Areal: Betrugsverdacht beim Actionspiel Areal

Es ist normal, dass Spielentwickler schon Monate und sogar Jahre vor der Veröffentlichung ihres Werkes direkt daraus stammendes Material zeigen. Das ukrainische Studio West Games(öffnet im neuen Fenster) hat von seinem Areal bislang keine Ingame-Szenen veröffentlicht - obwohl die sogenannte Pre-Production abgeschlossen ist und nach Angaben der Entwickler neben der KI auch das "Inventar und viele der Missionen" stünden, und die "Welt von Areal jeden Tag größer wird" .

Der Verdacht: Areal gibt es gar nicht. Diese Vermutung macht sich fest an einer Reihe von merkwürdigen Umständen - die alle vielleicht ganz harmlos sind. Dennoch bereitet sich unter Unterstützern und in der US-Presse immer mehr Misstrauen gegenüber West Games aus, weil das Studio trotz vielfacher Aufforderungen kein Ingame-Material aus Areal zeigt. Viele haben den Eindruck, dass sie von den Machern des Spiels hingehalten und getäuscht werden.
Dabei müsste Ingame-Material nicht einmal besonders gut aussehen, auch Fehler wären kein großes Problem - es müsste eben nur das Spiel zeigen. Im Netz erweckt West Games aber den Eindruck, keine derartige Videos oder Screenshots zeigen zu wollen oder zu können.
In ihrem neuen, erst wenige Stunden alten Update auf Kickstarter(öffnet im neuen Fenster) erneuern die Entwickler ihre Erklärung, dass Areal sich in der Pre-Alpha-Phase befinde. Ohne dass es explizit geschrieben wird, soll das offenbar den Eindruck erwecken, dass es bei diesem Status nicht möglich sei, Material aus Areal zugänglich zu machen. Dann wechselt das Team unvermittelt das Thema, indem es eine schick aussehende Zeichnung eines Panzers zeigt.
In einem Update ein paar Tage zuvor hatte West Games das Thema Ingame-Material ähnlich ausweichend behandelt. Dort heißt es nur unverbindlich, dass die Entwickler "mehrere Engines untersucht" hätten, um herauszufinden, wie "unterschiedliche Technologien" funktionierten. Diese Arbeit habe das Studio auch im offiziellen Kickstarter-Trailer abbilden wollen - in dem wahrscheinlich die Unity-Engine zu sehen ist. In seiner Kampagne erweckt West Games allerdings den Eindruck, dass Areal auf einer eigenen Engine basiere.
Neben dieser Schlüsselfrage nach Ingame-Beweisen gibt es eine Reihe weiterer Auffälligkeiten. So haben Nutzer im Internet und das US-Magazin Forbes(öffnet im neuen Fenster) herausgefunden, wer hinter der Kickstarter-Kampagne steckt und somit das Geld bekommt, falls das Mindestziel von 50.000 US-Dollar erreicht wird. Es ist ein Mann namens Leonid Kovtun, der in den USA mit einem Wohnsitz unter anderem in Las Vegas gemeldet ist. Kovtun gründete auch West Games und hat das Studio in den USA registriert, obwohl das eigentliche Team in der Ukraine arbeitet.
Das wäre noch erklärbar - schließlich müssen die Initiatoren von Kickstarter-Kampagnen ein Konto in den USA haben. Das lässt sich beispielsweise über einen Mittelsmann oder von einem Hauptinvestor vor Ort besonders einfach bewerkstelligen.
Spektakulär Weltraumspiel gescheitert
Ein Mitglied von Reddit(öffnet im neuen Fenster) fand allerdings heraus, dass dieser Leonid Kovtun mit ziemlicher Sicherheit zum einen der Angeklagte in einer Reihe von Gerichtsverfahren war. Aber auch, dass er gemeinsam mit einem Maximillian Kovtun zusammen gegen ein Hotel in Las Vegas geklagt hatte. Soweit, so unproblematisch.
Aber: Dieser Maximillian Kovtun steckt offenbar hinter der ebenfalls aus Las Vegas initiierten, im März 2014 gescheiterten Kickstarter-Kampagne für das Weltraumspiel Space Pioneer(öffnet im neuen Fenster) - einem Spiel in einem Genre, das seit den Erfolgen von Star Citizen oder Elite Dangerous fast schon ein Selbstläufer auf Kickstarter zu sein schien.
Die größte Gemeinsamkeit von Space Pioneer mit Areal: Es gibt einige spektakulär klingende Versprechen über die Spielinhalte, aber keinerlei Ingame-Material oder sonstige Belege, dass an dem Projekt ernsthaft gearbeitet worden ist. Stattdessen sind in gut gemachten Videos unter anderem Szenen mit echten Astronauten im All und Bleistiftskizzen zu sehen.
Entwickler aus der Bilddatenbank
Es gibt noch weitere Auffälligkeiten bei Areal. Etwa ein Bild von dem als Lead Game Designer geführten Peter Dushynskyi, das offenbar aus einer bekannten Bilddatenbank(öffnet im neuen Fenster) stammt. West Games erklärt das damit, dass das Foto von einem früheren Artdirektor von GSC Game World aufgenommen und dann an das Portal verkauft worden sei. Es sei dort rechtlich korrekt lizenziert worden, so das Studio.
Unmittelbar nach dem Start der Kickstarter-Kampagne hatte es Vorwürfe unter anderem von Vostok Games gegeben, einem ebenfalls aus der Ukraine stammendem Entwicklerstudio. Dem zufolge seien die Macher von West Games - anders als behauptet - nicht wirklich bei dem früheren Entwicklerstudio GSC Game World an der Produktion von Stalker beteiligt gewesen.
Das könnte stimmen - oder schlicht der Versuch sein, sich einen Konkurrenten vom Hals zu halten. Schließlich arbeitet auch Vostok Games an einem Spiel, das wie Areal viele Ideen von Stalker aufgreift. Per Update auf seiner Kickstarter-Seite kündigte West Games an, sich rechtlich gegen Vorwürfe wie die von Vostok wehren zu wollen.
West Games ist auf seiner Kickstarter-Kampagnenseite aktiv, aber auch auf Facebook(öffnet im neuen Fenster) . Das Team geht stellenweise stark auf Interessierte zu, weicht aber Fragen nach Ingame-Material aus. Stattdessen hat es unter anderem ein fast schon surreal anmutendes Video veröffentlicht(öffnet im neuen Fenster) , in dem einige Teammitglieder nach der Vorstellung durch eine junge hübsche Frau kurz in die Kamera winken und "Hallo" sagen - was wohl belegen soll, dass West Games existiert.
Der Kampagne von Areal(öffnet im neuen Fenster) haben die Diskussionen inzwischen offensichtlich geschadet. Kurz nach dem Start gab es Zusagen über eine Mindestsumme von 28.000 US-Dollar, und es sah so aus, als ob das Erreichen des Minimalziels von 50.000 US-Dollar nur eine Sache von Stunden sei. Viele Unterstützer reduzierten die zugesagte Summe jedoch wieder und kündigten an, sie erst wieder zu erhöhen, wenn Ingame-Material zu sehen sei.



