Arma 3: Videos aus Militärsimulation werden für Fakenews missbraucht

Zur Kriegsführung gehört Propaganda, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass Falschnachrichten absichtlich produziert werden. In letzter Zeit tauchen vermehrt vermeintlich authentische Videos vom Krieg in der Ukraine auf, die aber aus der Militärsimulation Arma 3 stammen.
Das Entwicklerteam von Bohemia Interactive wehrt sich gegen den Missbrauch seines Spiels Arma 3(öffnet im neuen Fenster) und hat Tipps veröffentlicht, mit denen sich solche Fake Videos erkennen lassen. Dazu wurde auch ein Erklärvideo veröffentlicht, das sich nicht nur an normale Youtube-Nutzer richtet, sondern auch Journalisten aufklären will, die sich mit dem Videomaterial auseinandersetzen.
Da sich die Inhalte aus Arma 3 durch von Nutzern erstellte Inhalte anpassen lassen (Modding), können neue Umgebungen , Fahrzeuge, Flugzeuge, Waffen, Uniformen, Ausrüstung und Szenarien erstellt werden. Nach Schätzungen von Bohemia Interactive sind etwa 20.000 Arma 3-Mods verfügbar. Sie können so auch die Basis für vermeintlich echte Videos bilden.
"Wir haben bereits versucht, gegen solche Inhalte vorzugehen, indem wir sie Plattformbetreibern gemeldet haben. Dies hat sich leider als sehr ineffektiv herausgestellt. Mit jedem gelöschten Video werden zehn neue hochgeladen" , so Pavel Křižka, PR-Manager von Bohemia Interactive.
Die gefälschten Videos zeichnen sich durch eine sehr geringe Auflösung aus, obwohl selbst ältere Smartphones Videos in HD-Qualität aufnehmen können. Damit die Fake Videos nicht sofort auffallen, werden sie künstlich in ihrer Qualität verschlechtert, verpixelt und unscharf gestellt.
Eine weitere Möglichkeit, die Herkunft zu verschleiern: Die Faker filmen den Videos mit dem Smartphone ab und verwackeln das Bild absichtlich.
Zudem spielen die Videos meist bei ungünstigen Lichtverhältnissen oder in der Nacht, um ihre Herkunft zu verschleiern und sie sind meistens ohne Ton, weil die Ingame-Soundeffekte nicht gut genug sind. Ein wichtiges Merkmal ist auch die Abwesenheit von Menschen in Bewegung in den Videos, die oft nur Militärfahrzeuge zeigen.
In besonders schlecht gemachten Videos werden teilweise Elemente aus dem User Interface des Spiels mit Waffenauswahl, Munition-Zähler, Fahrzeug-Status und Ähnliches sichtbar.
Partikel-Effekte entsprechen nicht der Realität
Eine der wichtigsten Methoden, gefälschte Videos zu erkennen, sind aber unnatürliche Partikeleffekte. In den Spielen werden Explosionen, Rauch, Feuer sowie Staub und Reaktionen der Umwelt nur unzureichend und ohne Details wiedergegeben. Die Umgebung erscheint zu sauber.
Letztlich lassen sich Fake-Videos aber nicht nur durch die recht offensichtlichen Merkmale, sondern auch durch eine tiefergehende Kenntnis von Fahrzeugen, Uniformen, Ausrüstung und Waffen erkennen. In auffällig vielen Fake-Videos werden Aufnahmen des US-Flugabwehrsystems C-RAM und ein amerikanisches A-10-Kampfflugzeugs abgebildet, die im Ukrainekrieg nicht zum Einsatz kommen.
Bohemia Interactive bittet Spieler und Content Creator von Arma 3, mit ihren Aufnahmen verantwortungsbewusst umzugehen und bittet die Community, beim Teilen solcher Videos deutlich machen, dass das Video aus einem Spiel stammt und nicht echte Begebenheiten darstellt.



