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Arbeitsklima: Schlangengrube Razer

Der Gaming-Zubehörspezialist Razer pflegt ein besonders cooles Image - aber Firmengründer und Chef Tan Min-Liang soll ein von Sexismus und Rassismus geprägtes Arbeitsklima geschaffen haben. Nach Informationen von Golem.de werden Frauen auch in Europa systematisch benachteiligt.
/ Peter Steinlechner
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Tan Min-Liang, Chef von Razer (Bild: Roslan Rahman/AFP via Getty Images)
Tan Min-Liang, Chef von Razer Bild: Roslan Rahman/AFP via Getty Images

Hardware von Razer ist oft richtig gut. Gerade erst hat das Razer Blade 13(öffnet im neuen Fenster) - ein für Spiele gedachter Laptop - im Test bei Golem.de fantastisch abgeschnitten. Die Firma beschäftigt an ihren Hauptsitzen in San Francisco und Singapur sowie in weltweit 18 Niederlassungen rund 1.300 Angestellte. Razer(öffnet im neuen Fenster) pflegt das Image, besonders hochwertige Produkte anzubieten. Das geht offenbar auf Kosten der Arbeitnehmer: Das US-Magazin Kotaku(öffnet im neuen Fenster) hat in den USA von ehemaligen Mitarbeitern viele Interna über unhaltbare Zustände erfahren.

Gleichzeitig ist Golem.de aus Unternehmenskreisen an Informationen über die Zustände in Europa gelangt. Vom coolen Image bleibt wenig: Die Schilderungen zeichnen ein Bild von Sexismus und Rassismus sowie von massiven Verstößen gegen die Arbeitsgesetze. Für Messen angestellte Mitarbeiterinnen mussten den Schilderungen zufolge in erster Linie "richtig geil" aussehen - so habe die Forderung eines zuständigen Managers gelautet. Sogar in Gegenwart von Menschen mit asiatischem Migrationshintergrund seien wiederholt abfällig-beleidigende Äußerungen über Asiaten gefallen.

Golem.de hat auch Hinweise auf Verstöße gegen die Arbeitsgesetze in Europa erhalten: So soll weiblichen Mitarbeitern die Teilnahme an Fortbildungen verwehrt worden sein, weil separate Hotelzimmer zu teuer gewesen seien. Ähnlich wie in den USA gebe es einen enormen Erfolgsdruck. Dazu würden auch Erreichbarkeit rund um die Uhr sowie Überstunden gehören, insbesondere vor Messen und anderen Events. Es gibt Hinweise, dass angesammelte Überstunden aus den Unterlagen gestrichen und nicht ausgeglichen oder ausbezahlt wurden.

Der Bericht von Kotaku erweckt den Eindruck, dass vor allem Firmenchef Tan Min-Liang für ein von Angst geprägte Arbeitsklima im Unternehmen verantwortlich ist. Er soll Mitarbeiter beleidigt und mit Produkten und Prototypen, die ihm nicht gefielen, beworfen haben. Missliebige oder aufmüpfige Angestellte soll er kurzfristig gefeuert haben.

Ein Gespräch mit Tan Min-Liang habe sich für Mitarbeiter angefühlt, als ob sie "dem Löwen zum Fraß vorgeworfen werden" , erfuhr Golem.de. Es habe regelmäßig Ausfälligkeiten in E-Mails und auch in Meetings gegeben.

Razer Blade Stealth 13 - Test
Razer Blade Stealth 13 - Test (02:16)

Kotaku berichtet, dass viele langjährige Angestellte nur deshalb geblieben seien, weil der Firmenchef ihnen bei einem Börsengang viel Geld in Aussicht gestellt habe. Als Razer dann 2016 tatsächlich an die Börse gegangen sei, hätten einige Mitarbeiter zwar tatsächlich 200.000 US-Dollar oder mehr bekommen. Bei anderen hätte es aber, anders als angekündigt, nur für einen "Gebrauchtwagen" gereicht.

Die Firma selbst sagte auf Anfrage von Kotaku, bei den seit 2016 regelmäßig durchgeführten internen Umfragen habe es keine negativen Auffälligkeiten gegeben. Alles in allem seien die meisten Mitarbeiter sehr zufrieden. Tan Min-Liang sagt, er habe Prototypen, die nicht seinen Qualitätsansprüchen genügt hätten, auf den Boden oder an die Wand geworfen, aber nicht auf Mitarbeiter. Die deutsche Niederlassung von Razer war für eine kurzfristige Stellungnahme von Golem.de nicht zu erreichen.

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