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Artemis II: Hitzeschild von Orion könnte ein Sicherheitsrisiko sein

Die Nasa könnte Probleme mit dem Hitzeschild des Orion- Raumschiffes unterschätzen. Dieses soll in wenigen Tagen mit Artemis II starten.
/ Patrick Klapetz
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Das Orion-Raumschiff im Operations and Checkout Building des Kennedy Space Center der Nasa (Bild: Nasa, Rad Sinyak)
Das Orion-Raumschiff im Operations and Checkout Building des Kennedy Space Center der Nasa Bild: Nasa, Rad Sinyak

Die Nasa setzte damals erstmals auf eine neue Wiedereintrittstechnik, bei der das Raumschiff quasi wie ein Stein auf dem Wasser über die Erdatmosphäre hüpft. So taucht es langsam in die Gashülle ein.

Artemis II: Flugbahnänderung soll eine sichere Rückkehr gewähren

Die Prüfung des Vorfalls veranlasste die Nasa, die Wiedereintrittsbahn zu verändern, um die Belastungen für den Hitzeschild bei den nachfolgenden Missionen zu reduzieren. "Wenn wir uns an den neuen Wiedereintrittsweg halten, den die Nasa geplant hat, dann ist dieser Hitzeschild flugtauglich" , erklärte der Artemis-II-Astronaut Reid Wiseman im vergangenen Juli gegenüber Reportern(öffnet im neuen Fenster) . Ein gewisses Restrisiko bleibt dennoch.

Der ehemalige Nasa-Astronaut und Experte für Hitzeschilde Charlie Camarda schätzt das Risiko viel höher ein als die Nasa-Verantwortlichen. Er flog 2005 bei der knapp zweiwöchigen STS-114-Mission des Spaceshuttles Discovery mit. CNN zitiert Camarda mit den Worten, dass er Monate damit verbracht habe, die Weltraumbehörde von seiner Warnung zu überzeugen.

Von Apollo bis Artemis: die Hitzeschildtechnologie der Nasa

"Was sie vorhaben, ist verrückt" , sagte Camarda. Seiner Meinung nach schiebt die Nasa das Problem vor sich her, statt es wirklich zu lösen. Die Behörde räumte ein, dass "die Entwicklung und Qualifizierung der Verfahren zur Änderung des Herstellungsprozesses der Avcoat-Ablatorblöcke mit Unsicherheiten verbunden ist" .

Dieses Material kam bereits bei den Apollo-Raumkapseln zum Einsatz. Es besteht aus mit Silicafaser verstärktem Epoxidharz, das bei den Apollo-Missionen der 1960er und 1970er Jahre in eine Wabenstruktur eingebunden war.

Für die Orion-Raumschiffe wurden Material und Design jedoch etwas verändert. Statt Waben wählte die Nasa eine Blockstruktur, um die Effizienz bei der Fertigung und beim Einbau zu erhöhen.

Auch andere Experten gehen dem CNN-Bericht zufolge davon aus, dass es beim Orion-Raumschiff trotz veränderter Flugbahn zu Schäden am Hitzeschild kommen wird. Jedoch sehen sie keine Gefahr für die Astronauten im Inneren der Raumkapsel. Immerhin gibt es eine zusätzliche Materialschicht, die beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre kurzzeitig Temperaturen von bis zu 2.800 °C aushalten kann.

Der ehemalige Nasa-Astronaut Danny Olivas ist der Ansicht, dass es bei jedem Flug irgendwelche Zweifel gibt. Er nahm an Bord der Spaceshuttles Atlantis und Discovery an den Missionen STS-117 und STS-128 teil. Olivas zufolge weiß die Nasa, "wie wichtig der Hitzeschild für die Sicherheit der Besatzung ist" , und er glaubt, dass die Raumfahrtbehörde "ihre Arbeit gut gemacht hat" .

Auch Camarda glaubt an eine sichere Rückkehr der Artemis-II-Besatzung. Jedoch befürchtet er, dass die Nasa-Führung einen sicheren Flug von Artemis II als Validierung der Technik sehen könnte. Das würde die Behörde zwangsläufig in eine falsche Sicherheit wiegen, warnt der Experte.


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