Artemis II: Wie Europa die Artemis-Besatzung zurückbringt
Die vierköpfige Artemis-II-Besatzung ist auf dem Rückweg. Dass sie die Erde sicher erreichen wird, verdankt sie maßgeblich europäischer Technik: Ohne das Europäische Servicemodul(öffnet im neuen Fenster) (ESM: European Service Module) wäre die Mission nicht möglich gewesen.
Es ist das Antriebsherz der Orion-Raumsonde, wurde von der europäischen Industrie gebaut und mit 33 Triebwerken ausgestattet. Es verfügt über drei Arten von Triebwerken, die jeweils eine spezifische Rolle haben.
ESM: Das Antriebs- und Lebenserhaltungsmodul aus Europa
Trotz der vielen Triebwerke braucht es nur einen einzigen Hauptmotor, um die großen Geschwindigkeitsänderungen auf der Reise zu bewältigen. Unterstützt wird dieser laut der Esa von acht Hilfstriebwerken, die für Orbitalkorrekturen verwendet werden und bei Bedarf das Haupttriebwerk sichern können.
Zur präzisen Steuerung werden 24 kleinere, in sechs Pods angeordnete Reaktionssteuerungstriebwerke verwendet, um das Raumfahrzeug zu drehen und auszurichten. Sie feuern einzeln oder in Kombination und ermöglichen dem Raumschiff, seine Position mit außergewöhnlicher Genauigkeit einzustellen.
Doch nicht nur die Steuerung wird mit dem ESM gewährleistet. Es ist auch das Lebenserhaltungsmodul, das für die Stromversorgung und -verteilung, die Temperaturregelung im Orion-Raumschiff sowie die Bereitstellung von Atemluft und Wasser zuständig ist.
Technik aus der Ära des Space Shuttles
Das Haupttriebwerk ist ein umfunktioniertes Orbital-Manöversystem, das zwischen 2000 und 2002 bereits bei sechs Missionen des US-Space-Shuttle-Programms flog(öffnet im neuen Fenster). Am zweiten Missionstag brachte die Zündung dieses Triebwerks das Missionsteam auf die translunare Umlaufbahn. Weitere Triebwerkszündungen während des Fluges hielten Orion auf Kurs.
Um die Flugbahn präzise zu verfeinern, nutzt Orion ein Navigationssystem der thüringischen Jena-Optronik. Der Sternsensor Astro APS gleicht den Nachthimmel mit Sternenkarten ab und garantiert so die Orientierung im All.
Das Ende des ESM
Trotz seiner Bedeutung für die Mission wird das von Airbus gebaute Servicemodul den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre nicht überleben. Am 11. April 2026 werden sich das ESM und das Orion-Raumschiff gegen 01:33 Uhr MESZ voneinander trennen. Kurz darauf führt das ESM ein letztes Manöver durch, um einen sicheren Abstand zur Kapsel zu gewinnen und sicherzustellen, dass es in einem unbewohnten Gebiet, voraussichtlich über dem Pazifik, niedergeht.
Das ESM wird gegen 01:50 Uhr in die oberen Schichten der Erdatmosphäre eintreten, drei Minuten später vollzieht das Orion-Raumschiff dieses Manöver(öffnet im neuen Fenster). Jedoch besitzt das ESM, anders als Orion, kein Hitzeschild und wird deswegen fast sofort nach dem Kontakt mit den dichteren Luftschichten auseinanderbrechen. Durch die enorme Reibungshitze bei Geschwindigkeiten von fast 40.000 km/h schmilzt und zerbricht das Modul in Bruchteilen von Sekunden. Die meisten Teile verglühen vollständig, lediglich die sehr massiven Bauteile könnten die Meeresoberfläche erreichen.
Die Wasserung im Pazifik ist für 02:07 Uhr geplant. Zuvor tritt Orion um 01:53 Uhr in die Atmosphäre ein, was zu einem sechsminütigen Funk-Blackout führt. Nach dessen Ende wirft die Kapsel die Abdeckung ab: Um 02:03 Uhr entfalten sich in 6.700 Meter Höhe die Bremsfallschirme, gefolgt von den drei Hauptfallschirmen in 1.800 Meter Höhe um 02:04 Uhr, die Orion sicher vor die Küste von San Diego leiten.
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