IT-Jobs: "Die Situation am Arbeitsplatz ist fast unerträglich"
Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage bleiben selbst erfahrene Jobhopper ihrer derzeitigen Arbeitsstelle treu. Wir haben euch nach den Gründen gefragt, die euch noch im Job halten. Vielen Dank für eure zahlreichen und persönlichen Antworten!
Viele Beiträge machen auch deutlich, wie groß die Belastung im aktuellen Arbeitsumfeld ist und wie stark der Wunsch nach Veränderung. Eure Stimmen geben einen wichtigen Einblick in die aktuelle Stimmungslage und zeigen: Ihr seid nicht allein.
Hier sind eure Geschichten:
➤ Bin ich der Einzige, der das Geld zum Überleben in einer Großstadt braucht und bei zwei Kindern (4 und 0 Jahre) und einer Frau in Elternzeit nullkommanull Flexibilität für einen Jobwechsel hat, wo alles vielleicht noch mal schlechter kommen könnte?
Selbst wenn das Realgehalt seit Jahren sinkt (Inflation ohne nennenswerten Ausgleich) und man zur teuren Miete in einer überteuerten Großstadt wohnt, wird man als "Gutverdiener" vom Staat gemolken: Die Hälfte des Einkommens verschlingt der Staat mittels Steuer und Pflichtabgaben (Renten-Umlagen-Versicherung!), die SPD will Ehegattensplitting abschaffen, bei Inanspruchnahme der Elternzeit verliert man mehrere Tausend Euro pro Monat (gekapptes Elterngeld ist es nicht wert; im Fall einer Elternteilzeit gleicht es 150 Euro pro Monat bei 50 Prozent Gehaltsausfall von einigen Tausend Euro netto) – und nicht zuletzt: Die Bemessungsgrenze steigt wieder, trotz Inflation mit heftigem Aufschlag, weil es angeblich zu einem 5-Prozent-Gehaltsanstieg landesweit kam. (...) Also: Warum sollte man bei den hohen Mieten einen Jobwechsel und die Probezeit riskieren?
➤ Mich hält: Geld, persönliche Freiheit in der Gestaltung des Arbeitsalltags, ein gewisser Exoten-Status (Cybersecurity), parallele flache IT-/Cybersecurity-Hierarchie im Unternehmen statt einem BWLer als Vorgesetzten wie die "Normalos" im Unternehmen (...). Da Cybersecurity eine Support-Funktion ist, kann man auf allen Hierarchien mitreden, letztendlich aber nichts entscheiden. Das ist ein Vor- und Nachteil zugleich. Einerseits bekommt man unendlich viel mit, andererseits hat man keine Weisungsbefugnis. Das kann frustrierend sein. Da aber keiner so genau weiß, wie Cybersecurity eigentlich geht, wird man ganz gut bezahlt (85k jährlich in meinem Fall).
Fazit: Meist langweilig und frustrierend, gleichzeitig phasenweise sehr spannend und herausfordernd. Das gute Gehalt lässt einen Ersteres meist ertragen.
Die IT ist im Umbruch
➤ Ich bin in diese Branche vergleichsweise spät eingestiegen, 2021, also genau in der Pandemie, habe ich meinen ersten Job als Junior Entwickler angetreten. Schon während meiner Ausbildung hat man gemerkt: Die IT ist im Umbruch. Überall brennt es. Auszubildende Fachinformatiker werden als voll ausgebildete Entwickler an den Kunden verkauft, wegen Personalmangel.
Crunch Time bei Projekten ist kein Einzelfall mehr, sondern gefühlt Dauerzustand, weil sich alles in Richtung des Kunden und der Kundenzufriedenheit verlagert, statt auf die Qualität des Produktes zu achten. Heißt: Der Kunde will die Super-Sonder-Extra-Wurscht? Der Kunde bekommt sie. Egal wie.
Dabei werden Projekte oft nicht mehr von mehreren Entwicklern angegangen, sondern von einem. Wenn es gut läuft, schaut ein zweiter im Pair Programming drüber, aber dafür ist oft kaum Zeit, weil er selbst in seinem Projekt hängt. Dafür werden die Projekte immer größer, dauern länger und werden spezieller auf die Kundenwünsche zugeschnitten. (...) Lieber verkauft man im Sales mehreren Kunden Luftschlösser, (...) als ein paar Code-Verbesserungen am alten Projekt vorzunehmen, das lässt sich nämlich nicht so gut nach außen verkaufen.
