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ARD-Sommerinterview: Merz hat den hocheffizienten Verbrenner gefunden

Bundeskanzler Merz will auf EU-Ebene für das "klimaneutrale" Auto eintreten. Das kann für ihn durchaus ein Verbrenner sein.
/ Friedhelm Greis
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Bundeskanzler Friedrich Merz im Sommerinterview der ARD (Bild: Ralf Hirschberger/Getty Images)
Bundeskanzler Friedrich Merz im Sommerinterview der ARD Bild: Ralf Hirschberger/Getty Images

Im Sommerinterview mit der ARD hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz gegen Vorwürfe verteidigt, die verkehrspolitischen Klimaschutzziele in der EU aufweichen zu wollen. "Das, was wir mit dem Verbrenner auf der europäischen Ebene tun, hat nichts mit CO2-Ausstoß zu tun", antwortete der CDU-Vorsitzende im Format Frag selbst auf eine Zuschauerfrage (Video ab 6:56(öffnet im neuen Fenster)) und fügte hinzu: "Wir wollen das klimafreundliche und klimaneutrale Auto. Aber wir wollen nicht die Technologie festlegen."

Die Bundesregierung will sich auf EU-Ebene dafür einsetzen, dass Verbrennerfahrzeuge, die mit möglichst klimaneutral produzierten Kraftstoffen betankt werden, auch nach dem Jahr 2035 in der EU neu zugelassen werden dürfen. Im November 2025 hatte Merz Vorschläge der Bundesländer unterstützt, dass neben Plug-in-Hybriden, neben Elektrofahrzeugen mit sogenannten Range Extenders "auch hocheffiziente Verbrenner zugelassen werden können" (Video ab 2:28(öffnet im neuen Fenster)).

Klassische Tautologie

Allerdings blieb die Regierung anschließend eine Erklärung schuldig, was diese hocheffizienten Verbrenner sein sollen. Regierungssprecher Stefan Kornelius prägte anschließend eine schon klassisch gewordene Definition, indem er sagte(öffnet im neuen Fenster): "Hocheffiziente Verbrenner sind Verbrenner, die hocheffizient sind."

Nun antwortete Merz auf den Hinweis von Moderator Markus Preiß, dass ganz Deutschland über diese Definition rätsele: "Die Definition ist längst gegeben. Das sind zum Beispiel sogenannte Range Extender, also Autos, die einen kleinen Verbrenner haben, um einen großen Elektromotor dauerhaft auch für lange Strecken mit Energie zu versorgen. Die Frage ist beantwortet."

Mit anderen Worten: Entweder gibt es keine hocheffizienten Verbrenner neben Plug-in-Hybriden und Range Extender, oder Merz hat das Konzept des angeblich hocheffizienten Verbrenners nicht verstanden.

Debatte über Klimabilanz von E-Autos

Zudem behauptete Merz, die CO2-Bilanz der Elektromobilität sei "nicht so rosig, wie das immer wieder dargestellt wird". Allerdings ist unklar, worauf sich die Aussage bezieht. Zwar variiert die CO2-Bilanz je nach Fahrzeugproduktion und verwendetem Strommix stark, doch Hersteller wie BMW werben inzwischen damit, dass das erste Modell der neuen Klasse, der iX3, je nach Strommix schon nach rund 20.000 km seinen CO2-Rucksack aus der Produktion abgetragen hat.

Am Wochenende erregte jedoch eine vorab bekanntgewordene Metastudie der TU München Aufsehen, wonach Elektroautos schon heute die CO2-Emission im Durchschnitt um 41 Prozent reduzierten. Das ist ein beachtlicher Wert, zumal die Metastudie laut Cleanthinking.de(öffnet im neuen Fenster) eher ältere Untersuchungen berücksichtigt hat.

Dennoch sehen Politiker der Union die Studie als Argument, das Klimaschutzziel zu schwächen. "Einmal mehr wird klar: Es braucht dringend das echte Aus vom Verbrenner-Aus der EU. Das belegt jetzt auch die Wissenschaft", sagte der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder der Bild-Zeitung.

Der verkehrspolitische Sprecher der CDU/CSU-Gruppe im EU-Parlament, Jens Gieseke (CDU) sagte der Zeitung: "E‑Autos als Null-Emissionsfahrzeuge zu werten, war ein ideologischer Irrweg von Kommissionsvize Frans Timmermans und seiner Truppe. Wir waren immer für Lebenszyklusberechnung und gegen die Auspuffmethode." Jetzt gebe es die "einmalige Chance, den Fehler zu korrigieren".

Was diese Studie an der Diskussion ändern soll, ist aber völlig unklar. Denn bislang hat niemand behauptet, dass Elektroautos derzeit komplett klimaneutral hergestellt und betrieben werden können. Mit zunehmender Umstellung auf die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und klimaneutrale Batterie- und Stahlproduktion wird der Vorteil der E-Autos jedoch größer.

Klimaneutrale Treibstoffe bleiben auf absehbare Zeit aber Mangelware und werden für Antriebe wie in der Schiff- und Luftfahrt benötigt. Daran ändern auch die hocheffizienten Verbrenner nichts.


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