Apple: Warum denn heute wieder ein iPod?

Keine Onlineanbindung, keine Bluetooth-Schnittstelle, begrenzte Speicherausführungen – für viele dürfte der iPod der 2000er Jahre heute überholt wirken. Dennoch entwickelt er sich in einigen Kreisen wieder zum Trendobjekt – und die Gründe gehen weit über eine einfache Detox-Bewegung hinaus.
Um zu verstehen, warum das passiert, gilt es, tief in die Materie einzusteigen. Das beinhaltet für mich einen ausgiebigen Selbstversuch, vom Erwerb des Gerätes über seine Nutzung bis zu seiner Erweiterung mit überraschenden Features. Dabei erhalte ich Einblick in eine Szene, die ein über 20 Jahre altes Musikprodukt zu modernisieren sucht: ein Gerät mit Gefolgschaft und Geschichte.
Vom Zusatzprodukt zum Trendsymbol
Heute wirkt es überraschend, wie wenige 2001 vor Ort waren, als Apple seinen iPod erstmals vorstellte. Damals noch als exklusives Zusatzprodukt für den iMac gedacht, präsentierte man ihn als mobilen Begleiter, der die stationäre Musiksammlung transportabel machen sollte. Dazu dockte er wie ein kleines Raumschiff ("Pod") an den heimischen Rechner an und sicherte verfügbare Lieder auf seinem internen 5-Gigabyte-Speicher. Das Konzept war so erfolgreich, dass man weitere Versionen des Begleiters in Produktion nahm.
Was folgte, waren Iterationen mit schrittweisen Verbesserungen: Mehr Speicher wurde verbaut (10 GByte, 20 GByte), das Scrollwheel, zuerst noch eine drehbare Scheibe im Gehäuse, wich einer formgleichen Touch-Oberfläche, und auch Windows-Nutzer erhielten schließlich Zugang zu dem Gerät.
Es erschienen neue Varianten in verschiedensten Farben und Formen: der iPod Mini (2004, 2005), der iPod Nano (2005-2012) und der schlanke iPod Shuffle (2005-2010). All das, während das klassische Design noch bis 2009 mit neuen Auflagen versorgt wurde. Apple verstand es, seine Technik nahbar zu machen, und entwarf Abwandlungen für jeden Geschmack. So wurde der iPod zum Musikbegleiter, zum Mode-Statement und schließlich zum Trendsymbol. Das ist keine Selbstverständlichkeit im Elektronikbereich.
Heute aber gibt es ihn nicht mehr(öffnet im neuen Fenster) .
Und das betrifft nicht nur den klassischen iPod: Wer Apples Website besucht, wird kaum noch eine Spur der Produktlinie finden. iPod, iPod Nano, iPod Shuffle, selbst sein späterer Ableger, der iPod Touch, wird mit keinem Wort mehr erwähnt. Aber warum genau? Er scheint wie vom iPhone verschluckt.
Das beste iPod-Modell, um das Beste herauszuholen
Ein Grund dafür mag im Wandel liegen, den die Produktreihe seit dem iPhone durchlebte. Als Apple das iPhone 2007 auf den Markt brachte, zielte es mit 499 US-Dollar (heute ca. 752 US-Dollar) auf ein stark gehobenes Preissegment ab. Im selben Jahr wurde der iPod Touch als Gegenstück für niedrigere Preissegmente veröffentlicht. Für 199 US-Dollar (heute ca. 300 US-Dollar) erhielten Budget-Kunden damit eine nahezu funktionsdeckende Alternative, mit der sie ebenso in das App-Store-Ökosystem eingebunden wurden. Das lohnte sich für Apple und nutzte eine etablierte Produktlinie, um einen wachsenden Bedarf an Smart Devices zu erfüllen.
Dennoch verlor sich die iPod-Serie an dieser Neudefinition: Während Apple das Gerät noch über Jahre neu konzipierte, war ein Großteil der Serie 2020 bereits aus der Produktion gefallen. Selbst der iPod Touch, das letzte verbliebene Modell der vergangenen Jahre, verlor an Zugkraft, als gebrauchte iPhones den Niedrigpreissektor zu dominieren begannen.