(...) Oft wird dabei mit Personal- oder Fachkräftemangel argumentiert, oft ist es aber eine Einsparung des Unternehmens. Wieso mehrere Entwickler einstellen für ein Projekt, wenn es einer tun kann – auch wenn der dafür Überstunden machen muss und gegebenenfalls Crunch Time hat?
Es muss sich etwas tun in der Branche: Crunch Time und Überstunden sind salonfähig geworden. Selbst wenn ich mich jetzt als Senior Developer umschaue und bewerbe, kommt oft direkt oder unterschwellig die Frage auf, ob man denn die Extrameile gehen würde? Also ob man bereit ist, Projekte abzuschließen in time, egal wie viel eigene Überstunden und Stress das kostet.
Das Problem ist überall und dank Silicon Valley auch kein Problem mehr, sondern ein hippes "Mindset", das man als (künftiger) Mitarbeiter doch bitte mitbringen soll. Sonst bekommt man die Stelle eben nicht.
Und so steckt man im Hamsterrad fest oder muss sich vollkommen neu orientieren. Ein Kollege hat zum Beispiel deswegen umgeschult auf Krankenpflege, ein anderer ist noch einmal studieren gegangen, soziale Arbeit. Viel mehr andere Wahlmöglichkeit hat man nicht mehr.
Der KI-Boom und seine Folgen
➤ Seit dem KI-Boom gingen die Anfragen auf Xing gegen null. Seit Monaten keine Nachricht mehr von Headhuntern, davor teilweise mehrmals pro Tag. Habe zwei Pflegefälle daheim, da kann ich mir eine "normale" Anstellung im Einzelhandel finanziell nicht leisten. Die aktuelle Situation am Arbeitsplatz ist fast unerträglich, zu viel ist unklar, zu wenig Zeit für Erklärungen. Es kennen sich nur eine Handvoll Entwickler mit dem Stack aus. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich wegen dem Stress abdanke, aber ich freu mich mittlerweile darauf.
➤ Ich arbeite als IT-Berater in der Softwareintegration. Wir hatten schon immer viel Arbeit, auch in der Krise. Ich hatte das letzte Jahr ein Kundenprojekt, das ziemlich anspruchsvoll, weil komplex umzusetzen war; bei dem ging es von Erfolg zu Niederlage und zurück. Das Auf und Ab war nervenaufreibend. Mich hält das gute Miteinander mit den Kollegen und die Vielfalt der Aufgaben.
Was mich aktuell arg nervt, ist der Trend zu Low-Code-Tools, die mich in meiner Produktivität bei komplexen Implementierungsthemen stark einbremsen. Ich habe aber ehrlich gesagt auch keine Idee, welcher Job mit ähnlicher Bezahlung mir mehr Freude machen würde.
➤ Ich bleibe, weil ich nicht leichtfertig mehr als acht Jahre wegschmeißen möchte, weil die generelle Lage unsicher ist und ich weiterhin hoffe, dass es wieder besser wird, nicht nur die allgemeine Lage, sondern auch im Job.
Allerdings fürchte ich, dass das alles erst der Anfang ist. Die großen Firmen werden schon bald die große Reise nach Jerusalem beginnen, wo nach und nach Arbeitsplätze/Stühle weggenommen und Jobs durch KI-Agenten ersetzt werden, ohne Ersatz. Ich sehe keinerlei Bemühungen der Politik, dieser Entwicklung sinnvoll entgegenzusteuern, wir werden sehen, wie das alles ausgeht. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt ...
➤ Mein Arbeitgeber ist von Bonuszahlungen, wenn man zusätzliche Devs ins Unternehmen holt, zu Devs, die kündigen, werden nicht ersetzt, gewechselt. Die Stimmung ist strenger, ernster und bürokratischer geworden. Früher habe ich nur meine Bedingungen für mein Weiterarbeiten verhandelt, heute arbeite ich mich auf, um nicht gekündigt zu werden. Die Stimmung bei den Kolleginnen ist nicht viel besser. Die Ellenbogen kommen zum Vorschein.
