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Arbeitmarkt: Jobsuchende kapern Dating-Apps

Menschen nutzen Hinge, Tinder und Grindr nicht mehr für die Partnersuche, sondern für Karrierekontakte.
/ Andreas Donath
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Jobsuche mit Tinder? (Bild: Pexels)
Jobsuche mit Tinder? Bild: Pexels

Der enge Arbeitsmarkt zwingt manche Jobsuchende in den USA zu unkonventionellen Methoden. Dating-Plattformen wie Hinge, Tinder und Grindr werden zunehmend zweckentfremdet – von Menschen, die über traditionelle Bewerbungsprozesse kaum noch durchkommen, wie Bloomberg berichtet(öffnet im neuen Fenster) .

Die Entwicklung spiegelt grundlegende Probleme auf dem Arbeitsmarkt wider. Die US-Arbeitslosenquote erreichte 2025 laut Bureau of Labor Statistics 4,6 Prozent. Bei Arbeitnehmern mit Bachelor-Abschluss stieg die Quote von 2,5 auf 2,9 Prozent im Jahresvergleich, während sie bei Schulabsolventen stabil bei rund 4,4 Prozent blieb.

Eine Umfrage von Resumebuilder.com(öffnet im neuen Fenster) unter rund 2.200 Dating-App-Nutzern ergab, dass etwa ein Drittel diese Plattformen für Jobkontakte verwendet. Zwei Drittel suchten gezielt nach Matches, die bei attraktiven Unternehmen arbeiten. Drei Viertel gaben an, Menschen aus ihren Wunsch-Branchen getroffen zu haben.

Dating-Plattformen reagieren auf neues Nutzerverhalten

Die Praxis beschränkt sich nicht auf jüngere Arbeitnehmer. Fast die Hälfte derjenigen, die Dating-Apps für Karrierezwecke nutzen, verdient über 200.000 Dollar jährlich – ein Hinweis darauf, dass auch erfahrene Fachkräfte diesen Weg gehen. Eine Karriereberaterin bei Resumebuilder.com erklärte in dem Bloomberg-Bericht, Networking sei unverzichtbar geworden, da automatisierte Screening-Systeme und KI-Filter traditionelle Bewerbungen zunehmend wirkungslos machten.

Der Chief Product Officer bei Grindr bestätigte Bloomberg, dass etwa ein Viertel der 15 Millionen monatlichen Nutzer der App mittlerweile neben Dating auch Networking-Möglichkeiten suche. Die Plattform habe sich von ihrem ursprünglichen Fokus auf lockere Dates weiterentwickelt, um verschiedene Verbindungsarten zu ermöglichen.

Nicht alle sind mit der Entwicklung glücklich

Einige Unternehmen äußern Bedenken gegen diesen Trend. Ein Bumble-Sprecher teilte Bloomberg mit, dass die primäre Nutzung der Dating-Plattform für die Jobsuche nicht mit der Unternehmensmission übereinstimme. Die verschiedenen Plattformen der Match Group haben Richtlinien, die von Nicht-Dating-Zwecken abraten – Tinder erklärt explizit, dass Nutzer persönliche statt geschäftliche Verbindungen suchen sollten.

Die Resumebuilder.com-Umfrage ergab, dass 38 Prozent der Nutzer, die sich aus beruflichen Gründen vernetzten, auch körperliche Beziehungen zu diesen Kontakten entwickelten – ein Hinweis darauf, dass die Grenzen zwischen professionellem und privatem Networking auf diesen Plattformen weiter verschwimmen.


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