardware-Synthesizer des französischen Herstellers kostet 349 Euro und ist diesen Preis dank der vorbildlichen Produktpflege mit jedem Jahr mehr wert. Am 30. Mai 2023 hat Arturia Version 5 der Firmware veröffentlicht(öffnet im neuen Fenster) und erweitert das Gerät damit auch fast vier Jahre nach Erscheinen noch um neue gänzliche Funktionen.
So beherrscht das Gerät mittlerweile das Abspielen von Samples, granulare Synthese und wird mit einem angeschlossenen Mikrofon sogar zum Vocoder. Golem.de hat die Firmware installiert und die neuesten Features eines Musikinstruments ausprobiert, von dessen Update-Politik auch manch anderer Hardwarehersteller noch etwas lernen könnte.
Der Synthesizer wird zum Sampler
Die wohl größte Neuerung in Firmware 5.0 ist die Möglichkeit, Samples auf den Microfreak zu übertragen und abzuspielen. Die neuen Sample-Engines lassen sich wie gehabt monophon oder mehrstimmig abspielen.
Ein Sample lässt sich nach Auswahl der Sample-Engine bei gedrückter Shift-Taste über den Type-Regler auswählen. Die vorinstallierten Sounds reichen von einzelnen Instrumentalsounds wie E-Piano und Gitarre über Drum- und Synthesizer-Loops bis zu Found Sounds und Vogelgezwitscher.
52 davon liefert Arturia mit. Darüber hinaus lassen sich eigene Samples auf das Gerät laden. Insgesamt stehen 128 Slots zur Verfügung.
Eigene Samples werden mit dem Midi Control Center auf Windows oder MacOS (wo die App leider extrem instabil läuft) per USB übertragen. Die gleiche Software wird auch schon für das Firmware-Update benötigt. Mono-Samples können bis zu 24 Sekunden lang sein, insgesamt lassen sich 3,5 Minuten auf dem Microfreak speichern.
Zwar verfügt der Microfreak über die kombinierte Kopfhörerbuchse auch über einen Mikrofoneingang, dennoch lassen sich keine eigenen Samples aufnehmen – zumindest bislang. Wer weiß, was zukünftige Updates bringen.
Auf dem Import von Samples bauen auch die drei spannendsten neuen Sample-Engines auf: Der Microfreak beherrscht mit Firmware 5.0 erstmals Granularsynthese(öffnet im neuen Fenster) . Dabei wird ein Ton in nur wenige Millisekunden kurze Stücke, sogenannte Grains, unterteilt, die auf verschiedene Art manipuliert und neu zusammengesetzt werden können.
Die drei verschiedenen Varianten sind Scan, Cloud und Hit Grains(öffnet im neuen Fenster) .
Noch mehr versteckte Quality-of-Life-Features
Wer die Software länger nicht mehr aktualisiert hat, hat schon vor dem aktuellen Firmware-Update einige Änderungen verpasst. So kam schon mit Version 2.1 ein waschechter Vocoder hinzu. Er lässt sich entweder über Arturias separat erhältliches Mikrofon oder ein ordinäres Headset über den TRRS-Stecker der Kopfhörerbuchse nutzen. Seit dem Update 4.0 lassen sich eigene Wavetables(öffnet im neuen Fenster) importieren.
Kleinere Quality-of-Life-Features sind besser versteckt: Bereits seit Version 2.0 gibt es eine Akkord-Funktion. Hält man die Paraphonic-Taste gedrückt, lassen sich über die Klaviatur bis zu vier Noten zu einem Akkord verbinden und beim Spielen transponieren. Mit dem neuen Update lassen sich so nun auch Akkordfolgen über den integrierten Sequencer programmieren.
Die Möglichkeiten zum Sounddesign des Microfreak sind mit mittlerweile 22 Sound-Engines, dem kapazitiven Keyboard und der semimodularen Matrix gewaltig.
Um diese Vielfalt zu demonstrieren, erweitert Arturia erneut die vorgegebenen Preset-Einstellungen. Mit dem neuen Firmware-Update erhöht sich die Zahl der möglichen Presets erneut – auf nun 512.
Davon sind über alle Firmware-Updates mittlerweile mehr als 300 mit neuen und alten Soundbeispielen belegt, die übrigen 192 bleiben für eigene Kreationen. (Natürlich lassen sich auch die Fabrikeinstellungen frei überschreiben.)
Vorbildliche Update-Politik
Zugegeben, die Kritikpunkte in diesem Hands-on halten sich in Grenzen – aber worüber soll man sich auch beschweren, wenn ein vier Jahre altes Gerät so umfassend mit neuen Funktionen versorgt wird?
Was nix kostet, ist nix, heißt ein Sprichwort. Im Fall von Arturias freien Firmware-Updates ist das Gegenteil der Fall. Immerhin wird das kompakte Keyboard so für umsonst fast schon zu einem neuen Instrument.
Schon vor vier Jahren war der Arturia Microfreak einer der vielseitigsten Hardware-Synthesizer auf einem Markt, dem es nicht an Optionen sehr viel größerer und etablierterer Unternehmen mangelt.
Für unveränderte 349 Euro ist und (vor allem) bleibt Arturias Synthesizer ein vielseitiger Einstiegspunkt in die Welt von Sounddesign und Hardware-Synthesizern. Das gilt für die neue, lediglich optisch überarbeitete Stellar-Edition genauso wie für das Original von 2019. Und wenn das Unternehmen auch in Zukunft weiter Updates herausbringt, dürfte das auch so bleiben.
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