Artemis: Blue Origin protestiert gegen SpaceX-Mondlander

Angeblicher Geldmangel der Nasa sei kein Grund, den Bau des Mondlanders von Blue Origin nicht zu bezahlen. Die Firma verlangte den doppelten Preis von SpaceX.

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Der Blue Moon Lander sollte die Grundlage für den Mondlander von Blue Origin sein.
Der Blue Moon Lander sollte die Grundlage für den Mondlander von Blue Origin sein. (Bild: Blue Origin)

Blue Origin protestiert dagegen, bei der Wahl zum Bau eines Mondlanders für die Nasa keinen Zuschlag bekommen zu haben. Das berichtete zunächst die New York Times und später auch CNBC. Der 50-seitige Protest ging beim Government Accountability Office (GAO) ein, dem amerikanischen Äquivalent zum Bundesrechnungshof.

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Der Protest folgte auf die Entscheidung, einen Auftrag über 2,99 Milliarden US-Dollar zur Entwicklung des Starship als Mondlander an SpaceX zu vergeben. Blue Origin, die Raumfahrtfirma von Amazon-Gründer Jeff Bezos, bewarb sich mit einem Vorschlag, der 5,99 Milliarden US-Dollar gekostet hätte.

Ursprünglich war vorgesehen, zwei von drei Mondlanderkonzepten zur Weiterentwicklung auszuwählen und zu finanzieren. Aber die Nasa bekam für 2021 mit rund 800 Millionen US-Dollar nur ein Viertel des dafür vorgesehenen Budgets zugesprochen. Sie konnte also nur einen Mondlander zum halben erwarteten Preis finanzieren, statt zwei zum vollen Preis.

Geldmangel sei kein Grund, das Angebot abzulehnen

Blue Origin beklagt sich nun beim GAO darüber, dass die Auswahl im Wettbewerb unfair gewesen sei. Der "vermeintliche Geldmangel" der Nasa sei keine ausreichende Begründung, das Angebot von Blue Origin abzulehnen. Die Nasa habe die Angebote von Blue Origin und SpaceX falsch bewertet und die Gewichtung der Wettbewerbskriterien bei der Auswahl in letzter Minute geändert. Bei der Ausschreibung waren die technischen Kriterien höher gewichtet als der Preis.

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Die Nasa gehe ein zu großes Risiko ein, wenn nur ein Mondlander entwickelt würde. Außerdem stelle die Auswahl von SpaceX als alleiniger Vertragspartner die Nutzung der SLS-Schwerlastrakete, des Orion Raumschiffs und des Lunar Gateway in Frage.

Die Erhaltung von SLS, Orion und Gateway ist für Blue Origin nicht uneigennützig. Lockheed-Martin, einer der Partner von Blue Origin in der sogenannten Nationalmannschaft, ist Hauptvertragspartner der Nasa für die Entwicklung des Orion Raumschiffs, dessen Entwicklung bislang 21 Milliarden US-Dollar gekostet hat. Northrop Grumman liefert das Wohn- und Logistikmodul des Lunar Gateway und die Feststoffbooster von SLS. Die Entwicklungskosten von SLS werden mit über 20 Milliarden US-Dollar angegeben und von Regierungsstellen immer wieder wegen Missmanagement kritisiert.

Blue Origin will unentwickelte Technik verwenden

In ihrem Auswahlreport bewertete Kathy Lueders, Verantwortliche für menschliche Raumfahrt bei der Nasa, beide Angebote als in ihren technischen Problemen vergleichbar. Wegen des begrenzten Budgets der Nasa sah sie jedoch keine Möglichkeit, Blue Origin ein Angebot im guten Glauben machen zu können. Blue Origin benötigt doppelt so viel Geld, wie die Nasa zur Verfügung hat. Alle Verhandlungen mussten an dieser Tatsache letztlich scheitern. Selbst beim Angebot von SpaceX musste über die Zeitpunkte der Zahlungen nachverhandelt werden, um das verfügbare Budget der Nasa einhalten zu können.

Blue Origin legte außerdem ein Angebot vor, das nicht den Wettbewerbskriterien entsprach. Es enthielt eine versteckte leistungslose Vorauszahlung, die ausdrücklich unerlaubt war. Blue Origin wollte außerdem Rechte an den Missionsdaten nicht für die Nasa und damit der Öffentlichkeit freigeben.

Mond: Eine Biografie

Die Nasa sieht erhebliche Risiken von Verzögerungen beim Konzept von SpaceX durch die komplexen Manöver zum Betanken des Starship im Erdorbit und der schlichten Größe der damit verbundenen Technik. Zudem seien die Triebwerke noch nicht völlig ausgereift. Aber das Gleiche gilt für das Angebot von Blue Origin. Keines der Triebwerke ist derzeit entwickelt und getestet. Der Firma fehlt die Erfahrung beim Bau und der Zertifizierung von Raumschiffen und vier von sechs Kommunikationssystemen können schlicht so nicht funktionieren, wie sie von Blue Origin beschrieben wurden.

Blue Origin fehlt jede Erfahrung in der Raumfahrt

Blue Origin hat derzeit noch keine relevante Erfahrung in der Raumfahrt vorzuweisen. Die kleine New-Shepard-Rakete ist in den letzten fünf Jahren nur zwölf Mal geflogen und ist nicht in der Lage, einen Orbit zu erreichen. Selbst bei den suborbitalen Flügen auf 100 km Höhe war noch nie ein Mensch an Bord. Die größere New-Glenn-Rakete existiert nur als Modell, obwohl sie spätestens 2020 hätte fliegen sollen.

Die BE-4 Triebwerke für die New Glenn sind noch immer nicht flugbereit. Sie sollen auch in der Vulcan-Rakete der ULA verbaut werden, aber stattdessen musste die ULA weiterhin RD-180-Triebwerke aus Russland für die alte Atlas V bestellen. Die Kuiper-Satellitenkonstellation von Jeff Bezos wird mit diesen Atlas-V-Raketen in den Orbit gebracht, ohne Technik von Blue Origin.

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