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Apples iOS 8 im Test: Das mittelmäßigste Release aller Zeiten

Apple hat iOS 8 veröffentlicht. Auf den ersten Blick sind erstaunlich wenige Änderungen zu sehen. Die Integration von Mobilbetriebssystem und Rechnersystem sieht vielversprechend aus, allerdings befinden sich viele iOS-zu-OS-X-Verbindungen noch im Betastatus.
/ Andreas Sebayang
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Apples iOS 8 soll in Zukunft die Mac-Welt mit iOS verbinden. (Bild: Michael Wieczorek/Golem.de)
Apples iOS 8 soll in Zukunft die Mac-Welt mit iOS verbinden. Bild: Michael Wieczorek/Golem.de

Apple hat sein Betriebssystem iOS in der 8. Version veröffentlicht: Es ist für viele iPhones und iPads sowie den iPod Touch verfügbar – letzteren berücksichtigen wir in unserem Test jedoch nicht. Apple will mit dem neuen System die Mac- und die iOS-Welt weiter vereinheitlichen; mit iOS 8 beginnt der Umbau beider Betriebssysteme. Das Gegenstück OS X Yosemite folgt später.

iOS 8 – Test
iOS 8 – Test (02:12)

Mit iOS 8 erwarten den Nutzer viele kleine, wenig sichtbare Änderungen: Teile der Infrastruktur wurden verändert, wie etwa die iCloud. Mit Continuity verspricht Apple, den Wechsel zwischen Geräten zu vereinfachen. Wir haben iOS 8 mit dem iPhone 5 sowie dem aktuellen iPad Air getestet, die hier beide ausführlich vorgestellt wurden.

Unser Test basiert auf dem sogenannten Goldmaster (Build 12A365), einer Vorabversion, die bisher immer identisch mit dem schließlich veröffentlichten Build war. Eine Ausnahme dürfte das noch nicht verfügbare iPhone 6 sein, denn neue Apple-Geräte bekommen üblicherweise einen speziellen Build. Die meisten Neuerungen von iOS 8 betrifft das aber nicht.

Apples iOS 8 und vorhersehbare Texte

In der Praxis fällt bei iOS 8 schnell die neue Textvorhersage auf, die uns ausgesprochen gut gefällt. Nutzer anderer mobiler Betriebssysteme kennen das schon länger: Beim Tippen macht das System Vorschläge zum gewünschten Wort. Das spart bei langen Wörtern viel Zeit, erfordert aber einige Umgewöhnung. Bei kurzen Wörtern lohnt sich der Umweg meist nicht.

Wie nützlich die Funktion ist, hängt vor allem vom Können des Anwenders ab. Buchstabensucher profitieren enorm; das Tippen mit zwei Fingern geht dagegen auf dem iPhone häufig schneller als das Lesen der Vorschläge. Das iPad Air bietet genug Platz zum Tippen und profitiert somit weniger von der Funktion.

Die Geschwindigkeit, mit der iOS Eingaben registriert, gefällt uns gut: Selbst komplizierte Wörter kommen schnell in die Vorschlagsliste. Selbst solche, bei denen uns die weiterhin oft nutzlose Autokorrektur zur Weißglut treibt, wurden schnell richtig vorgeschlagen. Die Autokorrektur stuft diese ihr unbekannten Wörter aber zunächst als falsch ein und markiert sie rot.

Apples iOS 8 ermöglicht flexible Tastaturlayouts, die Drittentwickler bereitstellen können. Allerdings muss diese Option erst noch von diesen freigegeben werden. Unter Tastaturen sollen die neuen Eingabemethoden dann als Dritttastaturen aufgelistet werden. Sie gehört zu den neuen Möglichkeiten, die iOS für Entwickler bereitstellt(öffnet im neuen Fenster) und damit mehr Flexibilität im Betriebssystem erlaubt.

Browser und Suche werden ausgebaut

Die Suche hat Apple etwas ausgebaut: Sie bezieht sich nun auf mehr Inhalte und wurde auf verschiedene Apps ausgeweitet. Es können etwa Fotoinhalte durchsucht werden. Wer seine Bilder aus einer bestimmten Stadt sucht, findet sie innerhalb der Foto-App sehr schnell, nicht aber über die Spotlight-Suche. Spotlight funktioniert unter Mac OS X besser, da es nicht mit diesen getrennten Suchen wie iOS arbeitet.

