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Arbeitsbedingungen: JP Morgan überwacht Arbeitszeiten von Junior-Bankern

Die US-Großbank JP Morgan Chase testet ein digitales Monitoring-System, um die Arbeitsbelastung der Junior-Banker zu erfassen.
/ Nils Matthiesen
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JPMorgan überwacht jetzt Junior-Banker (Bild: ANGELA WEISS/AFP via Getty Images)
JPMorgan überwacht jetzt Junior-Banker Bild: ANGELA WEISS/AFP via Getty Images

Die US-Investmentbank JP Morgan Chase weitet die Maßnahmen zur Kontrolle der Arbeitsbelastung von Junior-Bankern aus. In einem Pilotprogramm wird derzeit ein System getestet, das die von Nachwuchskräften gemeldeten Arbeitsstunden mit deren tatsächlicher digitaler Aktivität abgleicht. Wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person Bloomberg(öffnet im neuen Fenster) berichtet hat, soll das Tool einen präziseren Überblick über das tatsächliche Pensum verschaffen.

Das System erfasst den digitalen Fußabdruck der Mitarbeiter, darunter die Dauer von Videokonferenzen, Tastenanschläge am Desktop sowie geplante Meetings. Das Monitoring soll künftig in der gesamten Investmentbanking-Sparte eingesetzt werden.

Ergänzung zu bestehenden 80-Stunden-Limits

Das neue Tool ist kein isolierter Vorstoß, es ergänzt bestehende Reformen. JP Morgan hatte bereits im Jahr 2024 die wöchentliche Arbeitszeit für Junior-Banker auf maximal 80 Stunden begrenzt.

Zudem führte die Bank zusätzlich eine sogenannte Pencils-down-Regelung ein, die eine Pause von Freitagabend (18 Uhr) bis Samstagmittag (12 Uhr) vorschreibt, sowie ein garantiertes freies Wochenende pro Quartal vorsieht. Das digitale Monitoring soll nun sicherstellen, dass diese Grenzen in der Praxis eingehalten werden.

Ein Sprecher betonte, dass das Programm der Transparenz und dem Wohlbefinden diene – vergleichbar mit Bildschirmzeitberichten auf Smartphones. Es gehe darum, offene Gespräche über die Belastung zu fördern, nicht um eine Leistungsüberwachung.

Hintergrund: Tragischer Todesfall bei der Konkurrenz

Der Druck auf die Wall-Street-Institute hatte sich zuletzt massiv verschärft. Hintergrund sind mehrere Fälle extremer Erschöpfung in der Branche. Das prominenteste Beispiel ist der Tod von Leo Lukenas III.(öffnet im neuen Fenster) , einem ehemaligen Green Beret, der als Investmentbanker bei der Bank of America tätig war.

Lukenas verstarb nach einer Phase extrem langer Arbeitstage an einem Blutgerinnsel. Zwar stellte der Obduktionsbericht keinen direkten kausalen Zusammenhang zur Überarbeitung her, dennoch löste der Fall eine weitreichende Debatte über die toxische Arbeitskultur im Finanzsektor aus.

Die Einstiegsgehälter für Analysten liegen oft bei 200.000 US-Dollar pro Jahr und mehr. Damit erkaufen sich die Banken traditionell eine fast lückenlose Verfügbarkeit. Mit der Kombination aus festen Stundenobergrenzen und technischer Überwachung versucht JP Morgan nun, das Risiko solcher Extrembelastungen systematisch zu minimieren.


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