Ein Wechsel ist mir zu heikel, weil ich in der Probezeit rausfliegen könnte. Inhaltlich macht mich die Arbeit fertig. Cloud sollte alles einfacher und besser machen. Stattdessen diskutieren wir jede Logzeile, weil Logging jetzt teuer ist. Lokales Arbeiten ist kaum möglich, weil es keine lokalen Varianten der prosperitären Clouddienste gibt (...).
➤ Ich habe auf eine Vier-Tage-Woche gewechselt. Ist mir das Geld wert. Vorher zu viel Stress.
Weniger Stress im Öffentlichen Dienst
➤ Warum ich im Job bleibe? Ganz simpel: Weil es öffentlicher Dienst ist, da ist alles easy! Da wird zum Beispiel nie was abgebaut oder wegrationalisiert. Und Stress ist auch was Anderes, den kenne ich aus früheren Jahren in der Privatwirtschaft. 40 Stunden sind im öffentlichen Dienst immer 40 Stunden, null Überstunden, und ein geregeltes, ruhiges Arbeitsklima.
Dafür bekomme ich im Gegenzug grob 30 Prozent weniger netto ausbezahlt als in der freien Wirtschaft, für eine ähnliche Tätigkeit. Weniger Geld kann man aber solide ins Leben einplanen. Ständige Jobunsicherheit, die ich in der Privatwirtschaft öfter hatte, macht dagegen schlaflos und langsam, aber sicher nervlich kaputt.
➤ Egal, welche berufliche Veränderung ich durchspiele, unser Hauskredit wäre gefährdet. Also bleibe ich, wo ich bin.
➤ Ich bleibe nur wegen der Kollegen – und trotz der inkompetenten Geschäftsführung.
➤ Ich habe geile Kunden aber einen sch.... Arbeitgeber, der immer weiter ins Micromanagement abgleitet. Inzwischen kann ich noch nicht einmal ein virtuelles Meeting ohne Genehmigung ansetzen. Noch stimmt das Geld, aber ich sehe mich um, weil Bonus und alle Extras gestrichen werden.
➤ Kurz und knapp: Mein Alter! Bin jetzt 57 und obwohl ich gerne etwas Neues, Sinnvolles machen würde, halte ich am alten Job fest. In den letzten vier, fünf Jahren sind viele Kollegen in Ruhestand gegangen (regulär oder krankheitsbedingt). Die neu gekommenen Führungskräfte halten sich für die Größten, die alles besser wissen und besser können, und es gerne und häufig auch zeigen. Die neuen Kollegen (zum Teil Ex-Kollegen der neuen Führung) blasen ins gleiche Horn. Die Stimmung ist dementsprechend. Ich hoffe ich halte noch bis 60 durch, was dann kommt, ist mir ehrlich gesagt herzlich egal.
➤ Geld und Kollegen. Marketing. Leider vom Produkt überzeugt, aber nicht vom Management. Viele Schritte durchlebt und zuletzt sogar von Führungspositionen zurückgetreten (ohne monetäre Nachteile), Arbeitspensum ist aber genauso hoch, was mich aktuell in den Burn-on getrieben hat. Spaß macht das schon lange nicht mehr, aber ich würde überall anders definitiv auch weniger verdienen und die Abwechslung (ein positiver wie negativer Aspekt) wäre dann genauso weg.
➤ Ich habe selbst erlebt, wie belastend und frustrierend ein Arbeitsplatz im IT-Bereich werden kann – selbst bei Arbeitgebern, bei denen ich Ausbildung und Studium absolviert habe. Häufig fehlten klare Tätigkeitsbeschreibungen und zielorientierte Führung, während fachliche Leistungen teils von Vorgesetzten vereinnahmt wurden. Projekte wurden mir teilweise ohne klare Abgrenzung oder Ressourcenplanung aufgedrückt, was die Situation zusätzlich erschwerte.
Später leitete ich ein Fachprojekt (Auftraggeber-Organisation) zur Konzeption einer IT-Anwendung über den gesamten Produktlebenszyklus bis zur Inbetriebnahme. Obwohl das fachliche Konzept abgeschlossen war, wurden Methoden wie Scrum und später SAFe eingeführt, ohne dass technische Grundlagen wie Quellcode, Systemarchitektur oder Lieferantenalternativen berücksichtigt waren. Das Team bestand aus 16 Entwicklern und mehreren Scrum-Mastern, die zuvor selbst Lösungen beauftragt hatten – ein organisatorisches Chaos, das den Fortschritt massiv erschwerte.
