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Ark Survival Evolved im Vorabtest: Überleben auf dem Dino-Atoll

Über eine Million verkaufte Einheiten in wenigen Wochen: Das Survival-Abenteuer Ark Survival Evolved ist auf Steam schon jetzt eines der erfolgreichsten Early-Access-Spiele. Wir haben uns auf einen ausführlichen Trip auf die von prähistorischen Spezies bevölkerte Insel gewagt.
/ Benedikt Plass-Fleßenkämper
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Die fertige Version von Ark soll im Juni 2016 veröffentlicht werden. (Bild: Studio Wildcard)
Die fertige Version von Ark soll im Juni 2016 veröffentlicht werden. Bild: Studio Wildcard

Early-Access-Spiele sind auf der Downloadplattform Steam beliebt. Um neue Geldquellen zu erschließen und wertvolles Nutzerfeedback einzuholen, dürfen Interessierte kommende Titel bereits mehrere Wochen, oft sogar Monate vor ihrer Veröffentlichung kaufen und spielen – so auch Ark: Survival Evolved(öffnet im neuen Fenster) vom noch recht unbekannten US-Entwickler Studio Wildcard(öffnet im neuen Fenster) . Im Gegensatz zu den meisten Early-Access-Spielen war Ark: Survival Evolved schon nach kurzer Zeit so erfolgreich, dass mittlerweile über eine Million Exemplare(öffnet im neuen Fenster) abgesetzt wurden. Woher kommt dieser unerwartete Erfolg?

Faszinierende, gigantische Spielwelt

Die Handlung entfaltet sich abrupt und ohne großes Drumherum: Kaum hat man seinen weiblichen oder männlichen Helden mit Hilfe zahlreicher Schieberegler erstellt, beginnt der Kampf ums Überleben. Die Spielfigur erscheint halbnackt und unbewaffnet an einem zufälligen Ort in einer selbstgewählten Region (Norden, Süden, Osten oder Westen) der riesigen Spielwelt. Und riesig ist keine Untertreibung: Das Open-World-Szenario besteht aus knapp 36 Quadratkilometern Land- sowie etwa zwölf Quadratkilometern Wasserfläche und beheimatet pro Server über 15.000 NPC-Urzeitwesen, die aus derzeit etwa 30 Saurierarten bestehen.

Ark Survival Evolved angespielt
Ark Survival Evolved angespielt (01:47)

Aus welchem Grund der Spieler dort ist und was es mit den drei schwebenden, am Horizont sichtbaren Obelisken auf sich hat, bleibt in den ersten Minuten unklar – ebenso wie der Ursprung des karoförmigen Implantats auf dem linken Unterarm des Helden. Nur eines ist sicher: Wer nichts gegen seine missliche Lage unternimmt, wird nicht lange an diesem feindlichen Ort überleben. Es lauern nicht nur überall gefräßige Karnivoren(öffnet im neuen Fenster) , auch typische Survival-Game-Faktoren wie Hunger, Durst, Kälte und Hitze machen es dem Spieler schwer. Feindlich gesinnte menschliche Mitspieler sind ebenfalls eine Gefahrenquelle. Denen läuft der Held zwar nicht ständig, aber doch immer wieder mal über den Weg.

Bestes Gegenmittel in der Anfangsphase: Flüchten, im Dickicht einer Waldlichtung Schutz suchen und mit dem Sammeln nützlicher Ressourcen beginnen. Das sind zum Beispiel Steine, Holz und Fasern. Über das jederzeit zugängliche Crafting-Menü lässt sich daraus unter anderem ein Pickel fertigen. Der wiederum ermöglicht das Abtragen von Feuerstein und dient außerdem als Jagd- und Angriffswaffe. Schritt für Schritt legt man die ersten Grundsteine fürs Überleben und bekommt ganz nebenbei wertvolle Erfahrungspunkte.


