Arbeitnehmerüberwachung: Walmart patentiert Technik zur Audioüberwachung

Audiosensoren im Bereich der Kassen könnten Walmart bald dabei helfen, die Effizienz der Bezahlvorgänge in den Supermärkten zu erhöhen. Mit der neuen Technologie können aber auch Mitarbeiter überwacht und Kundengespräche abgehört werden.

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Eine Zeichnung des durch Walmart patentierten Sensorsystems.
Eine Zeichnung des durch Walmart patentierten Sensorsystems. (Bild: US Patent and Trademark Office)

Der amerikanische Einzelhandelskonzern Walmart Inc. hat in den USA eine neue Technik zur Audioüberwachung und -analyse seiner Supermarktkassen patentiert. Dem Patentantrag zufolge sollen Sensoren im Kassenbereich Audiosignale aufnehmen und daraus Rückschlüsse auf die Anzahl der wartenden Kunden, die Menge der jeweils gekauften Waren und die Geschwindigkeit des Bezahlvorganges ziehen. Auf diese Weise sollen Leistungsdaten über die Mitarbeiter gesammelt und ausgewertet werden, wie Buzzfeed berichtet.

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Aufgezeichnet werden könnten demnach Geräusche wie das Piepen der Kasse beim Barcode-Scan oder das Rascheln von Produkten oder Taschen beim Auflegen auf das Band. Darüber hinaus nennt der Patentantrag aber auch die Möglichkeit, "Gespräche zwischen Gästen und Mitarbeitern" und "die Klänge von Gesprächen zwischen Gästen, während diese in der Schlange warten" aufzuzeichnen. So soll festgestellt werden, ob Mitarbeiter Kunden grüßen oder wie weit entfernt Kunden voneinander stehen.

"Die Effizienz und Leistung der Mitarbeiter kann einem Supermarkt helfen, Kosten zu senken und die Kundenzufriedenheit zu steigern", heißt es zur Begründung in Walmarts Patentantrag. Das System könne zum Beispiel die Effizienz des Eintütens messen und Mitarbeiter informieren, wenn eine neue Kasse geöffnet werden muss.

...und Inhaltsanalyse von Gesprächen

Darüber hinaus beinhaltet das Patent aber auch die Möglichkeit, den Inhalt von Kunden- sowie Mitarbeitergesprächen aufzuzeichnen und per Spracherkennung auszuwerten. Auf diese Weise könnte Walmart an private Informationen gelangen, deren Nutzung weit über die Steigerung der Mitarbeitereffizienz hinausgeht. Technisch denkbar wäre es, die privaten Gespräche von Kunden auf deren Gemütszustand, Geschlecht oder Alter hin zu analysieren, um die Ansprache durch Mitarbeiter oder auch angezeigte Werbung darauf abzustimmen. Auch das Fingerprinting einzelner Stimmen ließe sich mit einem solchen System möglicherweise realisieren, um Kunden über Einkäufe hinweg wiederzuerkennen.

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Obwohl die von Walmart patentierte Technik tief in die Privatsphäre von Mitarbeitern und Kunden eingreift, steht ihrem Einsatz in den USA offenbar rechtlich wenig im Weg. "Es ist eine verbreitete Fehlwahrnehmung, dass Überwachung der Einwilligung der Mitarbeiter bedarf", sagte Ifeoma Ajunwa, Professor an der Cornell University im US-Bundesstaat New York im Gespräch mit Buzzfeed. "Aber ganz ehrlich, solange der Arbeitgeber darlegen kann, eine Überwachungsmaßnahme passiere zu geschäftlichen Zwecken und nicht zur Diskriminierung, gibt es kein Gesetz, das eine Einwilligung vorschreibt."

Audioüberwachung auch in Deutschland denkbar?

Deutsche Supermärkte haben es da wahrscheinlich schwerer. Eine derartige Überwachung von Mitarbeitern und Kunden sei hierzulande vollkommen unzulässig, ist der Berliner Arbeitsrechtler Pascal Croset im Gespräch mit Golem.de überzeugt. Dies gelte auch dann, wenn ein Supermarkt versuchen würde, zuvor die Genehmigung des Betriebsrates einzuholen, denn eine solche stünde nicht in dessen Befugnisbereich.

Die Überwachung von Mitarbeitern in Supermärkten beschäftigt auch in Deutschland immer wieder die Gerichte. Bereits 2013 war die Rewe-Gruppe dabei ertappt worden, Mitarbeiter in ihren Penny-Märkten heimlich zu filmen. Die Supermarktkette Real entschied 2017 ihr Testsystem zur Gesichtserkennung an der Ladenkasse nach einer Anzeige durch den Verein Digitalcourage wieder abzubauen. In den USA hat das Patentamt dem Antrag des Walmart-Konzerns am 10. Juli stattgegeben, und das Audioüberwachungssystem patentiert. Ob und wann es eingesetzt wird, ist unklar. Die Walmart Inc. wollte sich auf Nachfrage von Buzzfeed nicht zu Details äußern.

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