Die Suchfunktion Spotlight auf dem Hauptschirm soll theoretisch örtliche Bezüge berücksichtigen, nicht nur lokal nach E-Mails oder Apps im App Store suchen. Wer einen Film sucht, soll so etwa Spielzeiten im Kino angezeigt bekommen. Dies funktioniert vor allem in Apples Heimatland. In Deutschland zeigten sich die Vorteile dieser Suche noch kaum, und wir hatten viel zu häufig den Eindruck, dass sich die Suchergebnisse nur auf verfügbare Speicherdaten beziehen. Hier muss Apple noch die Infrastruktur verbessern, auf die iOS zugreift.

Neu geöffnete und leere sind Tabs mit der neuen Betriebssystemversion praktischer: Auf dem iPhone sieht der Anwender wie beim großen Safari für Desktops häufig besuchte Webseiten. Die automatischen Einträge können auch geändert werden. Mit einem langen Druck auf eine Webseite wird diese gelöst, kann umherbewegt und in den Bookmarks platziert werden. Ebenfalls neu ist eine Übersicht über die Tabs auf dem iPad: Der Platz wird intelligent genutzt, und auch die iCloud-Tabs sind so sehr viel besser zu handhaben.

Viele Miniänderungen

Apples iOS 8 zeichnet sich durch eine erstaunlich hohe Anzahl kleiner Änderungen aus. Trotz eines langen Vorlaufs haben wir die meisten erst bemerkt, nachdem wir Apples Auflistung durchgegangen waren. Denn viele Veränderungen sind in der Praxis kaum relevant und unauffällig. Andere sind nicht dem Betriebssystem selbst zuzuordnen, sondern als Anpassungen der Apps einzustufen. Im Vergleich zu den Veränderungen, die wir im iOS-7-Test auf Anhieb entdeckten, ist iOS 8 eher ein kleines Release.

Eine Anleitungs-App klärt den Nutzer über die Neuerungen auf. Sie soll im Laufe der Zeit erweitert werden. Die wenigen Tipps sind teils Hinweise auf Funktionen von iOS, auch auf alte, die nicht jeder sofort entdeckt.

Es gibt sie aber auch, die sehr augenfälligen Änderungen: Dazu gehört die Multitasking-Ansicht. Sie wurde um Kontakte oberhalb der App-Screenshots ergänzt und offeriert beim Antippen eines Kontakts verschiedene Funktionen wie den direkten Zugriff auf Kurznachrichten per SMS oder iMessage. GSM-Telefonie und Facetime-Telefonie sind getrennt aufgelistet. Eine Integration von Dritt-Apps wie Skype ist anscheinend nicht vorgesehen.

In der deutschen Version ist die Multitasking-Ansicht mit den Kontakten etwas unübersichtlich. Das liegt daran, dass der erste Buchstabe des Vornamens und der Nachname für Kontakte verwendet werden. Meistens ist der Vorname kürzer, er wird jedoch nur bei den Einstellungen in englischer Sprache angezeigt. Die unterschiedliche Behandlung ist sinnvoll: Hierzulande wird auf das "Sie" und den Nachnamen Wert gelegt.

Aufgefallen ist uns, dass Apple Maps vor allem bei schlechter Verbindung besser funktioniert als noch unter iOS 7. Bei reinen GPRS- oder Edge-Verbindungen ist die Karte meist noch brauchbar, weil Karteninhalte verstärkt zwischengespeichert werden. Dafür gibt es aber keine Einstellungsmöglichkeiten, so dass vorab beispielsweise für eine Reise keine Kartendaten heruntergeladen werden können. Es lässt sich auch nicht in Zahlen festmachen. Die Kartendaten bleiben nach einem Neustart im Zwischenspeicher.

Zusätzliche Informationen gibt es in der Wetter-App mit einer detaillierten Auflistung. Das Design des Kontrollzentrums wurde überarbeitet, und die Mitteilungszentrale kann nun sortiert, einzelne Teile können ausgeblendet werden.

Große Funktionen liegen brach oder sind nicht fertig

Es gibt in Apples iOS 8 auch einige große Änderungen, die wir noch nicht testen können. Sie sind für aktuelle Hardwaregenerationen gedacht. Dazu gehört die direkte Unterstützung von NFC mit einem integrierten Secure Element. Damit soll das iPhone 6 drahtlose Smart Cards emulieren (Card Emulation Mode). Dies ist Teil des NFC-Standards, auf eine spezielle SIM-Karte kann verzichtet werden. Bei Android-Telefonen ist in der Regel eine solche NFC-SIM mit Secure Element nötig. Details zu der Technik finden sich in unserem Artikel NFC in der Analyse: Probleme und Chancen der Nahfunktechnik. Das Potenzial von Apple Pay und der Infrastruktur haben wir ebenfalls versucht einzuschätzen. Doch bis beides im deutschsprachigen Raum sinnvoll genutzt werden kann, wird es noch dauern. Zudem kann diese Betriebssystemfunktion nur das iPhone 6 nutzen.