Auf gute Führung kommt es an
➤ Was mich trotz der Belastung gehalten hat, sind der Lerneffekt und das fachliche Netzwerk, das sich über die Jahre aufgebaut hat. Es war eine Gelegenheit, hochqualifizierte Experten zu treffen, Erfahrung in komplexen Projekten zu sammeln und den Umgang mit organisatorischen und technischen Herausforderungen zu lernen. Gleichzeitig zeigen solche Erfahrungen klar, wie wichtig gute Führung, klare Rollen und eine strukturierte Organisation für das Wohlbefinden und den Erfolg in IT-Teams sind. Dann kam eine neue Führungskraft mit Ruhestandsabsicht, die mir auf meine Nachfragen immer eine App mit ihren Tagen bis zur Rente zeigte. Das war der Tag, an dem ich anfing, meine Kündigung zu verfassen und das Leid zu beenden. Nun bin ich zufrieden im IT-Controlling bei einer Bundesbehörde im öffentlichen Dienst des Bundes angestellt.
➤ Ich arbeite in einem sehr großen Konzern und meine gesamte Karriere war mehr oder weniger auf diesen Konzern zugeschnitten. Nun stehe ich vor dem Dilemma, eine so spezialisierte Skill-Liste zu haben, dass ich in anderen Firmen entweder total überqualifiziert bin oder gar nicht erst zum Zug komme, weil ich keine standardisierten Skills habe. Das hält mich aktuell in meinem verhassten Job. Man kommt nicht einfach mal so zu einem neuen, adäquaten Job.
➤ Ich bin mittlerweile 41 und habe während der Coronapandemie den Job gewechselt. Leider hat sich über die Jahre rausgestellt, dass die Aufgaben, die mir im Vorstellungsgespräch beschreiben wurden, nicht eingetroffen sind. Ich bin daher in eine Rolle versetzt worden, in der ich keinen Spass habe und auch keinen Sinn für mich selbst erkenne. Seitdem versuche ich mich anderweitig zu bewerben. Trotz meiner Berufserfahrung von über 20 Jahren bekomme ich bei 90 Prozent meiner Bewerbungen eine Standardabsage oder es geht über ein Erstgespräch nicht hinaus. Auf konkrete Rückfragen zu den Gründen bekomme ich keine beziehungsweise nur extrem selten Rückmeldung. Es scheint so, als suchten die Unternehmen erfahrene Fachkräfte, die aber am Ende nichts kosten dürfen und fünf Tage im Büro sein sollen.
➤ Wenige Menschen bekommen die Möglichkeit, ihre Talente im Beruf so anzuwenden, dass sie darin aufgehen. Der Rahmen und die Arbeit zielen auf Geld ab, nicht auf die Verbesserung der Arbeits-/Lebenssituation, was selbstzerstörerisch ist (...). Man kann aber auch viel in seiner "Knechtschaft" lernen, vorausgesetzt man hat ein entsprechendes Ziel. Ein solches ist übrigens das Merkmal, das Menschen von Tieren unterscheiden kann! (...)
➤ Ich bleibe – noch (3 bis 5 Jahre). Einfach, weil ich mit kleinen Kindern zuhause meine Komfortzone, nämlich den kurzen Arbeitsweg, Homeoffice, Lebenszeit gegen Geld, aus Faulheit genieße. Spaß macht es schon lange nicht mehr, liegt an immer wachsenden (inkompetenten) Vorgesetztenstrukturen und immer weniger echter Arbeit. Es werden Verwalter, keine Entwickler benötigt. Sobald die Kids älter sind, wird es enden.
