Archäologie: Miniluftschiff soll Kammer in der Cheops-Pyramide erkunden

Mit einem Luftschiff in die Cheops-Pyramide: Französische Wissenschaftler wollen mit einem kleinen Blimp einen Hohlraum in der größten der drei Pyramiden von Gizeh erkunden. Die Kammer ist erst kürzlich entdeckt worden.
Bei einem Bauwerk wie der Cheops-Pyramide stehen Forscher vor einem Dilemma: Sie wollen wissen, was sich in dem riesigen Steinhaufen verbirgt. Sie wollen aber beim Öffnen auch nichts zerstören. Gerade die Wände ägyptischer Grabkammern sind oft bemalt. Jean-Baptiste Mouret vom Institut national de recherche en informatique et en automatique (Nationales Forschungsinstitut für Informatik und Automatisierung, Inria) hat eine Lösung für solch Fälle entwickelt: minimal-invasive Roboter.
Für den Roboter wird ein Loch gebohrt
Zusammen mit Kollegen vom Centre national d'études spatiales (Nationales Zentrum für Weltraumforschung, CNES) hat Mouret zwei Roboter entwickelt, mit denen Archäologen in antike Bauwerke vordringen können, ohne viel Schaden anzurichten. Sie müssen lediglich ein etwa 3,5 Zentimeter großes Loch in die Wand bohren.
Durch dieses schieben sie das erste System. Das ist lediglich ein längliches Rohr mit einer rotierenden Kamera. Ist das System durch die Öffnung geschoben, wird der vordere Teil der Röhre weggeklappt und die Kamera nimmt ein hochauflösendes Panorama der Kammer auf, um den Forschern einen ersten Überblick zu verschaffen.
Der Blimp wird in der Kammer aufgeblasen
Der zweite Roboter ist ein kleiner Blimp, der klein zusammengelegt in einer drei Zentimeter langen Kapsel durch die Öffnung in die Kammer gebracht wird. Dort wird er mit Helium gefüllt. Aufgepumpt hat er eine Größe von etwa 80 Zentimetern. Unten hängt eine etwa 50 Gramm schwere Gondel mit dem Antrieb, den Kameras, dem Licht und dem Navigationssystem.

Die Forscher können den Blimp fernsteuern und so die Kammer erkunden. Nach dem Ende der Mission wird der Blimp zur Kapsel zurückgesteuert. Das Helium wird herausgelassen und die Hülle anschließend zusammengelegt. Dann kann der Blimp aus der Kammer auf dem gleichen Weg herausgeholt werden, auf dem er auch hineingekommen ist.
Das Gebäude darf nicht beschädigt werden
Diese Lösung sei ein Kompromiss: "Einerseits wollen wir ein möglichst kleines Loch bohren, um das Bauwerk so wenig wie möglich zu verändern, andererseits muss es groß genug sein, damit alle Aktoren, Sensoren und Systeme, die wir brauchen, hindurchpassen" , sagt Mouret dem US-Wissenschaftsmagazin IEEE Spectrum(öffnet im neuen Fenster) . "Ein großes Loch hinterlässt nicht nur größere Spuren, es kann auch die Integrität des Bauwerks beeinträchtigen - denken Sie daran, dass es um Gebäude geht, die tausende Jahre alt sein können - und wir müssen das Risiko eines Einsturzes minimieren."
Für eine solche Mission könnte auch eine kleine Drohne eingesetzt werden. Allerdings habe ein Luftschiff einige Vorteile gegenüber einem Quadrocopter, sagt Mouret(öffnet im neuen Fenster) : Da es leichter als Luft sei, benötige es keinen Antrieb, um sich in der Luft zu halten. Es sei stabiler, was es einfacher mache, gute Fotos und Videos aufzunehmen, und schließlich seien die Folgen geringer, wenn das Luftschiff mit einem Hindernis kollidiere.
Ob und wann das Miniluftschiff die Kammer in der Cheops-Pyramide erkunden wird, ist noch unklar. Es gebe noch keinen konkreten Plan, sagt Mouret. Wissenschaftler des Scan-Pyramid-Projekts(öffnet im neuen Fenster) hatten die Kammer in der Cheops-Pyramide kürzlich entdeckt. Dabei hatten sie mehrere Verfahren genutzt, die mit kosmischer Strahlung funktionierten(öffnet im neuen Fenster) .