Gerade während dieses Verfalls aber entwickelte sich ein steigendes Interesse an den älteren Modellen der Serie. Deren Interessengruppen setzen sich aus Vertretern verschiedener Felder zusammen: Da sind die Retro-Liebhaber, die ihre Sammlungen erweitern möchten, oder die Musikenthusiasten, die auf den Klang der verbauten Soundchips schwören. Dann gibt es die Detox-Interessierten, die eine schlichte Alternative zu ihren Smart Devices suchen, und die Bastler, die den alten Geräten mit Modifikationen neues Leben einhauchen wollen. Das wirkt wild gemischt, aber es sind all diese Gruppen vereint, die versuchen, aus den Resten der Produktreihe das Beste herauszuholen.
Dem Besten aber stehen einige Modelle deutlich näher als andere. Das liegt an Faktoren wie den verbauten Soundchips und der Verfügbarkeit von Erweiterungen. Sichtbar wird dieses Interesse aber vor allem am Preis, den die Geräte auf dem Gebrauchtmarkt einbringen.
Bevor ich mich also mit der Nutzung der iPods im Alltag und ihrem Potenzial widme, braucht es einen Überblick über die Modelle im Umlauf und deren Eigenschaften. Welchen iPod lohnt es sich heute zu erstehen, und mit welchen Preisen ist zu rechnen? Dies sind die ersten Fragen, auf deren Beantwortung ich mich stürze.
Das richtige Modell
Die Wahl des richtigen iPods ist schnell herunterzubrechen. Zuerst: Richtig ist, was bereits vorhanden ist. Mit jedem dieser Geräte lassen sich im Alltag Musik und Podcasts angenehm hören, weshalb sich ein Wechsel von einem bestehenden Gerät weg nur selten lohnt. Folgerichtig ist es auch kein Fehler, frei nach Lieblingsform, -Farbe und Speichergröße zu entscheiden. Nur wenn ich gewillt bin, meinen iPod hardwareseitig zu modifizieren, gilt die Faustregel: Je größer das Gerät, desto mehr Raum habe ich, es zu erweitern.
Hier also ein Überblick über die erhältlichen Modelle. Gelistet sind die Speichergrößen, Akkulaufzeiten, das Erscheinungsjahr und die Art des verbauten Displays.







Insgesamt stehen also mehr als 20 verschiedene Modelle zur Auswahl (der nur kurz erhältliche iPod der vierten Generation mit Clickwheel ist wegen seiner Seltenheit nicht gelistet).
Speicher, Display und Batterielaufzeit sind die essenziellen Faktoren für die tägliche Nutzung eines iPods. Gesunde Mittelwerte in diesen Punkten bilden klassische iPods der 5. bis 7. Generation. Da sie besonders beliebt sind, gibt es auch die meisten Reparaturteile, Modifikationen und Services. Wer einen einfachen Einstieg sucht, ist mit einem Modell dieser Serie entsprechend gut beraten.
Achtung bei iPod Nano und Shuffle!
Achtung: iPod Nano und Shuffle haben zwar ikonische Designs, können aber bei nötigen Eingriffen große Schwierigkeiten verursachen. So neigen gerade iPod Nanos der 4. und 5. Generation zu aufgequollenen Batterien. Das ist ein altersbedingtes Phänomen und tritt auch in anderen Modellen auf. Die großen Gehäuse der Hauptserie bieten aber genug Platz, um dem Akku in so einem Fall Raum zu gewähren.
Wird ein Austausch nötig, ermöglichen die großen Gehäuse einen relativ leichten Zugang. Im schmalen Nano-Formfaktor dagegen blockieren verdickte Batterien die Herausnahme der Platine komplett und biegen zudem das Display aus dem Gehäuse heraus. In Inseraten ist das an schwarzen Punkten auf dem abgeschalteten Display zu erkennen.
Nach einiger Recherche gibt es drei Modelle, die als Favoriten auffallen. Bevor ich diese aber genauer hervorhebe, gilt es noch einen bestimmten Hardwareaspekt zu betrachten, den ich bisher verschwiegen habe: den Digital-to-Audio-Converter (DAC).
Der Beliebteste, der Alleskönner, der Budgetfreund
Der DAC ist ein Soundchip, der digitale Informationen abruft und sie in ein analog hörbares Signal umwandelt. Das ist der Klang(öffnet im neuen Fenster) , der auf den Kopfhörern abgespielt wird. Unterschiedliche Chips führen diesen Prozess aber unterschiedlich durch, und das kann für manche Nutzer hörbar werden.