➤ Ich bin seit Längerem sehr unzufrieden, weil nichts vorangeht und alles so sprunghaft ist. Jede Woche kommt was Neues und nichts wird zu Ende gebracht. Eigentlich würde ich gerne weg, aber ich habe auch etliche Vorzüge. Der Arbeitsweg ist kurz, über 30 Tage Urlaub, das Gehalt ist gut, die Kollegen sind nett und die Kohle passt auch. Wenn ich wechseln würde, müsste ich deutlich mehr arbeiten. Alles in allem eigentlich nicht schlecht, aber ich bin auch inzwischen unfassbar unmotiviert, das ist nur noch keinem aufgefallen und wird es wahrscheinlich auch nicht. Somit bleibe ich und dümpel so vor mich hin -.-
Und immer wieder: Das Team
➤ Das Team und die letzten Möglichkeiten, noch etwas zu ändern, halten mich dort, wo ich bin. Auch wenn im mittleren Management gerade ein Vakuum herrscht und die verbleibende Führungskraft toxisch ist und nichts auf die Reihe bekommt. Das Team hält zusammen wie Pech und Schwefel und so lässt es sich zumindest gerade noch aushalten.
➤ Wahrscheinlich das, was die meisten davon abhält: die Angst vor Verarmung und sozialem Abstieg. Das ist doch der Grund, warum wir überhaupt alle arbeiten gehen.
➤ Wir arbeiten in einem Unternehmen mit gut 300 Leuten an sieben Niederlassungen in vier Ländern und wachsen durch Zukäufe kleinerer Häuser sehr stark. Das einzige, was nicht mitwächst, ist die IT-Abteilung. Wir sind zu dritt in der IT mit einem sehr starken Fokus auf On-Premise-Systeme. Bedeutet HA-Cluster mit 40 VMs, 10 Firewalls, Mailgateways etc.
Eigentlich suchen wir seit Monaten nach personeller Unterstützung, jedoch lehnt das Management geeignete Kandidaten immer wieder ab. Wegen Persönlichkeit, Gehaltswünschen oder Homeoffice-Begehren. Vor einigen Wochen zog ich dann die Reißleine, habe mich wegen Burn-out krankschreiben lassen und das auch sehr offen unserer GF gespiegelt. Man hat mir versprochen, die Themen ernst zu nehmen und mir gesagt, dass ich mir Zeit nehmen soll.
Auch nach sechs Wochen ist nichts, aber auch rein gar nichts passiert. Wir sitzen noch immer zu dritt da, keine Änderungen beim Recruiting oder an sonst irgendwelchen Stellen, aber man hat wieder ein anderes Haus aufgekauft, was wir nun bitte technisch integrieren sollen. Was mich hier noch hält, ist das Team und dass wir trotz dieser Umstände sehr vieles gemeinsam gewuppt bekommen. Allerdings schauen wir uns dennoch um und strecken die Fühler aus.
➤ Ich habe zwar viel zu tun im Job (Senior Software Developer im ERP-Umfeld), könnte aber inhaltlich kaum zufriedener sein. Ich habe ein Umfeld aus Chef und Kolleg:innen, die mich fördern und mit denen ich gut zusammenarbeiten kann. Ich kann mich fachlich weiterentwickeln und an Aufgaben arbeiten, die zu mir passen und Spaß machen. Gleichzeitig werde ich auch noch sehr gut bezahlt und hab tolle Benefits. Ich bin also absolut nicht unzufrieden – im Gegenteil. :)
➤ Die Rahmenbedingungen in meiner Arbeit sind gut, zum Beispiel die Ausstattung, das Verständnis, wenn das Kind mal krank ist, die Lage sowie einige Tage Homeoffice. Aber meine Arbeit an sich und die Art der Projektführung (Projekte dauern ewig und sind schlecht dokumentiert, es gibt unklare Rollen, Kommunikationsprobleme etc.) und vermutlich auch meine eigene Affinität, lieber etwas Kreativeres machen zu wollen, machen mich unzufrieden. Aktuell gibt es aber keine Alternativen in der Nähe, die finanziell ähnlich gut sind und vergleichbare Rahmenbedingungen für mich und meine Familie bieten.
➤ Die Stimmung in unserer Abteilung ist ins Bodenlose gesunken. Sechs Leute in meinem direkten Arbeitsumfeld hatten innerhalb der letzten fünf Jahre stressbedingte Herzprobleme, einer ist an Herzinfarkt gestorben. Wären Möglichkeiten für einen sinnvollen Wechsel gegeben, würde ich diese wahrnehmen. Der Arbeitsmarkt ist einfach zu sehr abgekühlt.
