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Arbeit: Hauptsache, die ITler sind happy

Top-IT-Arbeitgeber 2023
Unternehmen suchen händeringend nach IT-Spezialisten. Weil sie kaum welche finden, bieten sie ihren Mitarbeitern mehr Möglichkeiten, sich im Job zu entfalten.
/ Andreas Schulte
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Arbeitgeber tun viel dafür, dass sich ihre ITler optimal entfalten können. (Bild: GLady auf Pixabay)
Arbeitgeber tun viel dafür, dass sich ihre ITler optimal entfalten können. Bild: GLady auf Pixabay / Pixabay License

Bis zum neuen Gebäude der Weiterbildungsakademie der Sick AG (öffnet im neuen Fenster) ist es von der Firmenzentrale nur ein guter Spaziergang. Doch weil die Sensor Intelligence Academy (SIA) von Mitarbeitern regelmäßig und oft genutzt wird, betreibt der Automatisierer im baden-württembergischen Waldkirch einen Shuttleservice dorthin.

Seit Dezember vergangenen Jahres haben in den 30 Trainingsräumen bereits 2.700 Weiterbildungen stattgefunden – fast alle mit Inhalten für IT-Fachkräfte. Denn die sollen wissen, wie sich ihr Job in Zukunft entwickelt. "Die Akademie ist schon jetzt für die nächsten anderthalb Jahre ausgebucht", sagt Nico Zimmermann, Leiter der SIA, und scherzt: "Wir könnten schon fast wieder das nächste Trainingszentrum bauen."

Das ehrgeizige Projekt des Sick-Konzerns, der laut der Golem.de-Umfrage Deutschlands beste IT-Arbeitgeber zu den Unternehmen mit den reizvollsten Jobperspektiven zählt, hat Symbolcharakter. Denn ob mit frischer Infrastruktur und Fortbildungen wie bei Sick, durch das Aufzeigen klarer Karrierepfade oder durch attraktive Projekte: Derzeit zeigen viele Unternehmen ihren IT-Experten vermehrt Jobperspektiven und Weiterentwicklungsmöglichkeiten auf.

So sollen die Spezialisten an das Unternehmen gebunden werden. Das ist bitter nötig, denn von außen rücken kaum Experten nach. In Deutschland beginnen laut einer Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nur sieben Prozent der Studienanfänger ein Informatikstudium. Das entspricht 33.000 Studierenden. Dies sei zu wenig, sagte Karin Prien, Bildungsministerin in Schleswig-Holstein, zur Veröffentlichung des Berichts im Oktober. Nach Angaben des Branchenverbands Bitkom (öffnet im neuen Fenster) fehlen in Deutschland schon jetzt fast 100.000 IT-Kräfte.

Bei der Golem.de-Frage, welches Unternehmen denn die besten Weiterentwicklungsmöglichkeiten und Jobperspektiven biete, hat Beiersdorf am besten abgeschnitten. Der Hamburger Konsumgüterkonzern setzt bei der Gestaltung seiner IT-Arbeitsplätze auf eine eigene Tochtergesellschaft, die Beiersdorf Shared Service (BSS(öffnet im neuen Fenster)) mit 340 Beschäftigten. Perspektiven eröffnen sich vor allem Frauen. Laut dem Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) liegt der Frauenanteil in der IT‑Branche in Deutschland bei 19 Prozent. BSS will IT-Stellen paritätisch mit Männern und Frauen besetzen.

Zudem setzt der Konzern auf eine attraktive Arbeitsumgebung. Beiersdorf versuche, mit der Ausgründung der BSS die Agilität eines Start-ups mit den Vorteilen eines globalen Unternehmens zu verbinden, heißt es vom Unternehmen.

Internationalität ist Trumpf

Mit dieser Mischung könnten die Hamburger den Nerv ihrer IT-Spezialisten treffen. "IT-Experten wünschen sich von ihrem Arbeitgeber in erster Linie reizvolle Projekte", sagt Gunther Wolf(öffnet im neuen Fenster), Unternehmensberater aus Wuppertal und Buchautor zum Thema Mitarbeiterbindung. Die Aussicht auf ein hohes Gehalt stehe dahinter zurück. Üppige Boni betrachteten viele IT-Kräfte eher als Mitnahmeeffekt, sagt Wolf.

Bei Dräxlmaier mit seinen weltweit 72.000 Mitarbeitern weiß man um den Stellenwert der Internationalität. Laut Golem.de-Studie zählt der Autozulieferer aus Süddeutschland zu den Unternehmen mit den besten Jobperspektiven. "Durch Internationalität ergeben sich spannende Aufgaben für IT-Spezialisten", sagt CIO Maik Krüger. So hat Dräxlmaier zum Beispiel im vergangenen Jahr begonnen, weltweit eine Prozess- und Systemlandschaft für alle 65 Standorte auszurollen.

Sie wird ständig weiterentwickelt. Dräxlmaier betreibt IT-Zentren neben Deutschland auch in Rumänien, Tunesien, Mexiko und China. "Wir wollen die bislang in Deutschland gebündelte Verantwortung für einzelne IT-Bereiche gleichmäßiger verteilen", sagt Krüger.

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Derzeit ergeben sich bei Dräxlmaier Jobperspektiven zudem durch den Wandel der Autoindustrie hin zur E-Mobilität. Gefragt sind bei Zulieferern Führungskräfte auf dem Gebiet der IT-Hardwareentwicklung. Sie beherrschen Fähigkeiten wie etwa mechanisches Design und können bei Elektronikkomponenten wie zum Beispiel Steuerungsgeräten bei der Batterieentwicklung eingesetzt werden.

Bei Dräxlmaier versucht man, den Bedarf an IT-Experten möglichst mit eigenen Kräften zu decken. "Wir gucken erst intern nach geeigneten Kandidaten und setzen dabei vor allem auf freiwilliges Lernen. Weiterbildung von oben durchdrücken, das geht nicht", sagt Krüger. Man müsse sie vorleben. Im Unternehmen verspüre er eine weitreichende intrinsische Motivation seiner Mitarbeiter dazu, sagt er. "Es herrscht ein positiver Schwung."

Fünf Jahre weit in die Zukunft schauen

Der Konzern unterstützt seine IT-Fachkräfte bei der Weiterentwicklung. Das Unternehmen bietet Informatikern in der firmeneigenen Business Academy unter anderem die Möglichkeit zur Fachkarriere. ITler können sich in ihrem Spezialgebiet fortbilden, ohne eine höhere Hierarchiestufe zu erklimmen und ohne eine Führungsrolle einzunehmen. "Für IT-Experten ist die Fachkarriere tendenziell attraktiver. Längst nicht jeder hat Lust auf Führungsfunktionen", sagt Experte Wolf.

Bei Sick indes sollen Mitarbeiter eine möglichst langfristige Perspektive erhalten. Um herauszufinden, welche Skills die Sick-IT-Fachleute zukünftig benötigen, hält das Unternehmen eine jährliche Konferenz ab. "Wir überlegen, wie sich Technik und der Markt in fünf Jahren entwickeln werden. Daraus leiten wir die Kompetenzen unsere Fachkräfte ab", erläutert Zimmermann.

Nicht alles kann die hauseigene Akademie abdecken. Das Unternehmen plant daher ein entsprechendes Belohnungssystem für Mitarbeiter. Besuchen oder halten sie interne Schulungen, erhalten sie dafür Punkte. Diese Punkte sind Geld wert. Sick-Beschäftigte können sich damit zu externen Schulungen anmelden.

Weitere Informationen zum Thema Top-IT-Arbeitgeber gibt es hier in unserem Karriere-Ratgeber


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