Innerhalb der iPod-Produktlinie lassen sich zwei DACs finden: Wolfson und Cirrus. Während beide Module denselben Prozess anstoßen, sind Wolfson-DACs vornehmlich bei älteren Modellen des iPod zu finden, Cirrus dafür ab den Modellen 2007 und später.
Wolfson klingt wärmer, Cirrus reiner
Im Allgemeinen wird das Klangbild des Wolfson-Chips als wärmer beschrieben. Sound wird hier nicht vollkommen neutral gewandelt, sondern bekommt eine gewisse Klangfarbe beigemischt. Höhen werden etwas abgedämpft, Tiefen leicht verschoben. Was ungewollter Nebeneffekt des Prozesses sein dürfte, stellt für viele Enthusiasten den Charme des Moduls dar.
Cirrus-Module dagegen bilden Höhen und Tiefen etwas unverfälschter ab. Das führt erst einmal zu einem reineren Musikempfinden, näher an den Vorstellungen der Interpreten, Nutzer der Wolfson-Generationen empfinden diese Mischungen aber oft als zu dominant, zu stark oder eben: nicht abgedämpft.
Für Normalnutzer sollte der Unterschied der DACs kaum bemerkbar sein. Trotzdem darf er im Rahmen der Vollständigkeit nicht unerwähnt bleiben.
In der folgenden Favoritenauswahl sind DACs als Faktor einbezogen:







Veranschlagte Preise entsprechen dem Durchschnitt ihrer Sofortkauf-Optionen auf eBay. Alternativ sind diese Geräte aber auf Kleinanzeigenportalen etwas günstiger zu bekommen. Sollte ein Inserat fälschlich oder unsicher beschrieben sein, finden sich zahlreiche Hilfestellungen zur Modellerkennung in Yuuiko's iPod Guide(öffnet im neuen Fenster) . Dieser ist als öffentliches Gitbook frei beziehbar und beleuchtet die meisten Generationen noch einmal im Einzelnen. Auch Vor- und Nachteile der Modelle sind gelistet und werden stetig erweitert.
Der Beliebteste
Der iPod fünfter Generation sowie sein direktes Update von 2006 zählen zu den verbreitetsten Modellen der Reihe. Sie bilden die letzten Versionen mit klangwarmen Wolfson-DACs und bieten leichten Zugang zu Ersatzteilen jeder Art. Leider spiegelt sich ihre Beliebtheit auch im Preis wider: Wer ein solches Modell kaufen möchte, zahlt schnell den doppelten Preis der Folgegenerationen. Dabei lohnt sich der Blick auf die anderen Modelle. Neben größerem Speicher bieten diese auch modernere Feature-Sets und Komfort. Wer also auf den klangwarmen Wolfson-DAC verzichten kann, spart Geld und erhält vielleicht sogar ein besseres Gesamtpaket.
Der Alleskönner
Die 7. Generation ist das letzte Modell der klassischen Serie, bevor Apple sich vornehmlich auf die Derivate Nano und Touch konzentrierte. Er hat die höchste CPU-Leistung, doppelten RAM im Vergleich zu seinen Vorgängern, ein Metallgehäuse und das modernste Feature-Set der Reihe. Letzteres führt Inline-Controls (Lautstärkeregelung über Kopfhörer) sowie kleinere UI-Besonderheiten wie Coverflow ein. Dazu kommen großer Speicher, die klangneutralere Cirrus-DAC und ein schlanker Formfaktor. Modifikationen sind auch für diese Modelle weit erhältlich. Bastler sollten aber im Hinterkopf behalten, dass Metallgehäuse dieser Art nur umständlich zu öffnen sind.
Tipp: Der Budgetfreund
Die 6. Generation der Serie (öffnet im neuen Fenster) wird in vielen Diskussionen außen vor gelassen. Das liegt daran, wie ähnlich sie den umliegenden Modellen ist und wie wenig einzigartige Merkmale sie bietet. Für mich aber bedeutet das den Zugang zu einem günstigeren iPod ohne große Kompromisse. Ich verzichte zwar auf eine warme Wolfson-DAC, erhalte aber im Gegenzug den doppelten RAM sowie eine schnellere CPU für flüssigeres Scrolling. Ich verliere zwar die Inline-Controls des Nachfolgers, habe aber dieselbe Speichergröße (Modell 80 GByte) und zahle dafür den halben Preis. Mit diesem Kompromiss besitze ich zwar nicht das Modell höchster Klasse, finde aber einen soliden und verfügbaren Budget-iPod mit großem Funktionsumfang.
