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Artemis II: Die "Integrität" verlässt die USA und fliegt zum Mond

Es ist kein Aprilscherz. Raumfahrt steht symbolisch für die Politik des Landes und die Integrität hat die USA nicht nur dort verlassen.
/ Frank Wunderlich-Pfeiffer
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Start von Artemis II mit dem Raumschiff Integrity (Bild: AFP via Getty Images/Jim Watson)
Start von Artemis II mit dem Raumschiff Integrity Bild: AFP via Getty Images/Jim Watson
Inhalt
  1. Artemis II: Die "Integrität" verlässt die USA und fliegt zum Mond
  2. Die Nasa machte teure Versprechen von billiger Raumfahrt
  3. Statt neuer Ideen gab es nur Apollo Reloaded

Am 1. April 2026 hat die Integrität die USA verlassen(öffnet im neuen Fenster) . So heißt das Raumschiff der Mission Artemis II. Sie fliegt mit zwölf Jahren Verspätung in einer gänzlich überteuerten Rakete auf dem technologischen Stand der 1970er Jahre zum Mond. Derweil wurde das wissenschaftliche Budget der Nasa und der Forschung in den USA allgemein auf einen Bruchteil des früheren Niveaus zusammengestrichen, während die Nasa noch immer von Forschung und Erkundung des Weltalls spricht.

Echte Begeisterung kam noch nicht einmal in der Pressekonferenz beim Nasa-Administrator Jared Isaacman auf, als er die Statements zum erfolgreichen Start vorlas. Es gab einen zwischenzeitlichen Kommunikationsverlust und Fehlfunktionen der Toilette und Wasserversorgung in dem ungetesteten Raumschiff, das noch nie mit Menschen geflogen war.

Zu groß und zu zahlreich waren die Widersprüche in allen Teilen der Mission des Raumschiffs "Integrity", das in einem Land gestartet ist, dem jede moralische Integrität abhanden gekommen ist. Einem Land, das den Rest der Welt erpresst, allen voran die ehemals engsten Freunde.

Der Name ist ein politisches Signal

Der Name "Integrity" wurde von den Astronauten zweifelsfrei als politische Botschaft gewählt, auch wenn sie ihn, wie der Astronaut Victor Glover, mit einer Parallele zur Hüllenintegrität des Raumschiffs erklären. Denn: Raumfahrt war schon immer eine symbolische Reflexion des Zustands der Politik.

Der Start von Sputnik mit einer Interkontinentalrakete, die sonst Wasserstoffbomben tragen sollte, zeigte 1957, dass die Sowjetunion technologisch ernst genommen werden musste. Die Entwicklung der Triebwerke für die US-Mondrakete, die später Saturn V hieß, begann noch im selben Jahr. Es war eine zivile Raketenentwicklung und die Landung demonstrierte die technologische Überlegenheit der USA.

Der erste Schritt auf dem Mond mag im Jahr 1969 der ganzen Menschheit gewidmet gewesen sein, aber in den Köpfen der US-Elite sollte es der erste Schritt für die Dominanz der USA im All sein. Jedoch setzten ein teurer Krieg ohne klare Zielstellung in Vietnam, Ölkrisen im Mittleren Osten, eine Währungskrise, Inflation und die stagnierende Wirtschaft dem geplanten Raumfahrtprogramm ein Ende.

Es blieb nur Geld für große Worte statt großer Taten

Dennoch sollte die Dominanz im Weltall, zumindest in der Rhetorik, das Spaceshuttle sichern. Tatsächlich war es aber nur der Ersatz für zuvor geplante Flüge zum Mars.

Das Spaceshuttle wurde eigentlich für den Aufbau der Raumstation Alpha entwickelt, als Nachfolge zur Raumstation Skylab. Doch beide konnten nicht mehr finanziert werden. 1975 kam es zum letzten Apollo-Flug mit dem Apollo-Sojus-Programm und der zwischenzeitlichen Annäherung zur Sowjetunion.

Dabei hob eine kleine Saturn IB, wie auf einem Kindersitz stehend, vom Startturm der großen Saturn V ab. Der letzte Flug zur Raumstation Skylab fand bereits im Jahr davor statt und die alte Raumstation stürzte noch vor dem ersten Flug des Spaceshuttles ab.


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