Abo
  • Services:

Darf das Internet ein eingebautes Wertesystem haben?

Um einen "Rough Consensus" über das Menschenrechtspapier innerhalb der IRTF-Gremien zu ermöglichen, arbeiteten sich die beiden Autoren, Corinne Cath und Niels ten Oever tief in die philosophische Debatte ein. "Die größte Meinungsverschiedenheit liegt in der Frage, ob ein bestimmtes Wertesystem in die Architektur des Internets eingebaut werden sollte, oder ob diese verschiedene Wertesysteme berücksichtigen muss", schreiben sie in dem Papier.

Stellenmarkt
  1. Bayerische Versorgungskammer, München
  2. BOS GmbH & Co. KG, Ostfildern bei Stuttgart

Für ten Oever ist die Diskussion keinesfalls neu. Der studierte Philosoph, Journalist und Software-Entwickler ist schon seit den Anfängen 2014 in der Human Rights Group der IRTF aktiv. Als Leiter für Digitales arbeitet er hauptberuflich bei der internationalen Menschenrechtsorganisation ARTICLE 19. Mitautorin Cath stieß etwas später zu der Gruppe hinzu, bringt aber nicht weniger Erfahrung mit. Ihre Masterarbeit wurde Anfang 2016 unter dem Titel "Das Design der Internetarchitektur durch die IETF und Menschenrechte" veröffentlicht. Als Doktorandin am Oxford Internet Institute forscht sie heute zum Verhältnis globaler Regierung und Digital Governance.

Protokolle sollen die Freiheit verteidigen

Ten Oever und Cath sind davon überzeugt, dass universelle Werte, wie etwa die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, von Protokollen nicht nur respektiert, sondern sogar verteidigt werden sollten. Das Internet stehe nicht in einem luftleeren Raum, sondern "wurde mit Freiheit und Offenheit von Kommunikation als Grundwerten geschaffen", zeigen sich Cath und ten Oever im Gespräch mit Golem.de überzeugt. Diese seien mit Grundrechten wie dem Recht auf freie Meinungsäußerung oder der Versammlungsfreiheit untrennbar verbunden.

Die IETF arbeite zudem bereits seit langem an den Themen Sicherheit und Privatsphäre, betont ten Oever mit Blick auf den existierenden RFC 6973 mit dem Titel "Privacy Considerations for Internet Protocols", der bereits kurz nach den ersten Snowden-Leaks im Juli 2013 verabschiedet wurde. Allerdings bestand kein ursächlicher Zusammenhang, die Entwurfsarbeit an RFC 6973 begann bereits Ende 2011. Die Privacy Considerations standen Cath und ten Oever sozusagen als Blaupause für ihren Entwurf zum Menschenrechtsschutz zur Verfügung.

Es handelt sich bei der Forschungsarbeit allerdings nur um einen "informationellen" RFC-Entwurf. Das heißt, er wird auch nach Verabschiedung durch die Internet Research Stearing Group keine bindende Wirkung für die IETF haben. Geht es nach Cath und ten Oever, ist das aber nur der erste Schritt. Mit steigender Anerkennung der Leitlinien in der Praxis sollen Menschenrechtsüberlegungen in Zukunft direkt in neue Internetstandards einfließen und so auch für private Marktteilnehmer Wirkung entfalten.

 Architektur des Internets: Entwickler wollen Protokolle ohne Ethik und Moral
  1.  
  2. 1
  3. 2


Anzeige
Top-Angebote
  1. 15,66€

theq86 20. Mär 2017

Naja, es reicht ja schon, wenn IPv7-Pakete Informationen über Geschlecht und...

bombinho 15. Mär 2017

Soweit die Theorie. In der Praxis wird nach Adresse, Protokoll etc. bewertet und Zeit...

chefin 15. Mär 2017

Aber genau das ist doch momentan der Fall. TCP unterscheidet nicht nach Inhalten. Du...

MarioWario 14. Mär 2017

Die Staaten und Firmen regeln sich selbst und den Bürgern bleibt im Zweifel nur der...

Muhaha 14. Mär 2017

Richtig. Aber Du wirst die Politik nicht heraushalten können. Politik gehört dazu, immer.


Folgen Sie uns
       


Samsung Galaxy Note 9 - Hands On

Samsung hat das neue Galaxy Note 9 vorgestellt. Wir konnten uns das Smartphone vor der Vorstellung bereits anschauen.

Samsung Galaxy Note 9 - Hands On Video aufrufen
Stromversorgung: Das Märchen vom Blackout durch Elektroautos
Stromversorgung
Das Märchen vom Blackout durch Elektroautos

Die massenhafte Verbreitung von Elektroautos stellt das Stromnetz vor neue Herausforderungen. Doch verschiedenen Untersuchungen zufolge sind diese längst nicht so gravierend, wie von Kritikern befürchtet.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

  1. Ladekabel Startup Ubitricity gewinnt Klimaschutzpreis in New York
  2. TU Graz Der Roboter als E-Tankwart
  3. WLTP VW kann Elektro- und Hybridautos 2018 nicht mehr verkaufen

Galaxy Note 9 im Test: Samsung muss die Note-Serie wiederbeleben
Galaxy Note 9 im Test
Samsung muss die Note-Serie wiederbeleben

Samsung sieht bei der Galaxy-Note- und der Galaxy-S-Serie immer noch unterschiedliche Zielgruppen - mit dem Note 9 verschwimmen die Unterschiede zwischen den Serien für uns aber weiter. Im Test finden wir bis auf den Stift zu wenig entscheidende Abgrenzungsmerkmale zum Galaxy S9+.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Galaxy Home Samsung stellt smarten Bixby-Lautsprecher vor
  2. Galaxy Watch im Hands on Samsungs neue Smartwatch soll bis zu 7 Tage lang durchhalten
  3. Galaxy Note 9 im Hands On Neues Note kommt mit großem Akku und viel Speicherplatz

Computacenter: So gewinnt ein IT-Unternehmen Mitarbeiterinnen
Computacenter
So gewinnt ein IT-Unternehmen Mitarbeiterinnen

Frauen hätten weniger Interesse an IT-Berufen als Männer und daran könne man nichts ändern, wird oft behauptet. Der IT-Dienstleister Computacenter hat andere Erfahrungen gemacht.
Ein Interview von Juliane Gringer

  1. Studitemps Einige Studierende verdienen in der IT unter Mindestlohn
  2. SAP-Berater Der coolste Job nach Tourismusmanager und Bierbrauer
  3. Digital Office Index 2018 Jeder zweite Beschäftigte sitzt am Computer

    •  /