Das ist eine gute Basis, um meinen eigenen Versuch zu starten.
Der iPod im Einsatz: eine Befreiung!
Nach einiger Recherche habe ich also einen iPod im Haus: klein, kompakt und überraschend vertraut. Jetzt gilt es, ihn korrekt aufzusetzen – und das gestaltet sich je nach System sehr unterschiedlich.
Unter Windows stehen heute noch lauffähige Versionen von iTunes zur Verfügung. Damit lässt sich das Gerät einfach einstecken und auf Knopfdruck synchronisieren.
Unter MacOS ist das schwieriger: Seit Version Catalina (MacOS 2019) existiert iTunes auf der Plattform nicht mehr. Alle früheren Funktionen zur iPod-Synchronisierung sind Bestandteil anderer systemeigener Module geworden: Playlists und CD-Importe werden über die Apple Music-App geführt, Podcasts dagegen über Apples Podcast-App.
Das funktioniert in den meisten Fällen. Nur manchmal werden Albencover fehlerhaft übertragen oder Podcasts werden als Lieder geführt und der Klingelton, den ich vor Jahrzehnten beiläufig gespeichert haben muss, ist jetzt unter meinen Top 25 Liedern aller Zeiten gelistet. Verdient, wenn ich ehrlich bin.
Linux-Systeme müssen ganz auf alternative Tools zurückgreifen. Rhythmbox zum Beispiel ist auf Ubuntu vorinstalliert und besitzt ähnlichen Zugriff wie iTunes. Der Support ist hier weit gekommen, auch wenn es keine perfekte Lösung ist.
Wenn ich die Situation systemübergreifend betrachte, sind das durchwachsene Ergebnisse. Kein Wunder, immerhin liegt der letzte iPod der Hauptserie bald zehn Jahre zurück und gerade MacOS hat mit dem Architekturwechsel auf ARM seither tiefgreifende Systemänderungen durchlaufen. Aber so umständlich das sein mag, immerhin bin ich überhaupt in der Lage, Musik zu übertragen.
Ein weiterer Hoffnungsschimmer: Heute gibt es Software-Modifikationen für den iPod, die diese Prozedur noch etwas vereinfachen können. Dazu später mehr, wenn ich mich dem Soft- und Hardware-Modding widme.
Nur Musik und Podcasts, ohne Schnickschnack
Mit der Gewissheit, meine Musik übertragen zu können, digitalisiere ich alle Alben, die ich finden kann. Ebenso gehe ich alte Online-Bibliotheken durch und kaufe vereinzelte Lieblingsalben digital noch einmal nach. Stück für Stück entsteht ein digitaler Abdruck meiner Sammlung und ich übertrage ihn auf meinen iPod.
Und dann funktioniert es.
Es erinnert ein wenig an eine Feldflasche für unterwegs. Ich habe genug Unterhaltung bei mir, aber mir ist stets bewusst, wie schnell mein Vorrat zur Neige geht. Ich achte sehr darauf, meinen iPod vor jedem Ausgang mit genügend neuen Liedern, Playlists und Podcasts auszustatten. Gerade jetzt, wenn ich Vergesslichkeit nicht mit Online-Anbindung und Streaming ausgleichen kann.
Davon abgesehen freue ich mich unterwegs sofort über das vertraute Klickgeräusch meines Scrollwheels. Auch die flinken Zeilensprünge und saubere Menüführung gefallen mir sofort: Der iPod hat ein klares Ziel und möchte ohne Umwege dorthin leiten. Ich starte Lieder, vergebe Sterne, spule umher, passe meine Lautstärke an, es erfolgt alles intuitiv.
Vor allem aber wird mir wieder bewusst, wie gezielt dieses Interface auf Musik ausgelegt ist: Da ist keine unnötige App-Navigation, da sind keine Accountbestätigungen, keine Face-Unlocks und keine Mitteilungen am Rand des Displays. Es gibt keine Tasten oder Funktionen, die nicht zum Ziel führen – und das fühlt sich befreiend an!
Also beschließe ich, noch ein wenig am Ball zu bleiben: Ich erweitere meine Bibliothek um weitere Alben und füge diese manuell ein. Podcast-Folgen werden sogar automatisch übertragen und ich falle in einen angenehmen Rhythmus der Bedienung. Die Routine, die entsteht, begleitet mich über Wochen, aber es gibt auch einige Probleme, die ich dringend beseitigen möchte.
