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Arbeitswelt: Beschäftigte inszenieren Produktivität im Büro

Viele Angestellte setzen im Büro auf Sichtbarkeit statt Ergebnisse. Eine Umfrage zeigt, wie Präsentismus die tatsächliche Produktivität ersetzt.
/ Nils Matthiesen
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Studie: Präsenz im Büro ist oft wichtiger als echte Leistung. (Bild: Jack Sparrow / Pexels)
Studie: Präsenz im Büro ist oft wichtiger als echte Leistung. Bild: Jack Sparrow / Pexels

Die Debatte um die Effizienz von Homeoffice und Büropräsenz erreicht eine neue Stufe: Viele deutsche Angestellte investieren offenbar mehr Energie in die Inszenierung ihrer Anwesenheit als in ihre eigentliche Arbeit. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage(öffnet im neuen Fenster) des Jobportals Indeed und des Marktforschungsinstituts Appinio unter 1.000 hybrid arbeitenden Büroangestellten. Demnach gaben zwei Drittel der Befragten an, im vergangenen Jahr gezielt Maßnahmen ergriffen zu haben, um engagierter zu wirken, als sie tatsächlich waren.

Besonders verbreitet sind digitale und physische Täuschungsmanöver. Rund 27,7 Prozent der Befragten halten ihren Onlinestatus im Homeoffice künstlich auf anwesend. Im Büro bleiben 25,4 Prozent länger am Platz, nur weil die Führungskraft noch da ist. Weitere Taktiken sind das Versenden von E-Mails zu ungewöhnlichen Zeiten (23,2 Prozent) oder Wortmeldungen in Meetings ohne inhaltlichen Mehrwert (22,3 Prozent). Sogar das Zurücklassen von Jacken oder Taschen am Arbeitsplatz (17,3 Prozent) wird genutzt, um eine fortdauernde Präsenz vorzutäuschen.

Präsenzpflicht bremst Produktivität aus

Die Gründe für dieses Verhalten liegen laut der Studie vor allem in der Unternehmenskultur. 32,5 Prozent der Befragten sehen eine übermäßige Präsenzkontrolle als Ursache, während 31,6 Prozent aus Sorge um ihren Arbeitsplatz aufgrund der wirtschaftlichen Lage so handeln. Mehr als die Hälfte (55,9 Prozent) ist überzeugt, dass Arbeitgeber Anwesenheit höher bewerten als messbare Ergebnisse.

Dabei wäre ein Großteil der Belegschaft bereit, für eine rein ergebnisorientierte Bewertung oder dauerhaftes Homeoffice finanzielle Einbußen hinzunehmen. 66,2 Prozent würden auf mindestens fünf Prozent ihres Gehalts verzichten, wenn nur die Leistung zählte. Für die Möglichkeit, permanent von zu Hause aus zu arbeiten, würden sogar 70 Prozent der Befragten Gehaltskürzungen in Kauf nehmen.

Das Büro als Ort der Ablenkung

Die Umfrage verdeutlicht zudem ein strukturelles Problem moderner Büros. 69 Prozent der Angestellten geben an, dort regelmäßig durch Lärm, Smalltalk oder spontane Unterbrechungen gestört zu werden. Knapp 51 Prozent der Befragten verbringen ihre Zeit im Büro überwiegend in Videocalls mit Kollegen, statt die Zeit für persönliche Zusammenarbeit zu nutzen.

In der Folge fühlt sich fast die Hälfte (48,8 Prozent) nach einem Tag im Büro erschöpfter als nach der Arbeit im Homeoffice. Frank Hensgens, Geschäftsführer von Indeed Deutschland, warnt davor, dass falsche Anreize die Wettbewerbsfähigkeit gefährden: Wenn Sichtbarkeit wichtiger als Qualität werde, optimierten Beschäftigte lediglich ihre Präsenz, nicht aber ihre Ergebnisse.


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