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Arbeit bei Hitze: Amtsärzte empfehlen im Sommer auch in Deutschland die Siesta

Die Arbeitswelt muss sich auf die Klimaveränderungen einstellen. Zum Teil soll es bereits Siesta-Regelungen in Betrieben in Deutschland geben.
/ Ingo Pakalski
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Noch ist eine Siesta wie in Südeuropa in Deutschland eher unüblich. (Bild: IPA via Reuters Connect)
Noch ist eine Siesta wie in Südeuropa in Deutschland eher unüblich. Bild: IPA via Reuters Connect

Amtsärzte und der Arbeitgeberverband sind sich einig, dass es für Arbeitnehmer in Deutschland im Sommer viel häufiger als bisher eine Siesta geben soll, wie sie in Südeuropa üblich sind. "Bei starker Hitze sind Menschen nicht so leistungsfähig wie sonst" , sagte Johannes Nießen, Vorsitzender des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland(öffnet im neuen Fenster) .

Zudem passiere es in den Sommermonaten immer wieder, dass Menschen nachts aufgrund fehlender Abkühlung schlecht schlafen und das führe zu Konzentrationsproblemen auf der Arbeit. Daher meint Nießen: "Wir sollten uns bei Hitze an den Arbeitsweisen südlicher Länder orientieren: früh aufstehen, morgens produktiv arbeiten und mittags Siesta machen" . Diese Arbeitsweise sollte Deutschland in den Sommermonaten übernehmen.

Unterstützung für flexiblere Mittagspausen bekommt Nießen vom Arbeitgeberverband. "Unterstützend kann bei längeren Pausen eine Reform des Arbeitszeitrechts helfen, um Beschäftigten die Chance zu geben, flexibler zu arbeiten" , sagte ein Sprecher des Arbeitgeberverbands BDA dem Redaktionsnetzwerk Deutschland(öffnet im neuen Fenster) .

Arbeitgeber fordern rechtliche Rahmenbedingungen von der Politik

Dazu könnten dann auch längere Mittagspausen gehören, wenn es von den betrieblichen Abläufen her möglich ist und sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber einig seien. "Die Politik muss den Rahmen für individuelle und flexible Arbeitszeitlösungen schaffen" , verlangt der BDA. Zum Schutz ihrer Beschäftigten bei hohen Temperaturen seien Arbeitgeber bereits heute verpflichtet - sie nähmen diese Fürsorgepflicht sehr ernst.

Nach der Beobachtung des Bundesarbeitsministeriums würden sich bereits Veränderungen im Arbeitsleben abzeichnen. "Schon jetzt nehmen viele Betriebe die Möglichkeit wahr, Arbeitszeiten an Hitzetagen entsprechend aufzuteilen oder zu verschieben, so dass sich auch in Deutschland bei weiter voranschreitendem Klimawandel die Arbeitszeitgepflogenheiten mancherorts wandeln werden, sofern die verantwortlichen Tarifvertragsparteien und Betriebspartner dies für sinnvoll erachten" , heißt es aus dem von Hubertus Heil (SPD) geführten Ministerium.

Das Ministerium sieht aber auch Probleme: Denn dies sei in vielen Betrieben wie in der Pflege oder im Verkehr nicht oder nur eingeschränkt möglich. Deshalb müssten vorrangig auch weiterhin Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden, um die Gesundheitsgefahren durch Hitzeeinwirkungen zu vermeiden


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