• IT-Karriere:
  • Services:

Islam fungiert als Treiber und Hemmnis von Bildung

Arabische Frauen sind also im Informatikbereich durchschnittlich wesentlich besser ausgebildet als westliche Frauen. Saudi-Arabien besitzt ein nach Geschlechtern getrenntes Bildungssystem. Deswegen lassen sich Fördermaßnahmen für ein spezifisches Geschlecht gezielter umsetzen: Die saudi-arabische Regierung habe Alphabetisierungskurse für ältere Frauen eingerichtet, die in den 1950er Jahren keine Grundschule besucht haben, weil es diese für Mädchen damals noch nicht gab, schreibt die Bildungsexpertin Amani Hamdan von der Imam-Abdultahman-Bin-Faisal-Universität in Dammam.

Stellenmarkt
  1. über grinnberg GmbH, Stuttgart
  2. Team H&C talents der Höchsmann & Company KG, Berlin

Fayiq Alghamdi, Informatikpädagoge und Forscher an der schwedischen Universität Uppsala, führt den Grund für den erhöhten Frauenanteil in MINT-Studiengängen auf die islamische Kultur zurück. Der Koran als verfassungsmäßiges Fundament für Saudi-Arabien verlange, dass der Fortschritt der Wissenschaft gleichermaßen von Frauen wie Männern betrieben werden solle, sagt Alghamdi. Der tiefe Glaube an diesen islamischen Lehrsatz fördere den wissenschaftliche Entdeckungsdrang, so seine Theorie.

Paradoxerweise fungiert der Islam somit als Treiber und Hemmnis von Bildung: Einerseits ist der Koran für den Staat Rechtfertigung für Verbote weiblicher Selbstbestimmung und Bildung. Gleichzeitig verlangt er jedoch die gleiche Bildung für Männer und Frauen. "Nur diejenigen, die Verstand haben, lassen sich mahnen", heißt es in Sure 13. Die Sure 59, "Denkt nach, die ihr Einsicht habt!" wird von arabischen Gelehrten als Aufruf zur rationalen Wissenschaft verstanden.

Ist das islamische Bildungsverständnis mit der nach Geschlechtern separierten Ausbildung also ein Push-Faktor für technikbegeisterte Frauen? "Studien zeigen, dass Koedukation, also das gemeinsame Unterrichten von Mädchen und Jungen in naturwissenschaftlichen Fächern, dazu führt, dass sich weniger Mädchen Problemlösungskompetenzen zutrauen", sagt die österreichische Informatiklehrerin Karin Gratiana Wurm, Verfasserin der Medienbildungsbroschüre Gendersensitiver Informatikunterricht. "Verblüffend ist die Erkenntnis, dass von den Absolventinnen von Mädchenschulen ein zehnmal höherer Anteil Natur- und Technikwissenschaften studiert als von koedukativ geführten Schulen", sagte Wurm Golem.de.

Mädchen reagierten im Vergleich zu Jungen viel stärker auf die Lernumgebung, auf das Klima und die Geschlechterrelationen - und hielten in monoedukativen Gruppen länger ihre Überzeugung aufrecht, für Naturwissenschaften begabt zu sein. Diesbezügliche Studien zur Monoedukation rund um Leonore Herwatz-Emden haben den Bildungsdiskurs in den 1980er Jahren geprägt.

Aufgrund der Struktur der monoedukativen Bildung in Saudi-Arabien trauen sich offenbar mehr Frauen eine Universitätskarriere in analytisch-logischen Fächern zu als in Deutschland. In Saudi-Arabien gibt es eine große Anzahl von reinen Frauenuniversitäten, dabei entstehen sogenannte Elite-Inseln: Die größte Frauenuniversität der Welt, die Prinzessin-Nourah-Universität, steht in Riad - eine Exzellenzuniversität nur für Frauen. Männer dürfen sie nicht betreten.

