Artificial Justice: Schuldig oder unschuldig - die KI entscheidet

Beim Thema KI stellen Filmemacher oft auf den kleinsten gemeinsamen Nenner ab, auf Geschichten, die sich seit Terminator kaum geändert haben: Die KI ist böse und befindet sie sich in Robotern, flippen die über kurz oder lang aus. Das konnte man unlängst mit Megan Fox in Subservience sehen - nur das letzte Beispiel dieser besonderen Spielart des Sci-Fi-Films.
Artificial Justice, eine spanisch-portugiesische Produktion, die auf DVD erschienen ist, aber auch über Maxdome als Video-on-Demand erworben werden kann, hat da einen anderen Zugang.
Die Zukunft des Jahres 2028
Der Film spielt in nicht ferner Zukunft. Die Firma Thente IA hat eine KI entwickelt, die in der Lage sein soll, Richter zu ersetzen. Dafür rekrutieren sie die Richterin Carmen Costa, die sich Fälle ansieht und ihr Urteil spricht. Danach wird mit dem Resultat der Thente-KI verglichen. In der Regel kommt das gleiche Ergebnis heraus, nur dass Thente schneller ist.
Dennoch ist Carmen Costa unschlüssig, und das in einer Zeit, in der ein Referendum abgehalten wird, in dem es darum geht, ob die KI als richterliche Instanz wirken soll oder nicht. Richter sind dagegen, die Öffentlichkeit scheint dafür zu sein.
Aber warum? Weil eine KI ohne Vorurteile richtet. Ihr sind Ethnie, Geschlecht oder sozialer Stand egal. Eigentlich perfekt, oder?
Costa hat Zweifel, und das umso mehr, weil die Thente-CEO Alicia Kóvack kürzlich ums Leben gekommen ist. Wollte sie die Einführung der Thente-Justiz-KI verhindern?
Interessante Ideen
Der Film spielt mit einigen interessanten Ideen. Er beginnt mit einer Gerichtsverhandlung, bei der es um die Frage der Bewährung eines Verurteilten geht. Die Richterin gibt ihm diese Bewährung, die KI empfiehlt eine Ablehnung, und zwar wegen einer Rückfallwahrscheinlichkeit von 82 Prozent.
Was zählt mehr - das Bauchgefühl eines Menschen oder die kalten Algorithmen einer KI, die Wahrscheinlichkeiten sehr genau berechnen kann?
Die Ethik-Algorithmen entscheiden über Leben und Tod
In einer interessanten Szene des Films fährt jemand mit einem selbstfahrenden Auto auf dunkler Straße. Als ein anderes Auto quer steht, entscheidet die KI, es nicht zu rammen, sondern nach rechts in den Wald abzudrehen. Beim Aufprall auf einen Baum ist die Fahrerin tot.
Hätte ein Mensch so entschieden? Bei der Kollision mit dem quer stehenden Auto wären dessen zwei Insassen angesichts der Geschwindigkeit des auffahrenden Autos(öffnet im neuen Fenster) wohl gestorben, die Fahrerin hätte aber gute Überlebenschancen gehabt. Die KI hat jedoch anhand von Ethik-Regeln entschieden. Zwei Leben zählen mehr als eines, und so wird man als Fahrer buchstäblich an die Wand gefahren.
Übrigens gibt es auch bei der KI Momente, in denen manche gleicher als andere sind. Denn wie man erfährt, wurden Fail-Safe-Optionen eingebaut: Bei der Bewertung, welches Leben wertiger ist, geht es auch um den sozialen Status - eine weitere dunkle Seite der KI.
Behäbig erzählt
Die Ideen von Artificial Justice sind faszinierend und bieten Gelegenheit zur Diskussion, das Problem des Films liegt eher darin, dass er sich zwar als Thriller versteht, aber erstaunlich behäbig erzählt ist. Trotz kurzer Laufzeit von nur gut 90 Minuten zieht sich Artificial Justice.
Die Figuren sind unterentwickelt und der Plot ohne wirkliche Spannungskurve oder wenigstens mit entsprechenden Spitzen. Der Film plätschert vor sich hin.
Das mag eine bewusste Abkehr von der Art sein, wie in Hollywood Geschichten erzählt werden, letztlich wäre aber ein Mittelweg gut gewesen, und sei es nur, damit das Publikum nicht der Langeweile wegen verloren geht.
Kurz gesagt: Die Ideen des Films sind besser als der Film selbst. Sie sind es auch, die einen interessanten Blick auf das offenbaren, was KI vielleicht in vermutlich nicht weit entfernter Zukunft zu leisten vermag. Da der Film dröge erzählt ist, hat man während des Ansehens immerhin viel Zeit, über seine Ideen nachzudenken.



