Apps und Games für VR-Headsets: VR taugt für mehr als nur Spiele

Die Anfangsbegeisterung für VR schien etwas abzuflachen: Rift, Vive und PSVR sind jetzt zwar in den Läden, konnten den Massenmarkt aber noch nicht erobern - viele Konsumenten schrecken schlichtweg vor den Hardware-Investitionen zurück. Und dennoch: Die Vorzeichen für einen Mainstream-Erfolg von VR sind hervorragend. Gerade erst wurde auf der Spielemesse E3 eine ganze Reihe VR-Titel präsentiert, von Fallout über Doom, Skyrim und Ace Combat 7 bis hin zu neuen IPs wie Lone Echo und Star Child.
Auch bei der Hardware tut sich einiges: So will Google in Zusammenarbeit mit HTC und Lenovo noch in diesem Jahr ein Headset auf den Markt bringen , das ohne Kabelanbindung auskommt und den bisherigen Brillen kräftig Konkurrenz machen könnte. Derweil entwickelt sich die VR-Software kontinuierlich weiter: Die Titel sind spektakulärer, informativer und auch oft nutzerfreundlicher (Stichwort: Motion Sickness) als die bisherigen Spiele und Apps. Wir stellen die spannendsten vor.
Titans of Space Plus: näher an den Sternen als im Planetarium
Die Astronomie-App Titans of Space bietet eine beeindruckende Reise durch unser Sonnensystem und zu einigen der größten Sterne. Sie schrumpft die Himmelskörper auf ein Millionstel ihrer ursprünglichen Größe und reduziert auch die Entfernungen. Die Erde etwa schwebt mit einem Durchmesser von gut 12 Metern im All. Nutzer können zwischen einer 30- und einer 55-minütigen Tour wählen; Letztere besucht auch die meisten Zwergplaneten.
Beim Flug durchs All sitzt man in einer Kapsel mit Rundumblick und hört im Hintergrund sphärische Musik. Die angenehme, wenn auch bisher nur englischsprachige Stimme des Tour Guides erzählt Wissenswertes über Entstehung und Zusammensetzung der Planeten, detaillierte Zusatzinfos lassen sich über ein Display abrufen. Titans of Space gelingt ein Balance-Akt: Es vermittelt harte Fakten, lässt seine Nutzer aber auch über die Wunder des Weltraums staunen.
Die neue Bezahl-App Titans of Space Plus (Gear VR) ist eine erweiterte Version der Gratis-App. Gegenüber der Ursprungsversion bietet sie unter anderem zusätzliche Inhalte, eine bessere Grafik, einen Komfort-Modus gegen Motion Sickness, weitere Sprachpakete sowie Unterstützung für den Gear VR Controller. Titans of Space Plus ist eine der besten Science-Apps, die derzeit in den Stores zu finden ist: Das Gefühl, durchs All zu schweben, übertrifft sogar einen Besuch im Planetarium.
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Für Samsung Gear VR. Für Oculus Rift und HTC Vive gibt es bereits Titans of Space 2.0. Der Entwickler hat angekündigt, die neuen Features der Plus-Version bald auch auf die Version 2.0 zu übertragen.
Hello Mars: eine Hommage an den Roten Planeten
Und noch eine Weltraum-App, diesmal vom Studio UCCVR, das eine Gruppe von großen Unternehmen der Branche (EA, Ubisoft, CCP Games) gegründet hat. Hello Mars simuliert die Landung auf dem Roten Planeten, die Daten dafür basieren auf Berechnungen der Nasa. Die App brilliert mit Detailreichtum, im Showroom beispielsweise lassen sich sämtliche Bauteile von Rakete und Landekapsel betrachten. Im Mittelpunkt stehen aber die sieben berüchtigten "Horror-Minuten", die über Erfolg oder Misserfolg der Mission entscheiden: Dockingmanöver und Landung erfordern viel Augenmaß und ein ruhiges Händchen - für die App ist ein Gear VR Controller erforderlich.
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Hello Mars ist seit Januar für Google Daydream erhältlich, seitdem wurde die App noch deutlich aufpoliert. Die Ausblicke auf die Marsoberfläche sind grandios, auch wenn die Auflösung der Texturen noch etwas detaillierter sein könnte. Mittlerweile gibt es ja etliche Mars-Apps für VR, zum Beispiel die großartige Mars Odyssey, bei der man auch einen Rover steuert - den bietet Hello Mars übrigens auch. Das Spiel ist eine weitere schöne Hommage an den Roten Planeten, die zudem einiges Adrenalin ausschüttet.
Für Samsung Gear VR und Google Daydream. Preis: 3 Euro. Die Gear-Version erfordert einen Gear VR Controller.
Rätselspaß und ästhetischer Genuss
Wer Physikrätsel mag, liegt bei Slice & Dice (deutscher Titel: Schneiden & Würfel) richtig. Mit einem Laser zerteilt oder sprengt man Blöcke, um einen Würfel über Rampen ins Ziel zu bugsieren - dabei ist viel Augenmaß und Planung gefragt. Je mehr Schneidevorgänge man benötigt, desto geringer die Punktzahl - elegante Lösungen werden also belohnt.