➤ Planloses Management, der Wechsel auf eine agile Arbeitsmethode, die sich auf die Hardwareentwicklung nicht vernünftig adaptieren lässt und das stetige Beschäftigen mit sich selbst und nicht mit dem Kunden, machen es mittlerweile unerträglich. Hinzu kommt fehlende Wertschätzung und das krampfhafte Denken, dass alles neu gemacht werden muss, weil ja alles Alte schlecht ist. Dazu eine Führungskraft, die nur an ihre Kariere denkt und nicht an das Team. Warum bleibt man in so einem Unternehmen? Wegen der Kollegen, der Bezahlung und der vermeintlichen Arbeitsplatzsicherheit, die unsere Sparte mit sich bringt.
Der Lebensunterhalt muss gesichert bleiben
➤ Geld. Wie soll man seine Verpflichtungen begleichen, wenn es Arbeitslosengeld I nur bei Kündigung durch den Arbeitgeber gibt und II erst nach drei Monaten gezahlt wird, wenn man selbst kündigt?
➤ Aktuell in einer festen, sehr sicheren leitenden staatlichen Anstellung. Stresslevel sehr hoch, Stimmung im Unternehmen schlecht, Prozesse auch. Aufgrund von Familie und Hauskredit aber auf ein sicheres, stetiges Einkommen angewiesen. Die aktuelle Marktlage lässt da leider keine Experimente zu.
➤ Immer höhere Ziele im Fachvertrieb eines großen Systemhauses, aber stagnierende Gehälter. Der Vorstand erzählt nur noch was von KI. Arbeite einfach heimlich weniger Stunden für dasselbe Geld, um mich nicht weiter ausbeuten zu lassen.
➤ ...die aktuelle Nähe zum Arbeitgeber, den ich mit dem Fahrrad erreichen kann.
➤ Mein Arbeitgeber hat circa 27.000 Mitarbeitende, wovon circa 1.500 in der IT arbeiten. Mein Team besteht aus vier Personen. Das Betriebsklima wird immer toxischer und die Führungsebenen entscheiden auf Basis von "Ich habe da was gehört und finde das ganz toll, weiß aber nicht, was ich tue" und ignoriert jegliche Warnung oder Kritik am Vorgehen. Mögliche Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens? Kein Problem! Hauptsache das Projekt wird wie versprochen irgendwie produktiv gesetzt, auch wenn es weder getestet wurde noch die rechtlichen Ansprüche erfüllt.
Ob ich das Unternehmen verlassen möchte? Ja! Seit knapp einem Jahr. Warum ich es nicht mache? Mein Team. Geht eine Person von uns vieren, werden die anderen komplett verbrannt. Das wollen wir uns gegenseitig nicht antun. Pläne gemeinsam "abzuhauen"? Haben wir schon lange, würden damit aber das Haus von heute auf morgen zahlungsunfähig machen und unsere Kunden damit bestrafen. Auch das ist keine Option für uns.
➤ Ich habe diesen Monat meine Rolle als ABAP-Entwickler aufgegeben und bin in eine Produktexperten-Rolle umgestiegen. Soweit war es die richtige Entscheidung.
➤ Nichts. Es hält mich nichts mehr. Es gibt nur nichts Anderes in meiner Umgebung und ich habe weder das Auto zum Pendeln, noch die Ressourcen und Nerven zum Umziehen. Also muss ich bleiben, obwohl ich inzwischen wegen der Unfähigkeit des oberen Managements, das die Firma mutwillig inkompetent umstrukturiert (so viel dumme Entscheidungen kann man anders nicht beschreiben!), in Therapie bin und mein Therapeut mir schon mehrmals (!) gesagt hat, dass ich endlich kündigen und was Anderes suchen soll, weil er mich so nicht behandeln kann. Aber es gibt nichts! Es gibt einfach nichts! Alle Unternehmen in der Umgebung haben Einstellungsstopp! Ich kann nirgends hin, also muss ich bleiben.
➤ Ich bin 52 Jahre alt und leite eine IT-Abteilung. Im Schnitt arbeite ich 60 bis 70 Stunden pro Woche, da wir für Projekte kein geeignetes Personal finden. Die vielen Überstunden und die kaum vorhandene Freizeit machen sich inzwischen deutlich bemerkbar: Schlafprobleme, Rückenschmerzen, Stress und Gereiztheit gehören mittlerweile zu meinem Alltag.
