Arthur Mensch: Mistral-Chef nennt US-Forderungen nach KI-Regulierung einen Trick
Arthur Mensch, Mitgründer und CEO der französischen KI-Firma Mistral, sieht in den Warnungen der US-Konzerne vor den Gefahren von KI einen Versuch, aus ihrem eigenen Fehlverhalten Kapital zu schlagen. Mensch sagte der Süddeutschen Zeitung (Paywall)(öffnet im neuen Fenster): "Eigentlich ist das Entwicklerversagen, aber die Firmen machen daraus eine ganz andere Geschichte: Das ist zu mächtig, wir müssen aufhören." Open AI hatte am 28. September 2026 die Veröffentlichung eines neuen KI-Modells wegen Sicherheitsbedenken abgesagt.
Anthropic-Chef Dario Amodei forderte kürzlich in einem Essay, die Entwicklung neuer Modelle zu bremsen und die Branche politisch härter zu regulieren.
Mensch vermutet, dass die Unternehmen, die jetzt wegen der selbst verschuldeten Vorfälle nach Regulierung riefen, lediglich versuchten, kleinere Konkurrenten loszuwerden. Aufsichtsbehörden Zugang in die Unternehmen zu gewähren, gesetzliche Vorgaben einzuhalten und das auch nachzuweisen – all das kostet viel Geld. Open AI und Anthropic könnten sich das leisten, kleinere Konkurrenten weniger. "Regulatory Capture", nenne sich die Strategie, so Mensch. "Das ist ein klassischer Trick, das haben wir schon oft gesehen."
Geschäftsmodell von US-KI werde nicht mehr lange tragen
Mensch, dessen Firma Mistral sich als europäische Alternative zu den US-Konzernen positioniert, glaubt auch, die Motive der US-Konkurrenz zu kennen. Deren Geschäftsmodell, unter hohem Kapitaleinsatz neue Modelle zu trainieren und mit hoher Marge den Zugang zu verkaufen, werde nicht mehr lange tragen. Kostenlos herunterladbare Modelle wie die von Mistral oder chinesischen Anbietern lägen heute nur drei oder vier Entwicklungsmonate hinter den neuesten US-Top-Produkten. Die Modelle, die heute die astronomischen Bewertungen von OpenAI und Anthropic rechtfertigten, könnten also zur austauschbaren Massenware werden. Verdienen lasse sich dann eher am Betrieb der Rechenzentren, sagt Mensch – nicht mehr mit 90 Prozent Marge auf das Modell.
Das in Paris beheimatete Unternehmen Mistral wurde 2023 gegründet, sein Wert wurde zuletzt auf 21 Milliarden Euro geschätzt. Mistral entwickelt ebenso wie Anthropic und OpenAI eigene KI-Modelle, setzt dabei aber im Gegensatz zu den US-Konkurrenten auf Open-Weights-Modelle: Sprachmodelle, bei denen die trainierten Parameter öffentlich heruntergeladen, auf eigener Hardware betrieben und selbst angepasst werden können. Sowohl OpenAI als auch Anthropic stellen ihre Leistungsspitzenmodelle ausschließlich über kostenpflichtige APIs oder Web-Interfaces wie ChatGPT oder Claude bereit.