Das Spiel beginnt mit sehr leichten Aufgaben, dekliniert die Möglichkeiten der Klötzeschneiderei aber dann sehr schön durch. Am besten spielt sich Slice & Dice mit einem Motion Controller.
Für HTC Vive (10 Euro) und Samsung Gear VR (gratis)
Zero Days: wunderschöner Rundgang durch schillernde Cyberräume
Wer steckt hinter dem Computervirus Stuxnet, der 2009 das iranische Atomprogramm sabotierte? Dieser Frage geht der Dokumentarfilm Zero Days nach, der bei der letztjährigen Berlinale im Wettbewerb lief. Golem.de attestierte dem Film eine spannende Inszenierung und einen Detailreichtum, der auch für IT-Laien verständlich sei.

Auf dem Sundance Film Festival im Januar wurde erstmals die Begleit-App Zero Days VR gezeigt, die nun auch gratis im Oculus Store erhältlich ist. Die rund zehnminütige Präsentation ist vor allem ein ästhetischer Genuss: Begleitet von O-Tönen aus dem Film, folgt man Stuxnet durch schillernde Cyberräume bis tief in das unterirdische Rechenzentrum von Natanz, wo die App die Funktionsweise der Uran-Zentrifugen erklärt. Zero Days VR ist ein gelungener Appetizer für die Doku, die auf verschiedenen Streamingportalen abrufbar ist.
Für Samsung Gear VR und Oculus Rift
Farpoint: Der Aim Controller macht das Spiel zum Spektakel
"Nur ein toter Bug ist ein guter Bug." Was die Starship Troopers schon wussten, gilt erst recht für Farpoint. Denn der Planet, auf dem der neue PSVR-Shooter spielt, wimmelt nur so von Spinnen und Käfern - teilweise in Mehrfamilienhausgröße. Im Kampf gegen die Viecher erweist sich die mitgelieferte Hardware als bester Verbündeter: Haptik und Bedienung des neuen Aim Controllers lassen Spieler tief in die Rolle des Alien-Jägers eintauchen.
Ein Wurmloch spuckt zwei Astronauten mitsamt ihrer Forschungsstation auf dem Planeten aus - genauso wie den Piloten, der sie eigentlich zur Erde zurückholen sollte. Wir schlüpfen in die Rolle dieses Piloten, der sich auf die Suche nach seinen verschollenen Kollegen macht. Allein pirscht er durch Canyons und Höhlen, scannt holographische Tagebuch-Einträge seiner Gefährten und kämpft gegen alles, was sich ihm in den Weg stellt. Und das ist jede Menge.
Ungeziefer lauert hinter fast jeder Felsenecke, ob das nun armlange Springspinnen, Giftbatzen schleudernde Riesenkäfer oder schwer gepanzerte Vogelspinnen-Aliens sind. Die Monster sind auf Dauer etwas redundant, die Kämpfe in der bizarren Felslandschaft aber sehr schön in Szene gesetzt, wobei die Texturen bei genauerem Hinsehen nicht besonders scharf wirken. Farpoint wäre ein durchschnittlicher VR-Shooter, wäre da nicht die beigefügte Hardware: Erst der Aim Controller macht das Spiel zu einem echten Spektakel.