➤ Eigentlich würde ich gerne den Bereich wechseln, allerdings nicht mehr in der IT. Sie hat sich in den letzten Jahren zu einem komplexen Koloss entwickelt. Themen wie Datenschutz, Informationssicherheit und eine zunehmende Bürokratisierung haben den Beruf zu einem administrativen Monster werden lassen, das wenig mit dem ursprünglichen Kern der Arbeit zu tun hat.
➤ Ein kompletter Neuanfang ist für mich aufgrund familiärer Verpflichtungen finanziell nicht realisierbar. Daher werde ich meinen derzeitigen Job wohl oder übel weiterführen müssen, auch wenn mir bewusst ist, dass das langfristig auf Kosten meiner Gesundheit gehen könnte.
➤ Es ist eigentlich ganz einfach:
Du hast zwei Kinder und ein Haus gebaut. Die Kinder und die Bank interessieren sich nicht, wie viel Spaß du bei der Arbeit hast.
Du bist mehr als zehn Jahre bei der Firma und hat halt den Absprung verpasst. Kurz vor 50 nochmal wechseln?
Dadurch, dass du schon so lang da bist, kannst du dir auch ein paar Freiheiten rausnehmen.
Du hast von anderen Firmen gehört, bei denen es besser laufen soll. Das sind aber vermutlich die Ausnahmen. Es gibt viele, bei denen es ähnlich gut/schlecht läuft.
Viele wollen heute nur noch "smart" arbeiten und für jedes kleine Problemchen ein Tool einführen. Du hast eine andere Einstellung dazu – man darf sich ja auch noch die "Hände schmutzig" machen – und das kann auch noch Spaß machen.
➤ Arbeite seit 35 Jahren seit der Ausbildung bei der Deutschen Telekom. Für mich gibt es damit kein Leben mehr nach der Telekom ... Trotzdem ich den Laden inzwischen nur noch hasse wie die verdammte Pest! Doch ich stecke gerade in der internen Jobvermittlung – zu lange schon.
➤ Es sind meine direkten Kollegen und der gute Teamzusammenhalt im kleinen Team, was mich bei schlechter Bezahlung und vielen Überstunden im Job hält, und auch die Unsicherheit bei einem Wechsel. (Derzeit bin ich in einem staatlichen Umfeld, der Job gilt als ziemlich sicher.)
➤ Vor einiger Zeit vier Monate krankgeschrieben (Belastungsstörung, Blutdruck 200/100, Panikattacken). Dann wieder ab ins Projekt, reduzierte Stundenzahl (und Gehalt, klar), Ende der Geschichte, Kündigung aller Mitarbeiter, verschleppte Insolvenz, ausstehende Gehälter, Arbeitslosigkeit – immerhin stellt sich die Frage nicht mehr, ob man dennoch beim Arbeitgeber verblieben wäre. Projekt als Dienstleister für Automobilindustrie.
➤ Lifestyle-Inflation und schrumpfender Arbeitsmarkt. Irgendwann wird der neue Job zum Lotto-Gewinn ... der genauso schwer zu bekommen ist.
➤ Der Grund ist die Unterstützung der Kollegen und der eigene Wille, eine saubere und dokumentierte Übergabe zu erreichen. Da man selber noch Teile einer vorherigen unsauberen Übergabe aufräumen muss.
➤ Hauptsächlich halten mich viele unsichere externe Faktoren (Klimakrise, Ukrainekrieg, Trump in den USA, handlungsschwaches Europa, China drängt in viele Märkte etc.) in meinem Job. Ein gutes Einkommen, um einen großen Puffer für meine Familie aufzubauen, lässt mich über Personalmangel, viele Überstunden und fehlende Perspektiven im Betrieb hinwegsehen.
➤ Jahrzehnte langer Status und damit etwaige Abfindung bei betriebsbedingter Kündigung.
➤ Ich habe fünf Jahre Berufserfahrung abseits der Uni als Fullstack Webdeveloper. In meiner Laufbahn habe ich öfters den Job gewechselt. Auch wenn es dafür in zwei von vier Fällen gute Begründungen gibt (einmal Insolvenz der Firma, einmal hat es nicht gepasst), ist es nicht immer leicht, die erste Hürde zu nehmen.