Zuerst brauche ich eine Alternative zur wackeligen iTunes-Synchronisation. Gesucht wird eine Lösung, die mir einfachen Zugriff auf den iPod bietet und alle Funktionen in nur einem einzigen Tool vereint. Dann fehlt mir noch Bluetooth-Support. Eine Lösung, ganz ohne auffällige Adapter oder Dongles, die das Gesamtbild stören. Kabelgebundene Kopfhörer funktionieren vielleicht zu Hause gut, unterwegs möchte ich aber einfach keine Knoten mehr lösen und erst recht kein Ziehen am Ohr ertragen, wenn ich irgendwo hängen bleibe.
Ich liste diese Probleme gerne auf, denn sie alle lassen sich heute lösen. Es ist Zeit, den iPod zu erweitern.
Hardware: Modding: den iPod in die Moderne überführen
Modding im Hardware-Bereich assoziiere ich meist mit bunten Gehäusen und leuchtenden Tasten. Hier liegt mein Fokus aber auf einem anderen Ziel: einen iPod in die Moderne zu führen.
Wie viele Features sich heute tatsächlich nachrüsten lassen, ist überraschend und ich werde einen Großteil davon beleuchten. Wichtig aber ist auch, dass diese Erweiterungen in einer bestimmten Reihenfolge durchgeführt werden.
Platz für Erweiterungen schaffen
Als ersten Schritt braucht es ein Speicherupgrade. Hier geht es weniger darum, virtuellen Platz zu schaffen als physischen. Wer einmal einen iPod geöffnet hat, weiß, dass die schwerfällige Festplatte den größten Raum im Gerät einnimmt. Wird sie entfernt und durch eine dünne Alternative ersetzt, entsteht Raum für Modifikation im Inneren.
Gängige Alternativen dafür sind flache SSDs oder SD-Karten-Adapter. Beide senken das Gewicht des Gerätes und dessen Energiebedarf, da keine schwerfällige Festplatte mehr betrieben werden muss. Obendrein erhalten wir mehr Speicherplatz und können den gewonnenen Raum für verschiedene Erweiterungen nutzen.
So kann der gewohnte iPod-Anschluss zum Beispiel mit einem USB-C-Gegenstück ausgetauscht werden. Ebenso lassen sich ein Apple-Air-Tag, eine Taptic-Engine für haptisches Feedback oder eine induktive Ladespule verbauen.
Viel wichtiger aber: Ich kann auf diese Weise ein Bluetooth-Modul nachrüsten. In diesem Fall opfere ich die Funktionalität der iPod-Tastensperre, um sie als separaten An-/Ausschalter des Bluetooth-Moduls nutzen zu können. Im Gegenzug lassen sich jetzt kabellose Kopfhörer verbinden, als wären sie im Klinkenanschluss eingesteckt. Das alles, ohne die eigentliche Funktionalität der Klinkenbuchse selbst zu verlieren.
Selbst modden oder modden lassen
Optionen wie diese sind eigenhändig durchführbar und können in verschiedenen Sets mitsamt den nötigen Werkzeugen erworben werden. Je nach Modifikation geht das ganz ohne Lötkolben und große Angst. Dennoch empfiehlt es sich, die Installation in einigen Situationen ganz dem Onlineshop des Vertrauens zu überlassen. Viele Shops bieten einzelne Modifikationsarbeiten, bestellbare Erweiterungssets oder umgebaute iPods als Gesamtpakete an. Letztere bewegen sich bei player-mods.com(öffnet im neuen Fenster) zum Beispiel zwischen 223 und 1.000 Euro, je nach Ausstattung.
Hardware-Erweiterungen sind aber nicht der einzige Ansatz, einen iPod zu modifizieren. Deutlich zugänglicher ist der Bereich der Software-Modifikationen. Hier lassen sich Funktionen freischalten, die Apple werkseitig nicht eingebunden hat. Nicht nur sind diese kostenlos, sie laufen auch größtenteils vollautomatisiert ab und sind umkehrbar, sollte es zu Problemen kommen.
