Artemis: Falcon Heavy soll Raumstation zum Mondorbit bringen

In der Nähe des Mondes soll eine kleine Raumstation mit viel europäischer Technik aufgebaut werden. Beim Start hat sich die Nasa gegen die teure SLS-Rakete entschieden.

Artikel veröffentlicht am ,
Die ersten beiden Module des Lunar Gateway bilden bereits eine funktionierende Raumstation.
Die ersten beiden Module des Lunar Gateway bilden bereits eine funktionierende Raumstation. (Bild: Nasa)

Der Lunar Gateway, eine kleine Raumstation, soll 2024 im Mondorbit stationiert werden. Die ersten beiden Module sollen mit einer Falcon Heavy von SpaceX starten, wie die Nasa mitteilte. Es handelt sich dabei um das Halo-Modul (Habitation and Logistics Outpost) und das PPE-Modul (Power and Propulsion Element), die zusammen eine funktionierende Mini-Raumstation bilden.

Das PPE ist die Antriebssektion der Raumstation, die mit ihren Solarzellen 60 kW Strom für die Ionentriebwerke und den Betrieb der Raumstation erzeugen soll. Es wird von Maxar Technologies gebaut und basiert auf Satellitentechnik. Halo ist ein erstes kleines Wohnmodul, das dem Aufenthalt von Astronauten bei Mondflügen dienen soll.

Das Wohnmodul wurde als vergrößerte Variante des Cygnus-Raumtransporters entwickelt, der Fracht zur ISS transportiert. Der Vertragspartner dafür ist zwar Northrop Grumman, allerdings wird die Frachtkapsel von Cygnus in Europa von der Firma Thales Alenia Space gebaut, die später auch das große europäische Wohnmodul I-HAB für den Lunar Gateway fertigen soll. Von Thales Alenia stammt auch das Service-Modul Esprit, das aus einer Luftschleuse für Experimente, Betankungsanlagen und der Telekommunikationsanlage besteht.

In Europa wird außerdem das Servicemodul des Orion-Raumschiffs gebaut, mit dem Astronauten zum Mond fliegen sollen. Das Servicemodul sorgt für dessen Antrieb, Lageregelung und Stromversorgung.

Ursprünglich war für den Start der ersten Module des Lunar Gateway eine SLS-Schwerlastrakete vorgesehen. Allerdings kostet ein Flug der SLS rund zwei Milliarden US-Dollar, während normale Raketen deutlich günstiger sind. Deshalb suchte die Nasa nach anderen Raketen für den Start. Mit kleineren Raketen hätten die beiden Module allerdings getrennt gestartet und im Weltall zusammengefügt werden müssen. Das zusätzliche Risiko und den Aufwand dieses Manövers wollte die Nasa möglichst vermeiden, weshalb nur die größten Raketen in Frage kamen.

Die Konkurrenz war nicht startbereit

Neben der Falcon Heavy standen die New Glenn von Blue Origin und die Vulcan Centaur von der United Launch Alliance (ULA) zur Wahl. Aber beide sollen von den BE-4-Triebwerken von Blue Origin angetrieben werden, die noch immer nicht einsatzfähig sind. Die Falcon Heavy ist hingegen eine flugerprobte Rakete, allerdings fehlte ihr ausreichend Platz für die beiden Module in der Nutzlastverkleidung. Eine vergrößerte Verkleidung und größere Startanlagen für die Falcon Heavy waren aber ohnehin zum Start von militärischen Satelliten geplant.

Die Entwicklung der Nutzlastverkleidung und der Bau der Startanlagen ist für die vergleichsweise hohen Preise der Starts von Falcon-Heavy-Raketen für die Nasa und das US-Verteidigungsministerium verantwortlich. Grund dafür ist, dass SpaceX von der US-Regierung bei der Vergabe von Geldern zum Bau von Startinfrastruktur übergangen wurde, wofür die ULA 967 Millionen US-Dollar zugesprochen bekam. SpaceX verlangte 331,8 Millionen US-Dollar, rund 200 Millionen US-Dollar mehr als der reguläre Preis für den Start einer Falcon Heavy, womit die Firma auch die Kosten der Infrastruktur teilweise in Rechnung stellte.

Die nächstgrößere verfügbare US-Rakete, die Delta IV Heavy, hätte mit Startkosten von 440 Millionen US-Dollar dennoch mehr als die Falcon Heavy gekostet und dabei nicht genug Leistung gehabt, um beide Module gleichzeitig zu starten. Das Budget für das Artemis-Mondprogramm wurde 2020 durch die Streichung von 1,6 Milliarden US-Dollar aus einem Programm zur Finanzierung von Studentenkrediten in den US finanziert.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


rtlgrmpf 11. Feb 2021

Selbstverständlich. Aber wenn man schon Mrd rausballert, dann könnte man die Leute auch...

Lorphos 10. Feb 2021

Siehe https://www.nasfaa.org/news-item/20447...

FreiGeistler 10. Feb 2021

War das mit den Studentenkrediten nicht noch so ein Trump-Entscheid?

TomTomTomTom 10. Feb 2021

Bestenfalls könnte zu dem Termin ja Starship bereits ein vergleichsweise bewährtes...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
25 Jahre Grim Fandango
Toller Trip durch das Reich der Toten

Morbide und lustig: Grim Fandango war kein Erfolg und gilt trotzdem als Klassiker. Golem.de hat es erneut durchgespielt - und war wieder begeistert.
Von Andreas Altenheimer

25 Jahre Grim Fandango: Toller Trip durch das Reich der Toten
Artikel
  1. Star Wars: Holiday Special jetzt in 4K mit 60 fps
    Star Wars
    Holiday Special jetzt in 4K mit 60 fps

    Eine bessere Story bekommt der legendär schlechte Film dadurch leider nicht. Bis heute lieben ihn einige Fans aber vor allem wegen seiner Absurdität.

  2. Donald E. Knuth: 30 Jahre Weihnachtsvorlesungen frei verfügbar
    Donald E. Knuth
    30 Jahre Weihnachtsvorlesungen frei verfügbar

    Ein bisschen theoretische Informatik, Algorithmen oder Mathematik zu Weihnachten? Wer das mag, kann nun sogar alle Vorlesungen hintereinander ansehen.

  3. Autonomes Fahren: Im Märzen der Bauer den Roboter einspannt
    Autonomes Fahren
    Im Märzen der Bauer den Roboter einspannt

    Landmaschinen ohne Fahrer, Traktoren, die mit Gesten gesteuert werden - autonome Systeme sollen in der Landwirtschaft gleich mehrere Probleme lösen.
    Ein Bericht von Werner Pluta

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • TeamGroup Cardea Graphene A440 2 TB mit zwei Kühlkörpern 112,89€ • Logitech G915 TKL LIGHTSYNC RGB 125,11€ • AVM FRITZ!Repeater 3000 AX 129€ • Philips Ambilight 77OLED808 2.599€ • MindStar: Patriot Viper VENOM 64 GB DDR5-6000 159€, XFX RX 7900 XT Speedster MERC 310 Black 789€ [Werbung]
    •  /