Apples iCloud Drive ist mehr als eine Umbenennung des Dienstes, die Umstellung von der iCloud wird sich lohnen, auch wenn wir das volle Potenzial noch nicht bewerten können. Vor allem der Austausch von Daten zwischen Apps ist deutlich verbessert worden und ist nun auf dem Niveau von Konkurrenten wie Dropbox. Das Löschen einzelner Dateien funktioniert unabhängig von der Anwendung – unter OS X beispielsweise direkt aus dem Finder. Die iCloud gehört zur Infrastruktur des Apple-Universums, und iOS hat letztendlich nur den Zugriff darauf. Die Gesamtumsetzung wird sich erst bewerten lassen, wenn sie vollständig ist. Das gilt ebenso für eine andere groß angekündigte Funktion, die Apple auf Deutsch "Integration" nennt.

Continuity oder: die tatsächlich große Neuerung in iOS 8

Sie soll es ermöglichen, über Gerätegrenzen hinweg an E-Mails und Dokumenten zu arbeiten, zu telefonieren oder Kurznachrichten zu schreiben. Der englische Begriff Continuity, Kontinuität, ist treffender: Es geht um einen fließenden Übergang, der vorher nur über Umwege möglich und damit aufwendig war. Der nahtlose Übergang funktioniert jedoch nur mit OS X 10.10 alias Yosemite. Da OS X 10.10 aber noch nicht erschienen ist, sollten Nutzer die iOS-8-Aufforderung, auf iCloud Drive umzusteigen, vorerst ausschlagen. Es ist derzeit unklar, ob der Zugriff von älteren Mac-Versionen auf die iCloud dann noch möglich ist.

Telefonieren mit dem iPad

Innerhalb des iOS-Universums arbeiten einige Geräte bereits gut zusammen: So lassen sich GSM-Telefonate mit einem iPad annehmen. Das iPad beherrscht eigentlich nur VoIP-Kommunikation, etwa per Skype oder Facetime. Für GSM-Anrufe müssen iPhone und iPad im selben lokalen Netzwerk sein, mit etwas Verzögerung erkennt das iPad dann einen iPhone-Anruf.

Diese Verzögerung dürfte in der Praxis kein Problem sein: Wer im Bett mit seinem iPad surft und sein Smartphone im Flur auflädt, wird es etwas klingeln lassen und den Anruf dann mit dem iPad annehmen. Außerdem kann der Anwender mit dem iPad über das iPhone seine Kontakte anrufen, was später auch in Verbindung mit Macs funktionieren soll.

GSM-Telefonie mit Verzögerung

Wenn Telefonate übergeben werden, kommt es bei der Sprachübertragung zwischen einem iPad-Nutzer und einem GSM-Teilnehmer teilweise zu deutlichen Verzögerungen von ein bis zwei Sekunden. Allerdings geht es manchmal auch sehr schnell, wie in dem Video zu sehen ist. Die Pausen können irritierend sein und erfordern es, dem Gesprächspartner mehr Zeit für die Antwort einzuräumen.

Handoff und unvollständige Verwaltung von Kurznachrichten

Mit der Goldmaster-Version von iOS 8 können Kurznachrichten nur noch per iMessage auf dem iPad bearbeitet werden. Die SMS-Funktion soll mit einem Update im Oktober nachgeliefert werden, also zur Veröffentlichung von Yosemite.

Interessant ist es, laufende Arbeiten an andere Geräte zu übergeben. Apple nennt diese Funktion Handoff. Wer sich beispielsweise einen Artikel im Internet über das iPhone durchliest, wird auf dem Sperrbild seines iPads ein kleines Symbol bemerken. Wenn das iPad an diesem Symbol entsperrt wird, wird die Webseite per Handoff vom iPhone übernommen. Alternativ finden sich Handoff-Aktionen auch in der Multitasking-Ansicht links der anderen Tasks. In beiden Fällen gilt: Wer die Funktion nicht kennt, wird sie kaum für sich entdecken und sich nur über die kleinen Symbole wundern.

Auch E-Mails, die gerade geschrieben werden, können übergeben werden. Entwürfe lassen zwar schon jetzt übernehmen, wenn IMAP für die E-Mail-Verwaltung benutzt wird. Per Handoff ist das aber deutlich komfortabler: Apple verhindert so, dass mit zwei Geräten an einem Entwurf gearbeitet wird. Für die Unterstützung dieser Funktionen bedarf es zum Teil noch Updates der Apps. Handoff funktioniert jeweils nur mit einer App und der aktiven Tätigkeit. Einen Entwurf einer älteren E-Mail übernimmt der Anwender an anderen Geräten weiter über IMAP-Ordner. Andere Tabs im Browser werden wie gewohnt über iCloud-Tabs oder auch Airdrop übermittelt.

