Als Standalone-Entwicklungssystem nutzbar, aaaaaber...
Arduino bewirbt den Uno Q damit, dass er als eigenständiges Entwicklungssystem nutzbar sei. Dazu schließen wir ein USB-C-Hub mit Display-Ausgang und Energieversorung per USB-C Power Delivery an. Wir haben hier ein Anker 332 genutzt, das problemlos funktionierte. Das auf dem QRB2210 ausgeführte Debian startet dann die grafische Oberfläche Xfce und App Lab.
Die Leistungsdifferenz zum Raspberry Pi 4 – unserer Meinung nach der erste SBC, der gut als PC-Ersatz nutzbar war – lässt bereits erwarten, dass das nicht die beste Erfahrung sein wird. Genau das zeigt dann auch der Praxistest. Fenster bewegen sich recht zäh, die Hervorhebung von Elementen in App Lab beim Mouseover ist merklich verzögert.
Bei unserem Testsystem wird zudem der kleine RAM zum Problem. Allein App Lab belegt rund 350 MByte, für die grafische Oberfläche kommt noch einmal ähnlich viel hinzu. Zwar empfiehlt Arduino für die Nutzung als Standalone-Entwicklungssystem die noch nicht verfügbare 4-GByte-Variante. Aber auch hier kann der RAM schnell knapp werden, wenn einige Browsertabs geöffnet sind und eine App läuft – wobei all dies nicht für ein flüssigeres System sorgt.
Krach mit der Open-Source-Community
Rund um die Einführung des Arduino Uno Q gab es einige Turbulenzen: Die Übernahme durch Qualcomm sorgte bereits für Verunsicherung, wie es mit dem Open-Source-Gedanken bei Arduino weitergeht. Hinzu kam noch eine Änderung der Nutzungsbedingungen(öffnet im neuen Fenster) .
Bei Adafruit gingen alle Warnlampen an, in einem Post bei Linkedin(öffnet im neuen Fenster) beklagten die Maker, Arduino sei auf dem Weg zu einer geschlossenen Plattform. Denn das Unternehmen räumt sich das Nutzungsrecht an Beiträgen von Nutzern auf der Plattform ein, verbietet Reverse Engineering und behält sich das Recht vor, die Nutzung der bereitgestellten KI-Funktionen zu überwachen.
Arduino sieht das selbstverständlich anders(öffnet im neuen Fenster) : Die Änderungen seien teils erforderlich gewesen, um US-Gesetzen zu entsprechen – so ist etwa ein kompletter Abschnitt zu Export- und Handelskontrollen hinzugekommen -, die neuen KI-Features einzubeziehen und den Betrieb der Plattform für Arduino rechtssicher zu gestalten. Die Nutzungsrechte an der Plattform lasse man sich nur einräumen, um sie anderen Nutzern bereitstellen zu können, ohne rechtliche Probleme befürchten zu müssen(öffnet im neuen Fenster) . Das Reverse-Engineering-Verbot betreffe zudem nur die Clouddienste.
Die Kritiker von Adafruit beruhigt das allerdings nicht, schließlich mache Arduino die Clouddienste zu einem immer zentraleren Bestandteil der Plattform. Und KI ist die zentrale Neuerung des Uno Q – wer hier nicht von Arduino auf Einhaltung der durchaus sinnvollen Verbote überwacht werden will, hat genau zwei Möglichkeiten: entweder nicht nutzen, was den Uno Q quasi sinnlos macht, oder die benötigten Modelle selbst auf den SBC bringen, was wiederum deutlich mehr Einarbeitung erfordert.
Grundsätzlich ist die Argumentation beider Seiten nachvollziehbar, für Interessenten stellt das aber eine weitere Schwierigkeit bei der Entscheidung für oder gegen den Uno Q dar. Und damit ist es Zeit für ein Fazit.