Letztere investieren wir schon bald in die Freischaltung sogenannter Engramme – Zutatenlisten und Bauanleitungen für alles, was sich in der Welt von Ark so herstellen lässt. Und das ist mit steigender Spieldauer eine Menge: Die Brandbreite reicht von Holzwänden und anderen Versatzstücken für eine eigene Unterkunft über schutz- und wärmespendende Kleidungsstücke bis hin zu modernen Schusswaffen wie MGs oder Scharfschützengewehren. Besonders spannend: Ein gezähmter Saurier lässt sich mit einem zuvor konstruierten Sattel sogar als Reit- oder Lastentier nutzen.

Und das ist ein weiterer wichtiger Motivationsfaktor des Spiels: Viele der derzeit bereits von den Entwicklern eingebauten Sauriertypen (im fertigen Spiel sollen es über 70 sein) dienen nicht nur als KI-Gegner, als Fleischlieferant und zum Ausschmücken der hübschen Szenerie, sondern können domestiziert werden. Das stellt sich allerdings – je nach Größe der Kreatur – als zunehmend herausfordernd und zeitaufwendig heraus.

Der Ritt auf dem T-Rex

Dafür muss die Bestie zunächst ohnmächtig sein – etwa durch gezielte Treffer mit einer Steinschleuder oder einem Betäubungspfeil. Ist dieser Schritt geglückt, folgt die Verabreichung einer für jeden Dino-Typ individuellen Diät aus unterschiedlichen Beeren, Fleischsorten oder einer Kombination. Die Folge: Das Tier wird zutraulich. Dann noch einen Kosenamen vergeben, den Sattel aufschnallen und los geht der Ritt auf Raptor, Riesenskorpion, T-Rex und andere Urzeitwesen. Ein tolles Gefühl!

Ark-Reisende mit Flugambitionen bändigen am besten einen Pteranodon(öffnet im neuen Fenster) und erheben sich dann auf dessen Rücken in die Lüfte. Größter Vorteil dabei: Die teils massiven Höhenunterschiede der vielerorts aus Vulkanen, Klippen, Kratern und Gesteinsmassiven geformten Inselwelt lassen sich so besonders schnell überwinden. Für die Erforschung der zahlreichen und oft sehr verwinkelten Höhlensysteme sind dagegen eher warme Kleidung, genügend Nahrung und effektive Waffen zu empfehlen.

Noch erfolgversprechender ist es, in einer Gruppe mit Gleichgesinnten loszuziehen, die es auf den gut gefüllten Ark-Servern zu Genüge gibt. Wenn das nötige Vertrauen aufgebaut ist, ist es zudem sinnvoll, sich einem Stamm anzuschließen. Das bringt weitere Vorteile mit sich – beispielsweise zusätzliche Spawn-Punkte nach dem Ableben, gemeinsame Truhen und natürlich den Schutz der Gemeinschaft.

Vor allem letztgenannter Aspekt spielt eine entscheidende Rolle, denn die Welt von Ark ist unerbittlich. Loggen wir uns aus einem Server aus, läuft das Spiel trotzdem weiter. Eine sichere Behausung und loyale Verbündete werden somit für Langzeit-Überlebenskünstler essentiell. Als Alternative lässt sich das Spiel im Einzelspieler-Modus starten, in dem die Insel-Odyssee allerdings weitaus weniger spannend ausfällt.

Unzählige Herausforderungen, schwache Performance

Das Schöne an Ark: Mit jeder neuen Spielstunde wachsen wir immer weiter in die Welt und ihre Mechanismen hinein. Nicht zuletzt, weil es hier so viel zu tun und zu entdecken gibt, dass ein oder zwei Wochenenden definitiv nicht ausreichen, um das Programm in seiner Gesamtheit zu erfassen – geschweige denn fiese Bossgegner wie eine Riesenspinne zu eliminieren, um besonders wertvolle Beute abzugreifen.