Software-Mods auf dem iPod: Rockbox, USB & FLAC
Der Bereich der Software-Modifikationen(öffnet im neuen Fenster) wirkt zuerst ähnlich stigmatisiert wie der der Hardware-Anpassungen: Wo mich Letzteres an leuchtende Gehäuse erinnert, fürchte ich hier überladene Fandesigns, ausschweifende Menüs und Plug-ins, die mich an WinAMP-Zeiten erinnern. Trotzdem lohnt sich der Blick, denn wo Designs möglich sind, lässt sich auch Tieferes bewegen: FLAC-Support zum Beispiel, oder direkter Zugang zum iPod als USB-Speichermedium.
Die bekannteste Lösung dafür ist Rockbox, ein Alternativ-Betriebssystem für Musikgeräte. Es unterstützt FLAC-Formate, erlaubt eigene Code-Ausführung (in C) und verbindet den iPod als normales USB-Speichermedium mit vollem Schreibzugriff. Obenauf wird Rockbox im Dualboot installiert und lässt das bestehende Betriebssystem intakt. Beim Start des iPods entscheidet allein die Position des Hold-Schalters, welches der beiden Betriebssysteme nun gestartet werden soll. Ein Wechsel zur gewohnten Umgebung ist also jederzeit nur zwei Tastendrücke entfernt.
Wichtig: Da die beiden Betriebssysteme voneinander isoliert bleiben, belegen sie ihren eigenen Bereich im Speicher. Lieder, die ich per USB auf Rockbox kopiere, sind für das Standard-System nicht lesbar. Titel, die ich im Apple Betriebssystem aufrufen möchte, müssen wie gewohnt über iTunes synchronisiert und eingebunden werden.
Um Rockbox wieder zu entfernen, starte ich dessen Installer einfach erneut und folge der vollautomatisierten Deinstallation. Dann nur noch ein Neustart und ich bin zurück im gewohnten iPod-Gefühl, als wäre nichts gewesen. Es lädt frei zum Experimentieren ein und bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten.
Fazit
Nach ein paar Wochen mit dem iPod habe ich einen guten Eindruck bekommen, von Form, Funktion, Geschichte und Bedeutung des Gerätes. Auch glaube ich, die Begeisterung hinter diesem Trend jetzt besser verstehen zu können. Was ich zuerst nur als Detox-Welle belächelt habe, ist eigentlich eine Bewegung interessierter Bastler und Enthusiasten, die versuchen, den modernen iPod zu schaffen, den Apple ihnen bisher verweigert hat.
Das an sich ist noch nichts Besonderes, aber es ist beachtlich, wie viel in diesem Rahmen erreicht wurde: Es gibt detaillierte Dokumentationen aller iPod-Modelle, Video-Anleitungen zur korrekten Einordnung, Entwürfe zur besseren Menüführung, und, für mich am beeindruckendsten, die zahlreichen Modifikationen an Hard- und Software, die heute für Nutzer verfügbar sind.
Dank dieser Bemühungen steht es mir frei, meinen iPod mit allem Möglichen nachzurüsten: von neuen Batterien und Gehäusen bis hin zu Bluetooth-Modulen und FLAC-Support. Die freiwillige Arbeit, die zu diesem Punkt geführt haben muss, lässt sich kaum verrechnen.
Und dennoch reicht es für mich nicht ganz.
Ich genieße vieles am iPod. Das galt schon für seinen Originalzustand und jetzt umso mehr für seine modifizierte Bestform. Woran es mir aber fehlt, ist die Auswahl, die mir moderne Streamingdienste wie Spotify bieten können. Eine Auswahl, die auch kein Bluetooth-Modul und kein kabelloses Laden kompensieren kann.
Vielleicht aber lässt sich das alles vereinen. Den Bedarf für einen modernen Musikbegleiter ohne Ablenkungen scheint es ja zu geben, sonst wäre dieser Trend nie so weit gekommen. Sicher gibt es dort draußen Geräte, die dieses Konzept erfüllen könnten, aber keines von ihnen bietet Apples Designsprache und Menüführung. Was wirklich gesucht wird, ist ein iPod der Moderne. Ein iPod, der sich identisch bedienen lässt wie seine Vorgänger der frühen 2000er, aber mit den Vorteilen der Neuzeit: kabellose Kopfhörer, Songbezug aus Streamingdiensten und dennoch eine ablenkungsfreie Erfahrung.
Wenn es das ist, was sich diese Community erhofft, dann bin ich ganz auf ihrer Seite.
Update:
Der Artikel wurde auf seine Aktualität überprüft und unverändert nochmal zum Lesen bereitgestellt.