Doch in anderen arabischen Staaten wie Tunesien werden Geschlechter nicht getrennt unterrichtet. Warum gibt es hier ebenfalls einen sehr hohen Anteil von Frauen in Informatikstudiengängen? "Ein Grund könnte in der guten Bezahlung von Absolventen in MINT-Fächern liegen", schrieb das britisch-amerikanische Forscherteam Gijsbert Stout und David Geary in der Zeitschrift Psychological Science im Februar 2018. "Eine Tech-Karriere erscheint vielen als Investition in eine sichere Zukunft."

Technikstudiengänge in ärmeren Ländern besonders gefragt

Gerade in Entwicklungsländern ohne staatliche soziale Sicherungssysteme, in denen Frauenförderung im Bildungsbereich ein Fremdwort ist, gibt es eine überproportional hohe Anzahl von Absolventinnen technischer Studiengänge. Das Gehalt stellt bei der Wahl des Studienfachs offenbar einen größeren Anziehungsfaktor dar als für deutsche Studierende.

Für Stouts und Gearys Theorie spricht, dass sich in europäischen Staaten mit wenigen Elementen staatlicher Daseinsvorsorge ebenfalls mehr Frauen für eine Karriere in der Informationstechnologie entscheiden. In Bulgarien, der Türkei oder Malta liegt der Anteil von Informatikstudentinnen ebenfalls zwischen 30 und 40 Prozent und ist damit doppelt so hoch wie in Deutschland.

Doch nicht nur arabische Staaten und Osteuropa können mit einem ziemlich geschlechterausgewogenen IT-Sektor aufwarten. In Indien arbeiten mehr als 35 Prozent aller Frauen in der IT-Branche. Auf dem Subkontinent werde Programmieren gesellschaftlich als frauenfreundliche Disziplin angesehen, da es mentale statt schwerer körperlicher Arbeit voraussetze, erklärt die US-Professorin Roli Varma, die eine große Feldstudie über die Motivation indischer Informatikstudentinnen durchgeführt hat. Das Beherrschen von Programmiersprachen gelte in Indien für viele Frauen als Emanzipation, da sie sich nicht mehr auf das Einkommen des Mannes verlassen müssten.

Den entscheidenden Impuls für ein Informatikstudium hätten den Frauen ihre Väter und Brüder gegeben, die sie in den IT-Sektor "mit hineingezogen" hätten, zitiert Varma ihre Studienteilnehmerinnen. Die familiäre Bestärkung in der Beherrschung logisch-analytischer Kompetenzen unter dem Motto "Wir trauen dir das zu" sei ein wesentlicher Grund für Frauen, Informatik zu studieren.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Arbeit: Warum anderswo mehr Frauen IT-Berufe ergreifenFazit 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. (u. a. Tom Clancy's Ghost Recon Breakpoint - Ultimate Edition für 26,99€, Far Cry 5 + Far Cry...
  2. 25,49€
  3. 39,99€
  4. 17,99€

Eheran 02. Feb 2020

Wenn ich manchmal sehe, wie andere Ingenieure arbeiten, völlig egal woher sie kommen...

Eheran 02. Feb 2020

Das ist falsch. Der IQ (Test) fragt sehr breit Fähigkeiten ab. Er ist so ausgelegt, dass...

mpw1413 27. Jan 2020

ITlerinnen können von zu Hause aus arbeiten! Ist doch klar, dass die Regierung das geil...

berritorre 24. Jan 2020

Kann deine Punkte sehr gut nachvollziehen. Habe auch nicht behauptet, dass das eine...

GodsBoss 22. Jan 2020

Das bezieht sich jetzt auf die arabischen Staaten richtig? Immerhin steht im Artikel...


Folgen Sie uns
       


Assassin's Creed Valhalla - Fazit

Im Video stellt Golem.de das Action-Rollenspiel Assassins's Creed Valhalla vor, das Spieler als Wikinger nach England schickt.

Assassin's Creed Valhalla - Fazit Video aufrufen
    •  /