Das XXL-Szenario hat auch Nachteile: Obwohl die Entwickler im Rekordtempo neue Updates und Patches veröffentlichen, sind zahlreiche Probleme nicht zu übersehen, besonders bei der Performance. So schöne Bilder die Unreal Engine 4(öffnet im neuen Fenster) auch liefern mag, auf Mittelklasse-Systemen ist Ark im jetzigen Zustand eine Zumutung, was Bildrate und optische Details angeht. Mit mehr Rechen- und Grafikleistung sowie zusätzlichem Arbeitsspeicher bessert sich die Situation zwar zusehends, von gelungener Optimierung kann allerdings zu keiner Zeit die Rede sein.

KI mit Totalausfällen

Dazu kommen irreguläre Einbrüche bei der Server-Performance, Clipping-Fehler sowie jede Menge unausgegorene Animationsphasen. Drehen und wenden wir beispielsweise ein gezähmtes Mammut auf der Stelle, gibt es dafür überhaupt keine angepassten Bewegungsabläufe. Nicht minder unschön: Gefällte Bäume lösen sich beim Umknicken in Luft auf, während massive Gesteinsbrocken schon nach kurzer Bearbeitung mit der Spitzhacke unrealistisch in unzählige Teile zerbrechen.

Skurril wird es außerdem, wenn die ohnehin nicht clevere künstliche Intelligenz mal wieder einen Totalausfall hat und Riesenpiranhas wie angefroren im Wasser verharren oder meterhohe Pflanzenfresser in einem Umgebungsobjekt stecken bleiben – um nur zwei von vielen Negativbeispielen zu nennen.

Dennoch: Die Gameplay-Grundmechaniken funktionieren bei Ark bereits prima, harmonieren mit der kolossalen Welt und den Lebewesen darin und geben einen guten Vorgeschmack auf das, was hier bis Juni 2016 fertig sein soll.

Für Mac, Linux und Windows-PC

Jede Menge Pluspunkte verdient Studio Wildcard zudem für die Tatsache, dass sie ihr Spiel ständig erweitern(öffnet im neuen Fenster) . Am 29. Juni wurde zum Beispiel die Titanomyrma(öffnet im neuen Fenster) implementiert – eine überdimensionierte, prähistorische Ameise. Drei Tage davor gab es die Unterstützung für Mac- und Linux-Systeme; wenige Tage davor hatte ein mächtiger Urzeit-Biber seinen ersten Auftritt.

ARK Survival Evolved Announcement Trailer
ARK Survival Evolved Announcement Trailer (03:43)

Kriegsbemalungen und Brutmechanismen

Und auch die Zukunftspläne des etwa 40-köpfigen Entwicklerteams rund um Jesse Rapczak(öffnet im neuen Fenster) , ehemals technischer Art Director bei Microsoft Game Studios(öffnet im neuen Fenster) , sind ehrgeizig. Neben Mod-Support und Super-Dinos plant das Studio aus Seattle zum Beispiel nach dem Zufallsprinzip verteilte Entdeckernotizen, die uns in Kürze weiter in die Geschichte eintauchen lassen sollen. Ebenfalls auf der Agenda: gewaltfreies Zähmen der Dinos, elektrische Halsbänder zur schnelleren Ortung domestizierter Saurier, Kriegsbemalungen, Brut-Mechanismen und eine optimierte künstliche Intelligenz. Dank Sensory Based Awareness sollen die Dinos uns dann nicht nur auf größere Distanz sehen, sondern auch innerhalb eines gewissen Radius riechen und hören können.

Das ergibt in der Summe ein Open-World-Projekt mit unglaublichem Potenzial und einer bereits hochgradig lebendigen Community, die Einsteiger größtenteils herzlich empfängt – nicht wie so oft mordend und plündernd wie etwa in Rust(öffnet im neuen Fenster) . Wer jetzt schon reinspielen will, sollte allerdings über ausreichend leistungsstarke Hardware verfügen beziehungsweise auf das kürzlich eingeführte Rückgaberecht von Online-Händler Steam zurückgreifen, falls der Rechner doch nicht zufriedenstellend mitmacht. Ark ist auf Steam für 28 Euro erhältlich.


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