Digitalisierung: "Computer haben keine Arbeitsplätze vernichtet"

Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Ingo Kramer, sieht keine wachsende Arbeitslosigkeit durch den Einsatz von Computern. "Dass durch die Einführung des Computers Arbeitsplätze in Deutschland verloren gegangen wären, ist nun grober Unfug" , sagte Kramer im ZDF-Morgenmagazin (Video)(öffnet im neuen Fenster) . Frank Bsirske, Chef der Gewerkschaft Verdi, hatte zuvor gewarnt , dass ganze Berufsfelder von der Digitalisierung bedroht seien.
Kramer sagte dagegen: "Herr Bsirske scheint da auf dem Holzwege zu sein. Denn die Computer haben nicht Arbeitsplätze vernichtet, sondern sie haben weitere, neue Arbeitsplätze geschaffen. Jede technische Revolution hat am Anfang Schwierigkeiten mit sich gebracht und dann am Ende zu einer Ausweitung der Arbeitsplätze geführt. Die Arbeitsplätze verlagern sich." Anders sei der Höchststand in Deutschland bei der Beschäftigung nicht zu erklären. Doch der hohe Beschäftigungsgrad ist durch die Ausweitung des Niedriglohnsektors(öffnet im neuen Fenster) erreicht worden. Fast jeder vierte Beschäftigte in Deutschland arbeitet im Niedriglohnsektor.
Beim Crowdsourcing sei musterhaft die Gefahr einer digitalen Prekarisierung zu sehen. Hierbei erledigen Menschen zu Hause Arbeiten im Internet für Firmen. "Solo-Selbstständige" konkurrierten weltweit um Aufträge und böten Lösungen an – aber nur die attraktivsten würden honoriert, sagte Bsirske und warnte: "Für Rente und Auftragslosigkeit können die Betroffenen oft überhaupt keine Vorsorge treffen."
Sie wolle keine Amazonisierung der Arbeitswelt, sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Christiane Benner . Sie sehe in vielen Auftrags- und Vertragsformen der digitalen Arbeit einen Sittenverfall. Besonders kritisch seien Bedingungen bei einigen Crowdsourcing-Plattformen zu sehen: "Wenn die Plattformen mit Knebel-AGB das Internet zur rechtsfreien Cloud verwandeln, worin sich Arbeitnehmerrechte in Luft auflösen, ist das unakzeptabel und schäbig." Tätigkeiten, die digital über eine Crowdsourcing-Plattform verrichtet würden, müssten genauso bezahlt werden wie in den Unternehmen, in denen es Tarifverträge und Betriebsräte gibt. "Warum sollte kein Mindestentgelt für die Cloud gelten?" , fragte Benner.



