Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Apple: Vision Pro zwischen Finger-Tracking-Lob und Gewicht-Kritik

Sehr gutes Bild, nahezu perfekte Bedienung aber ein bisschen zu schwer: Die ersten Hands-ons von Apple Vision Pro sind insgesamt positiv.
/ Peter Steinlechner
126 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Vision Pro im Einsatz (Bild: Apple)
Vision Pro im Einsatz Bild: Apple

Es ist ziemlich sicher: Der für Virtual Reality zuständige Redakteur von Engadget wird nicht 7.000 oder noch mehr US-Dollar ausgeben, damit sowohl er als auch Familienmitglieder mit dem Vision Pro auf dem Sofa sitzen und Filme anschauen können.

Das geht jedenfalls aus seinem Hands-on(öffnet im neuen Fenster) hervor, in dem er seine persönlichen Eindrücke von dem frisch angekündigten Headset schildert.

Tatsächlich sagten ihm wohl mehrere Angestellte von Apple, dass er ja mehrere Vision Pro kaufen könne, damit er Filme auch weiterhin gemeinsam mit anderen anschauen könnte.

Der Redakteur fand diesen Vorschlag offenbar so absurd, dass er einfach lachen musste. Das dürften viele von uns nachvollziehen können.

Eigentlich ist das Fazit nach einem ersten Hands-on von Engadget und anderen Magazinen durchaus positiv. Besonders gelobt werden die Bedienung mit ihrer Mischung aus dem Anvisieren von Menüpunkten und der Auswahl durch Finger- und Handbewegungen.

Auch die beiden (vermutlich) mit jeweils 4K auflösenden Micro-OLED-Displays kommen extrem gut an. Noch am meisten Kritik gibt es am Gewicht, das kaum einen Einsatz über den ganzen Tag erlaube.

Apple zeigt das System des Vision Pro Headset (WWDC 2023)
Apple zeigt das System des Vision Pro Headset (WWDC 2023) (07:27)

Die Magazine konnten das Headset nach der Ankündigung direkt bei Apple in Cupertino ausprobieren. Wie unter anderem Der Spiegel schildert(öffnet im neuen Fenster) (Paywall), mussten dazu Gesicht und Ohren per iPhone gescannt werden. Dann wurde die Brillenstärken gemessen und in Vision Pro entsprechend eingestellt.

Das Headset kann, anders als etwa Playstation VR2, nicht mitsamt einer Brille verwendet werden. Das klingt wie ein Nachteil – aber die meisten Brillenträger dürften es eher positiv erleben, wenn Vision Pro das bestmögliche Bild bietet und das Nasenfahrrad sicher auf der Seite liegt (findet jedenfalls der Autor dieses Artikels).

Der Kollege vom Spiegel lobt unmittelbar nach dem Aufsetzen: "Der Raum, in dem ich mich befinde, wirkt durch die Kameras und Bildschirme der Vision Pro betrachtet fast genau wie ohne Apples Brille."

Gemeint ist damit, dass die meisten Headsets – auch Playstation VR2 – im Passtrough ein sehr künstliches Bild der Umgebung zeigen, etwa annähernd monochrom.

Der Spiegel lobt ebenso wie Engadget und Tech Crunch vor allem die Bedienung. Anders als die meisten Headsets kommt Vision Pro vollständig ohne separaten Controller aus. Stattdessen wählt der Nutzer die gewünschten Menüpunkte oder Inhalte einfach durch Anschauen aus, dazu kommen Fingerbewegungen und Wischen.

Laut Tech Crunch(öffnet im neuen Fenster) funktioniert das "nahezu perfekt" – ohne dass man seine Hände anheben oder sogar regelrecht in die Luft halten muss.

Kameras schauen auf die Finger

Am Headset gibt es hochauflösende und nach unten gerichtet Kameras, die nur für das Tracking der Hand- und Fingerbewegungen gedacht sein sollen. Das klappt nach Darstellung alle Magazine wohl schlicht hervorragend.

Ebenfalls viel Lob gibt es für die Bildqualität und die Immersion – also das Gefühl, in einer stimmigen Welt zu sein. Das gilt auch für die Möglichkeit, Texte auf Webseiten zu lesen, was unter anderem laut Engadget gut möglich war.

Die etwas spektakuläreren Demos mit 3D-Effekten, räumlich wirkenden Dinosauriern und ähnlichen Sachen schildern mehr oder weniger alle Redaktionen als positiv oder sogar branchenführend. Es habe keine sichtbaren Ruckler oder sonstige Darstellungsprobleme gegeben.

Als etwas merkwürdig wird aber das Aussehen von Avataren geschildert, die Vision Pro für Meetings erstelle. Die anderen Menschen würden zwar irgendwie echt wirken, aber nicht so stimmig aussehen. Das ergebe einen Effekt, der meist als "Uncanny Valley" bezeichnet wird – unschön. Hier könnte Apple aber noch nacharbeiten.

Auf 9 to 5 Mac ist außerdem zu lesen(öffnet im neuen Fenster), dass dem Redakteur sonst bei Virtual Reality extrem schnell übel wird, davon aber nach rund einer halben Stunde schlicht nicht zu spüren gewesen war. Allerdings sei das "Gewicht eher ein bisschen schwerer" – eine offizielle Angabe von Apple oder heimliche Messungen gibt es bislang nicht.

Apple zeigt die Technik hinter dem Vision Pro Headset (WWDC 2023)
Apple zeigt die Technik hinter dem Vision Pro Headset (WWDC 2023) (10:44)

Die Audioqualität wird teils gelobt, teils nicht so. 9 to 5 Mac nennt vor allem den Raumklang "beeindruckend", der Spiegel findet ihn nur "schon ganz gut, aber recht leise". Unklar ist, ob man große Kopfhörer wie die Airpods Max parallel mit Vision Pro tragen könne.

Es gibt noch einige Details, die nicht endgültig geklärt sind. Offen ist unter anderem die Frage, wie die Sache mit dem Ermitteln der Brillenstärke und dem Anpassen der Linsen im Headset funktioniert. Soweit wir verstanden haben, hat Apple die Optik eingestellt, ohne dass die Probanden zusehen konnten.

Apple Vision Pro: Verfügbarkeit und Preis

Auch noch nicht klar ist, welche Arten von Befestigungen mitgeliefert werden. Im Material von Apple ist nur ein einfacher Gurt zu sehen, tatsächlich wurden aber wohl zumindest zum Teil noch zusätzliche Gurte verwendet, die quasi mittig über den Kopf laufen.

Ein paar Monate bis zur Klärung benötigt Apple aber noch. Nach aktuellem Stand soll das Vision Pro erst Anfang 2024 für 3.500 US-Dollar in den USA auf den Markt kommen. Wann der Start in anderen Ländern erfolgt, ist nicht bekannt.

Eine nicht ganz klare Meinung über das Headset hat übrigens die Börse: Nach der Präsentation von Vision Pro ist der Aktienkurs von Apple gefallen – aber nur um rund 1 Prozent.


Relevante Themen