Wenn die technischen Voraussetzungen erfüllt sind, funktioniert Handoff zufriedenstellend. Es gibt aber Situationen, bei denen die Icons nicht sofort zu sehen sind.

Für diese Art von Handoff muss Bluetooth aktiv sein. Im Unterschied zu GSM-Telefonaten ist WLAN ist hier nicht nötig. Wir vermuten, dass Apple Airdrop für die neuen Funktionen modifiziert hat und damit Bluetooth Low Energy alias Smart notwendig ist, Bluetooth Classic dürfte nicht ausreichen. Apple vermeidet es aber, technische Spezifikationen preiszugeben.

Continuity nützt nicht allen

Continuity ist tatsächlich eine große Neuerung sowohl für Apple als auch in der Computerwelt allgemein. Denn Apple kann hier etwas umsetzen, was anderen schwerfällt: die Integration von Mobilbetriebssystem und dem Rechnersystem eines Herstellers. Doch das hilft nur denen, die voll auf Apples Geräte setzen. Wer nur ein einziges Apple-Gerät verwendet, hat nichts von der großen Neuerung von iOS 8. Richtig Spaß wird das System erst machen, wenn auch die nächste Version von OS X fertig ist: Erst dann wird eine abschließende Einschätzung von Continuity möglich sein. Das Potenzial ist da, doch ohne den Mac nicht voll nutzbar.

Bei der Konkurrenz wäre eine enge Verzahnung sicher auch möglich. Windows Phone und Windows 8 sind jedoch noch nicht so weit, auch wenn Microsoft an der Vereinigung der Systeme arbeitet. Google hat ebenfalls das Potenzial, Desktop und Mobile zu vereinen. Doch Chrome OS als Betriebssystem mit seinen Netzanforderungen kann nicht jeder verwenden.

Fazit und das Ende der Unterstützung des iPhone 4 durch iOS 8

Apples iOS 8 ist ab sofort verfügbar. Das Update sollte über die Softwareaktualisierung innerhalb von iOS ebenso angezeigt werden wie über iTunes. Üblicherweise ist die Last nach dem Start einer neuen Betriebssystemversion jedoch so hoch, dass ein Update nicht immer gelingt. Apple-Smartphones ab dem iPhone 4S und Tablets ab dem iPad 2 unterstützen iOS 8. Das iPhone 4 aus dem Jahr 2010 fällt als erstes Retina-Display-Gerät aus dem Support und wird damit wahrscheinlich auch nicht mehr mit Sicherheitsupdates versorgt. Es hat damit immerhin zwei typische Mobilfunkverträge überstanden.

Fazit

"Das größte Release aller Zeiten", wie es Apple behauptet, ist iOS 8 nicht: Wir haben beim Testen gar nicht so viel von den Neuerungen bemerkt: Sie fallen zum Teil erst auf, wenn die offizielle Liste(öffnet im neuen Fenster) gelesen wird. Mache Funktionen sind für zahlreiche Anwender noch verschlossen. Wer nur ein iPad hat, dem bringt auch Continuity nichts. Andere Änderungen betreffen so kleine Details, dass wir gezielt danach suchen mussten, auch wenn sie sich alle letztlich als sinnvoll erwiesen. Wieder andere, wie der große iCloud-Umbau, waren überfällige Beseitigungen schlechter Designentscheidungen.

Das gesamte Potenzial von iOS 8 lässt sich noch nicht einschätzen. Das gilt auch für viele Funktionen, die iOS nun Entwicklern bietet(öffnet im neuen Fenster). Unter dem Stichwort Continuity arbeitet Apple zudem an einer engen Verzahnung von Desktop- und Mobilbetriebssystem. Zwar ist Mac OS X 10.10 alias Yosemite bereits in der öffentlichen Beta, und das Zusammenspiel funktioniert. Doch für eine Bewertung ist es wegen des frühen Entwicklungsstandes und nicht finaler Hardwareaussagen seitens Apple zu früh.

Zumindest zwischen iPhone und iPad arbeitet Continuity schon recht gut. Ob nun Telefonate oder das Weiterschreiben von E-Mails: Es ist kein Problem gewesen, das Tablet für Aufgaben des Smartphones zu nutzen.

Insgesamt lohnt sich iOS 8 für alle Nutzer, deren Smartphones und Tablets von dem neuen Betriebssystem unterstützt werden. Doch wer nur ein Apple-Gerät hat, sollte sich nicht wundern: iOS 8 bringt für diese Nutzergruppe zwar in der Summe viele Neuerungen, aber nichts bahnbrechend Neues.


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