In meinem derzeitigen Unternehmen bin ich seit eineinhalb Jahren. Bereits nach drei Monaten habe ich bemerkt, dass mein Anspruch an Codequalität, Struktur und Professionalität nicht zum Status quo in der Firma passt. Von einem erneuten Wechsel hält mich ab, dass die Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt dazu führen könnte, dass ich im nächsten Unternehmen nur kurz bleibe und mein Lebenslauf dann noch negativer bewertet wird. Auch kann man selbst nach einem Kennenlernen vor Ort oft nicht einschätzen, ob man wirklich ins Team passt. Deshalb wähle ich aktuell lieber das bekannte Übel.
Das Gehalt ist zu gut ...
➤ Fühle mich unterfordert, aber das Gehalt ist zu gut... geht einem auf Dauer auch auf die Nerven.
➤ Ich arbeite seit zwei Jahren in einem großen deutschen Unternehmen und jeder hat mir damals dazu gratuliert, im Sinne von "Da bleibst du bis zum Ende, dort verdienst du gut." Das Geld ist wirklich gut – das stimmt. Aber ich hatte bisher keine Firma, die so sehr gegen sich selbst und ihre Mitarbeiter arbeitet.
Jobs mit ohnehin großer Verantwortung bekommen immer mehr Aufgaben zugeteilt, die eigentlich beim Controlling oder anderen Abteilungen aufgehoben sind. Interne Prozesse verlangsamen das Vorankommen oder legen einem Steine in den Weg. Sparmaßnahmen führen dazu, dass keine weiteren Kollegen eingestellt werden.
Ich soll programmieren, Provider managen, das Tagesgeschäft abwickeln, mein eigener Scrum-Master sein, Bugs und Probleme beseitigen, auf dem Markt nach Alternativen schauen und mich mit den vielen alten und neuen Systemen auseinander setzen. Und gefühlt kommt jede Woche eine neue böse Überraschung, die mich davon abhält Aufgaben zu erledigen oder uns selbst zu optimieren und Automatisierungen zu entwickeln.
Trotzdem liegen mir die Kunden im Ohr, die schon seit Ewigkeiten auf die Fertigstellung bestimmter Features warten und die ich ständig vertrösten muss. Ich weiß nicht mehr, wo ich anpacken soll oder in welche Richtung ich schauen soll. Ich verliere schnell den Überblick über meine Aufgaben und vergesse viel.
Wichtige Themen bleiben liegen und es fällt mir schwer, den Providern Arbeiten zuzuweisen, da die Backlogs schlecht gepflegt sind. Jedes Mal, wenn ich mir vornehme, mir für ein bestimmtes Thema Zeit zu nehmen, fühlt es sich falsch an. Das Gefühl, dass ich meine Zeit lieber für ein eventuell wichtigeres Thema nutzen sollte, verfolgt mich jedes Mal. Es ist zermürbend.
Ich habe keinen Spaß mehr auf der Arbeit. Ich bereue es oft, ITler zu sein, obwohl es damals mein größter Berufswunsch war, Programmierer zu werden. Den Arbeitgeber zu wechseln, halte ich für zu riskant, da ich durch Investitionen auf ein gutes Gehalt angewiesen bin, zudem höre ich oft Sprüche wie "Du bist dumm, wenn du da gehst – du verdienst dich mit den Jahren dumm und dämlich." Aber ich bin unglücklich. Also beiß ich die Zähne zusammen und versuche die Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen zu stemmen. Es fällt mir aber schwer am Ball zu bleiben und mich für die Themen zu interessieren.
➤ Im Grunde ist die Antwort ganz einfach, ich bekomme gutes Geld. Gibt es das beim nächsten Arbeitgeber auch noch? Also bleibe ich.
➤ Es dauert bei mir Jahre, bis ich bei Unzufriedenheit bereit bin zu kündigen. Selbst wenn sich eine Gelegenheit bietet, zögere ich. Am jeweilig aktuellen Job halte ich schon etwas fest, weil es ja auch immer gute Seiten gibt. Wer weiß, welche Probleme man im neuen Job hätte?