Auf den ersten Blick wirkt der Controller recht unscheinbar: Das hellgraue Gestänge sieht ein bisschen so aus, als habe hier jemand ein paar Abflussrohre mit Tasten, Analogsticks, einem Gewehrabzug und einer bunten Leuchtkugel à la PS Move kombiniert. Im Spiel jedoch hat man unmittelbar das Gefühl, eine Hightech-Wumme in Händen zu halten. Diese Illusion vermittelt der Aim Controller deutlich besser als jeder bisherige VR-Controller: Vor allem dann, wenn man snipergleich durch die (virtuelle) Zielvorrichtung blinzelt oder den Controller blitzschnell hochreißt, um die Waffe zu wechseln.
Dass das Tracking der Playstation Camera nur einen vergleichsweise kleinen Bereich abdeckt, macht sich spätestens dann unangenehm bemerkbar, wenn man die Waffe in der Hitze des Gefechts zu sehr herumwirbelt - ihre Position muss dann nachjustiert werden. Sehr gut gelöst hat Entwickler Impulse Gear die Anordnung der Tasten und Sticks, die sich auch "blind" jederzeit auffinden lassen.
Farpoint ist kein Rail-Shooter wie etwa Rush of Blood; per Analogstick navigiert man durch die schlauchartige Landschaft, die aber gerade an zentralen Kampfschauplätzen einiges an Bewegungsfreiheit bietet. Bei unserem Test hielt sich die Motion Sickness sehr in Grenzen - selbst dann, als wir im Menü das stufenlose Umschauen aktivierten. Die Monster greifen stets nur von vorne an - auch das soll die berüchtigte VR-Übelkeit verhindern.
Auf Dauer ist Farpoint eine intensive, körperlich durchaus anstrengende Alien-Sause ohne erzählerischen Tiefgang. Die Solokampagne ist zwar schon nach etwa fünf Stunden zu Ende, für anhaltenden Spielspaß sorgt jedoch ein packender Koop-Modus. Der Kauf des Aim Controllers dürfte sich für VR-Enthusiasten durchaus lohnen, denn auch künftige PSVR-Titel bringen ihn zum Einsatz. Die Liste der unterstützten Games umfasst bislang The Brookhaven Experiment, ROM: Extraction, Dick Wilde und Arizona Sunshine.
Für PS4 und die PSVR-Brille. Spiel und Controller kosten im Bundle rund 90 Euro. Auch mit Dual Shock 4 spielbar. Bei der E3 hat Sony gerade den DLC Cryo Pack angekündigt(öffnet im neuen Fenster) , der am 27. Juni erscheinen soll.
Großartige Action ohne Übelkeit
Parkour in VR: Das klingt wie ein Abo auf Übelkeit. Doch To The Top geht erstaunlich schonend mit unseren Mägen um. Das liegt nicht zuletzt an der gelungenen Steuerung mit den Touch-Controllern von Oculus: Behende wie ein Eichhörnchen klettert und hüpft man durch knallbunte Welten, hangelt sich an Haltegriffen entlang oder schliddert über Rampen.

Die weitläufigen Level sind zwar grafisch eher abstrakt gehalten, sorgen mit immer neuen Settings wie Baustelle, Kinderzimmern und mehr aber für viel Abwechslung. Um neue Level freizuschalten, gilt es zunächst, eine Reihe von Medaillen zu sammeln. Wer bislang vergeblich auf eine VR-Umsetzung von Mirror's Edge gehofft hat, wird bei To The Top fündig. Ein Eichhörnchen-Simulator, der süchtig macht.
Für HTC Vive, 30 Euro
Superhot VR: ein Spiel für Matrix-Fans
Unter Kugeln durchtauchen wie Neo, in Bullet Time Gegner vermöbeln wie bei John Woo: Superhot VR bietet großartige Action. Die Prämisse des Spiels ist originell: Die Zeit läuft nur weiter, wenn man sich bewegt - je schneller die Bewegung, desto schneller die Zeit. Im Kampf gegen immer neue Wellen von Angreifern sind sowohl eine ausgefeilte Choreographie als auch voller Körpereinsatz gefragt.

Schon lange zählt Superhot VR zu den besten Spielen für Oculus Rift, Ende Mai ist es auch für HTC Vive erschienen. Ein Vorteil der offiziellen Version gegenüber dem Revive-Port ist beispielsweise, dass sie die Vive-Controller voll unterstützt. Matrix-Fans, worauf wartet ihr noch?
Für HTC Vive (30 Euro) und Oculus Rift (25 Euro) mit Oculus Touch
Weitere News der vergangenen Wochen - eine Auswahl: Das Weltraumabenteuer Everspace des Hamburger Studios Rockfish Games hat jetzt einen VR-Modus. Das großartige Echtzeitstrategiespiel Cosmic Trip ist in Version 1.0 verfügbar - mit feindlichem Basenbau. Außerdem haben Modder eine VR-Fassung des Klassikers Half-Life 2 angekündigt - man darf gespannt sein.



